Netzwerk Flüchtlingshilfe: Martfelder engagieren sich

„Wir sollten Flüchtlingen helfen, damit sie eine Zukunft aufbauen können“

Ein paar Flüchtlinge, die die Angebote in Bruchhausen-Vilsen nicht nutzen können, bekommen täglich zu Hause Deutschunterricht.

Martfeld - Als letzte Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen hat Martfeld im Dezember 2015 Flüchtlinge aufgenommen. Mittlerweile sind vier Familien aus dem Irak und aus Syrien mit insgesamt 25 Personen dort zu Hause. 

Neben den Asylbegleitern, deren Arbeit der Bruchhausen-Vilser Verein „Lebenswege begleiten“ koordiniert, hat sich in Martfeld eine große Gruppe engagierter Bürger gebildet, die die Asylbegleiter unterstützen oder einzelnen Familien bei ihrer Erstorientierung zur Seite stehen. Ansprechpartnerin für die ehrenamtlichen Helfer und für die Flüchtlingsfamilien ist die Martfelderin Sabine Krzikalla, von „Lebenswege begleiten“.

Unterstützung bei Arztbesuchen

Eine Patengruppe steht einer zwölfköpfigen irakischen Familie in unterschiedlichen Lebenslagen bei: Einige Mitglieder helfen bei Schulangelegenheiten, andere vermitteln die Kinder in Sportgruppen beim TSV Martfeld, wieder andere bieten sich als Begleitung für Arztbesuche an.

Seit einiger Zeit gibt es zudem ein Team von Martfeldern, die individuell bei der Deutschvermittlung helfen. Sie erteilen drei Flüchtlingen täglich Unterricht. Warum das nötig ist, erklärt die Gruppe in einer Pressemitteilung.

Die Kinder lernen die deutsche Sprache im Kindergarten und in der Grundschule, für die Jugendlichen und Erwachsenen gibt es Deutschkurse verschiedener Art in Martfeld und Bruchhausen-Vilsen. „Die Flüchtlinge haben gute Bildungschancen – und die nutzen sie“, steht in der Pressemeldung. Das Aber: „Zwei Mütter von Kleinkindern und ein gehbehinderter Mann können keins der vielfältigen Angebote nutzen. Kurse, die ihrem Niveau entsprechen, gibt es zwar in Bruchhausen-Vilsen, aber da können sie nicht hin.“ Eine der beiden Frauen ergriff die Initiative und wandte sich an die Martfelderin Heidi Kasper: „Du Schule!“ Diese Aufforderung wiederholte die Frau bei jeder Begegnung – mit Erfolg. Kasper, ehemalige Grundschullehrerin, fand so viele Freiwillige, dass täglich zwei von ihnen die drei Asylbewerber besuchen und ihnen mindestens eine Stunde Unterricht in deutscher Sprache, in Lesen und Schreiben geben.

Aufgeschlossen, lernwillig und eifrig

Eine von ihnen ist Cornelia Nelson, an zwei Tagen in der Woche aktiv. „Als Heidi Kasper mich Anfang April fragte, ob ich mir vorstellen könnte, mit den Kurden Deutsch zu üben, habe ich leichten Herzens zugesagt. Aber dann kam die Angst, ob ich das überhaupt kann und wie sie mich wohl empfangen – lauter Empfindungen, die unsere Neu-Martfelder nur zu gut kennen, seit sie vor mehr als zwei Jahren ihre Heimat verlassen mussten“, erzählt die Martfelderin. „Mittlerweile freue ich mich auf jede Stunde mit diesen Menschen, denn sie sind unglaublich aufgeschlossen, lernwillig und eifrig. Sie sind freundlich und herzlich, und wir sollten ihnen alle Hilfe geben, damit sie schnellstmöglich heimisch werden in unserer dörflichen Gemeinschaft und die Chance bekommen, all ihr Elend hinter sich zu lassen und eine neue Zukunft aufzubauen.“

Überdies unterrichtet Dieter Zander ein in der deutschen Sprache bereits fortgeschrittenes Ehepaar, damit es demnächst seine A2-Sprachprüfung absolvieren kann. Der Mann spricht selbst schon so gut, dass er im Alphabetisierungskurs in Schwarme hilft.

Das Engagement in Martfeld geht indes noch weiter: In der Weide 30 gibt es eine Kleiderkammer, die jeden Sonnabend von 10 bis 12 Uhr geöffnet ist. Kinderkleidung und -sitze können dort als Spende abgegeben werden. Im Juni fand auf dem Gelände vor Stevens Bistro ein Fahrradkurs für Kinder und Erwachsene statt. Im Juli konnten je vier Flüchtlingskinder aus Martfeld und Schwarme an einem Schwimmkurs im Freibad Schwarme teilnehmen.

Gastgeber des regelmäßigen Martfelder Begegnungscafés ist – im Wechsel mit der Schwarmer Kirchengemeinde – das Jugendhaus.

„Das Netzwerk Flüchtlingshilfe in Martfeld wird also nicht nur von Einzelpersonen getragen“, sagt Axel Hillmann, Vorstandsmitglied bei „Lebenswege begleiten“. Wer weitere Ideen für dieses Netzwerk hat, mitmachen und seine Hilfe anbieten möchte, meldet sich beim Verein, Telefon 04252/9098321, oder bei Sabine Krzikalla, Telefon 04255/ 92043.

http://www.asyl-lebenswege-begleiten.de/

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