Diepholzer Schlossturm lässt seine Sterne funkeln

Dacherker präsentieren sich in neuem Gewand

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Diepholz - Von Richard W. Bitter. Hand aufs Herz: „Kennen Sie die Sterne, die am Schlossturm funkeln?“ Dieses kleine, wenig beachtete Detail des Diepholzer Wahrzeichens soll hier näher erläutert werden. Aber zunächst die Frage: Was hat sich beim Schlossturm durch die Sanierungsarbeiten noch verändert?

Bisher: die Fenstererker bei der 625-Jahrfeier 2005.

Da sind die sechs Fenstererker zu nennen. Sie befinden sich in der obersten von den acht begehbaren Ebenen und ermöglichen den Blick über die Stadt und weit in das Diepholzer Umland. Bisher waren die fünfeckigen Dachhauben der Erker mit Schieferschindeln eingedeckt. Die Anschlüsse der vorgewölbten Dachflächen an die barocke Haube des Hauptdaches sind materialbedingt schwierig auszuführen und selten regendicht.

Aktuell entschieden sich die Baufachleute deshalb für eine Kupferblecheindeckung, die den kleinen Abmessungen der Erker gerechter wird. Dabei werden die Kupferscharen an ihren Stößen zu Stehfalzen umgebörtelt und bieten ein Maximum an Schlagregensicherheit.

Neu: die Dacherker wurden mit Kupferblech eingehaust.

Auf der Spitze der Erker sind die alten, inzwischen mit grüner Edelpatina überzogenen Türmchen wieder aufgesetzt worden. Sie wurden 1961 in der Werkstatt der Firma Horst Antrecht, Diepholz, nach den vorhergehenden Mustern nachgebildet. Die etwa 1,50 Meter hohen kupfernen Zierelemente sind durch zwei „Kugeln“ verschönert, die in ihren Proportionen und der Bauweise der obersten vergoldeten Turmkugel entsprechen.

Die Erkertürmchen werden an ihrer Spitze durch einen sechsstrahligen Kupferstern abgeschlossen, von dem ein Zacken in die Unterkonstruktion einmündet und unsichtbar bleibt. Auch der Stern wurde 1961 in der Werkstatt von Horst Antrecht gefertigt. Das Muster, das aus einem Kupferblech mit einem Umkreis von 24 cm entstand, hatte Horst Antrecht aufgehoben und jetzt dem Heimatverein Diepholz für die Ausstellung des Schlossturm-Museums vermacht.

Der sechsstrahlige Stern taucht in den Wappen der Diepholzer Grafen und der hannoverschen Welfen nicht auf und so konnte vom Verfasser kein unmittelbarer historischer Bezug zur Verwendung des Sternmotivs hergestellt werden.

Die Dacherker mit der neuen Kupferverkleidung Bitter

Eine Erklärung könnte die mystische Zahlensymbolik sein, die im Mittelalter großen Einfluss auch auf die Baukunst hatte. Es ist sicherlich kein Zufall, dass die „vollkommene Zahl“ drei, als sogenannte Gotteszahl (heilige Dreieinigkeit) in der gesteigerten Form mehrfach am und im Schlossturm vorkommt: 2 mal 3i Schießscharten, 2 mal 3 Fenstererker, der sechsstrahlige Stern, der zwölfeckige Fachwerkaufsatz über dem Gurtgesims, usw. Auch im Inneren lässt sich die Zahlensymbolik mit der Basis „drei“ als Gotteszahl nachweisen. Einige der mittelalterlichen Codierungen am und im Turm sind zu entschlüsseln, aber es bleiben auch noch Geheimnisse, die der Turm für sich behält.

Inzwischen sind die Arbeiten an Dach und Fassade des Turms abgeschlossen und das Höhengerüst ist abgebaut. Nun ist der äußere Blick frei auf das sanierte Wahrzeichen von Diepholz.

Am Grafensonntag, 16. Oktober, soll die feierliche Übergabe des Turmes um 11 Uhr im Rahmen eines Festaktes erfolgen.

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