SPDler holt im Flecken die meisten Stimmen

Der Wahlsieger heißt Bierfischer

Samtgemeinde - Der Bürgerwille entscheidet: Das könnte bei der Wahl des neuen Bürgermeisters des Fleckens Bruchhausen-Vilsen gelten. Denn wer das Amt erhält, bestimmt zwar der Rat ganz allein, und er muss sich dabei nicht an das Votum der Einwohner halten – aber dass er genau das tun wird, erscheint nach der Kommunalwahl am Sonntag wahrscheinlich.

Dieser Meinung ist sogar die Konkurrenz: „Wer so viele Stimmen bekommt, der hat ein Anrecht auf den Bürgermeister-Posten“, findet jedenfalls Heinrich Klimisch (CDU). „So viele Stimmen“, das heißt: 647. Und das „Anrecht auf den Posten“ hat demnach Lars Bierfischer (SPD). Allerdings ist auch eine Überraschung nicht ausgeschlossen. Denn mit Ulf-Werner Schmidt (Grüne) gibt es noch einen weiteren Interessenten für das Amt.

Der Bruchhausen-Vilser Bierfischer erzielte bei der Wahl des Fleckenrats mit Abstand das beste Ergebnis. Die zweitmeisten Stimmen, nämlich 570, erntete Torben Garbers (CDU), gefolgt von seinem Parteikollegen Klimisch (522). Auf Platz vier: Ulf-Werner Schmidt (434 Stimmen).

Für den Sozialdemokraten Reinhard Thöle, der gerüchteweise auch als Anwärter für den Bürgermeister-Posten gehandelt wurde, ist seit Sonntagabend klar: „Ich werde meinen Hut nicht in den Ring werfen.“ Thöle bekam 302 Kreuze, ein Ergebnis, mit dem er persönlich zufrieden ist. Dennoch: „Ich glaube, dass Lars Bierfischer ein guter Bürgermeisterkandidat wäre“, sagt Thöle. „Ich würde ihn unterstützen, habe aber die Fraktion noch nicht gefragt.“

Das Gleiche gilt für Klimisch. Zwar besetzt die CDU als stärkste Kraft zehn und somit zwei Plätze mehr als die SPD im künftigen Fleckenrat, „aber die Mehrheitsverhältnisse sind nicht so, dass wir allein den Bürgermeister stellen können“. Immerhin haben die Grünen sechs Mandate geholt. „Der mit den meisten Stimmen sollte Bürgermeister werden“, sagt Klimisch. „Das ist aber meine persönliche Meinung. Wir müssen das in der Fraktion noch besprechen.“ Er selbst könne sich vorstellen, den Posten des Stellvertreters zu übernehmen.

Grünen-Politiker Schmidt war gestern Nachmittag telefonisch nicht zu erreichen, aber sein Parteikollege Bernd Schneider versicherte: „Ulf Schmidt steht zur Verfügung.“ Wichtig sei, dass der neue Bürgermeister von allen Fraktionen getragen werde. „Wir werden Gespräche führen, und ich glaube nicht, dass es eine Kampfabstimmung geben wird. Der Bürgermeister wird aus der Mitte des Rats gewählt werden.“

Die Entscheidung fällt Anfang November in der konstituierenden Sitzung. Wenig Gewicht dürfte dabei die Meinung von Die Linke haben, ist Ulrike Lampa-Aufderheide doch deren einzige Vertreterin im neuen Fleckenrat. „Ich vermute, dass Lars Bierfischer der neue Bürgermeister wird“, sagt sie. „Jemand anderen kann ich mir nicht vorstellen. Das Stimmenergebnis ist eindeutig.“ Sie selbst habe noch keinen Favoriten.

Und was sagt der Wahlgewinner selbst? Zunächst: „Ich freue mich.“ Und dann: Ja, er habe Interesse an dem Posten. „Es wäre ja schon ein bisschen komisch, wenn jemand die meisten Stimmen bekommen und das nicht machen würde.“

Fazit der Parteien fällt unterschiedlich aus

In den nächsten Wochen werden die Fraktionen indes nicht nur über die B-Frage im Flecken und in den anderen Mitgliedsgemeinden beraten, sondern auch das Wahlergebnis analysieren. Während die eine Gruppierung einigermaßen zufrieden ist, jubelt die andere geradezu über ihren Erfolg.

Letzteres gilt für Lampa-Aufderheide, die neben dem Flecken- auch weiterhin dem Samtgemeinderat angehört: „Alles, was ich erreichen konnte, habe ich erreicht.“

Sektstimmung auch bei der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), die im zukünftigen Samtgemeinderat fünf statt bisher vier Sitze bekleiden wird. „Wir sind sehr, sehr glücklich“, sagt Torsten Tobeck, Fraktionsvorsitzender auf Samtgemeindeebene. Er würdigt besonders die vielen Stimmen der Asendorfer Heinfried Kabbert und Lothar Dreyer. Beide schafften es locker in den Gemeinderat und den Samtgemeinderat.

Für Heinrich Klimisch „geht das Ergebnis der CDU in Ordnung“. „In der Samtgemeinde bleiben wir bei zehn Mandaten, im Flecken legen wir von neun auf zehn Sitze zu. In beiden Räten sind wir die stärkste Fraktion“, sagt der Fraktionsvorsitzende im bisherigen Samtgemeinderat.

Als „okay“ bezeichnet Reinhard Thöle das Resultat. „Im Großen und Ganzen gab es nur wenig Veränderungen. Sicher hätten wir uns aber den ein oder anderen Sitz mehr gewünscht.“ Der Fraktionsvorsitzende der Samtgemeinde-SPD möchte in Zukunft die Öffentlichkeitsarbeit verbessern – um dem „gelebten Vorurteil“ entgegenzuwirken, dass sich die Parteien nur kurz vor Wahlen kümmern und sonst nicht.

Die Grünen freuen sich laut Bernd Schneider, im Flecken künftig ein Mandat mehr zu haben, bedauern aber den Verlust eines Sitzes im Samtgemeinderat. „Insgesamt haben wir unser Ergebnis von 2011 aber gehalten, wie wir es gehofft hatten.“

Auch Dieter Bischoff hat ein lachendes und ein weinendes Auge. Der einzige FDP-Kandidat ist froh, es in den Samtgemeinderat geschafft zu haben, aber auch etwas enttäuscht, dass es für den Asendorfer Gemeinderat nicht gereicht hat. 

mah

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