Landrat reiht sich in Promi-Liste ein, will aber „Kommunalo“ bleiben

Wulff, Weil, Bockhop

Einmal pfeifen, bitte: Zugführerin Frauke Lehmann lieh Cord Bockhop ihre Trillerpfeife. - Foto: Jantje Ehlers

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Dieser Heiratsvermittler spaltet die Bevölkerung. Da hat man wohl keinen echten Promi gefunden, also musste der Landrat herhalten, lästern die einen. Die anderen freuen sich, dass Cord Bockhop in diesem Jahr bei der Eröffnung des Brokser Heiratsmarkts nicht nur dabei war, sondern sie auch übernahm. „Wir sind Heiratsvermittler!“, jubelt gar der Asendorfer Ortsteil Graue.

Die Einwohner des Dorfs, in dem Bockhop aufgewachsen ist, haben ein Schild mit dieser Aufschrift an die Straße gestellt. So oder so: Unterhalten kann er – da sind sich Fans und Kritiker einig. Und das bewies Bockhop gestern nicht nur bei der Markt-Eröffnung, sondern auch bei der vorangegangenen Tour mit der Museumseisenbahn. Dass der Heiratsvermittler gemeinsam mit einigen Kommunalpolitikern Zug fährt, ist Tradition. Dass ein Landrat den Posten übernimmt, nicht. 

In den vergangenen Jahren waren es meist hochrangige Politiker aus dem Landtag. Sigmar Gabriel zum Beispiel, der 2001 als Ministerpräsident kam und heute Stellvertreter der Bundeskanzlerin ist. Oder Christian Wulff (2005, Ministerpräsident, später Bundespräsident). Oder auch der amtierende Ministerpräsident Stephan Weil (2013). Bereits 2015 entschied sich der Flecken – nach einer Reihe von Absagen aus der Landeshauptstadt – mit Willi Lemke für einen Star aus einer anderen Branche. Der Anfang vom Ende der Besucherliste aus Hannover? Zumindest verkündete Fleckenbürgermeister Peter Schmitz schon im November vergangenen Jahres, dass Bockhop, der in seiner Funktion als Landrat schon Reden bei Eröffnungen des Brokser Markts gehalten hat, der nächste sein wird. „Das war der Wunsch zweier Herren“, sagte Schmitz gestern mit Blick auf Fleckendirektor Bernd Bormann.

Vielleicht hat sich ja einfach nur die Reihenfolge geändert. Früher folgte einem Ministerposten oft die Ehre des Heiratsvermittlers, und heute ist es umgekehrt? Keineswegs, verriet Bockhop gestern, während er im Salonwagen der Museumsbahn gemütlich von einem Gespräch im Gasthaus Dillertal zum Marktplatz tuckerte. „Ich bin Kommunalo, das liegt mir im Blut“, sagte er. „2019 würde ich noch mal als Landrat kandidieren. Sonst kommt nichts mehr.“ Dann lachte er laut. „Obwohl, wenn mein Land mich braucht ...“

Für Bormann war die Einladung Bockhops logisch, immerhin hätten sich die „Verflechtungen verschoben“: „Was früher das Land gewesen ist, ist heute der Landkreis.“ Wichtige Themen wie Schule und Breitband besprächen die Kommunen heute mit dem Kreis.

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In die selbe Kerbe schlug Bockhop bei seiner Ansprache im Dillertal. Zunächst zählte er einige Zuschüsse auf, mit denen der Landkreis die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen in den letzten Jahrzehnten unterstützt habe. Und es sollen noch mehr werden: Der Landrat versprach, sich im Kreistag dafür einzusetzen, dass der Deutsche Eisenbahn-Verein künftig 25.000 statt 12.800 Euro jährlich erhält.

Der Brokser Heiratsmarkt von oben

Die zweite gute Nachricht: „Wir, Bernd Bormann und ich, haben uns geeinigt, was die Schulbaukasse angeht und werden das auch den anderen betroffenen Kommunen und dann dem Kreistag vorlegen“, sagte Bockhop. Als das Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen vor gut einem Jahrzehnt gebaut wurde, habe die Gemeinschaftskasse gerade „Dornröschenschlaf“ gehalten. Die Samtgemeinde könnte nun rückwirkend einen Zuschuss bekommen. Laut Bormann ist eine Verzinsung der Investitionssumme in Höhe von rund zwei Prozent pro Jahr über 20 Jahre angedacht.

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