Ex-Samtgemeindebürgermeister hat keine Langeweile

Horst Wiesch: „Im ,Un‘-Ruhestand lebt es sich prima“

„Ich bin ich jetzt überwiegend Privatier“, sagt Horst Wiesch, der 14 Jahre lang Bürgermeister der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen war. Am 31. Oktober 2014 gab er das Amt ab und ging in den Ruhestand. - Foto: Karin Neukirchen-Stratmann

Br.-Vilsen - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Vor genau zwei Jahren wurde Horst Wiesch aus dem Amt des Samtgemeindebürgermeisters verabschiedet. Doch wer nun denkt, der heute 63-Jährige hätte sich zur Ruhe gesetzt, der irrt. Im Gegenteil. „Es folgte eigentlich direkt eine sehr, sehr intensive Zeit für mich“, blickt Wiesch zurück.

Seit 2002 ist Wiesch Geschäftsführer der Harzwasser Kommunale Wasserversorgung GmbH (HKW). In dieser Funktion hat er mit den Harzwasserwerken zahlreiche Gespräche geführt. Konkret ging es um die Beteiligung der HKW an den Harzwasserwerken. „Da waren neue Verhandlungen notwendig. Das war eine sehr zeitaufwendige und spannende Zeit für mich“, erzählt Wiesch. Die Verhandlungen haben ihn mehr als ein Jahr beschäftigt. „Ich war von Wolfsburg bis Hamburg und Hildesheim unterwegs“, sagt Wiesch. Jetzt verlaufe sein Amt als Geschäftsführer des HKW aber in ruhigeren Bahnen. „Es ist ein kleiner Nebenjob.“

Zeitintensiver ist da ein weiteres Amt, das an ihn herangetragen wurde. Horst Wiesch wurde vor rund zwei Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender des Kreisverbands Diepholz im Deutschen Roten Kreuz (DRK). Vor Kurzem erst erhielt er durch einen Mitgliederbeschluss den Status des Präsidenten im Verband.

Den Vorsitz übernahm er nach Rücksprache mit seiner Frau Friederike. „Ich hatte vorher ja kaum Berührungspunkte mit dem DRK, allenfalls durch meine Tätigkeit als Samtgemeindebürgermeister mit den Einrichtungen in Bruchhausen-Vilsen und den Ortsverbänden dort.“ Heute arbeitet Wiesch intensiv mit der Geschäftsführerin Ulrike Hirth-Schiller zusammen. „Das funktioniert sehr gut“, sagt er. Der Zeitaufwand halte sich auch in Grenzen, „vieles lässt sich telefonisch regeln“.

So sei der Übergang aus dem Berufsleben in den Ruhestand letztendlich „nicht ganz so drastisch“ gewesen. Und nach dem intensiven Jahr für die HKW „bin ich jetzt überwiegend Privatier und da auch sehr zufrieden mit“.

Mit seiner Frau Friederike holt Horst Wiesch auf, was zu seiner Zeit als Samtgemeindebürgermeister immer zu kurz kam. Etwa Haus und Garten in Sulingen, oder Besuche bei den Kindern, die in Düsseldorf und Hamburg leben, und den Enkeln.

Auch der Kontakt zu Bruchhausen-Vilsen ist beileibe nicht abgerissen. Dort hat Horst Wiesch immer noch viele Freunde. „Und ich bin immer erstaunt und erfreut, wie viele Menschen mich dort noch erkennen und auch ansprechen. Das ist toll.“

Außer zu Freundschaftsbesuchen kommt er regelmäßig zum Kochen in den Luftkurort. Wiesch ist Mitglied in einem „Männerkochclub“ unter Federführung der VHS. Fast regelmäßig jede Woche führt sein Weg auch zum Forsthaus Heiligenberg. „Dort trifft sich der Rotary Club Bruchhausen-Vilsen, in dem ich Mitglied bin.“

In der Kreiszeitung verfolgt Horst Wiesch die anderen Geschehnisse im Ort. „Und natürlich hab ich mich über den Ausgang der Wahlen sofort informiert. Im Großen und Ganzen hat sich ja nicht so viel geändert“, meint der ehemalige Verwaltungschef. Er ist für die Samtgemeinde zuversichtlich, dass „alles weiterhin in ruhigen Bahnen verlaufen wird, eine kontinuierliche Weiterentwicklung stattfindet“.

Dass es in Asendorf künftig wahrscheinlich keinen Vollbürgermeister mehr geben wird, begrüßt Wiesch, war er doch schon immer gegen diese Konstellation. „Die eigentliche Verwaltungsarbeit muss im Rathaus stattfinden, das kann man ehrenamtlich gar nicht bewerkstelligen“, sagt er.

Auf die Angestellten der Verwaltung ist Wiesch nach wie vor sehr stolz. „Dieses Engagement findet man nicht so häufig in so geballter Form.“ Und natürlich verfolgt Wiesch auch die Bundespolitik und das Weltgeschehen. Zur Flüchtlingsproblematik nimmt er Stellung: „Ich habe Vertrauen in unseren Staat, dass es ein Gleichgewicht geben, und dass der Zustrom zu ertragen sein wird.“ Dass es für die Kommunen mitunter schwierig ist, vor allem aufgrund der mit den Flüchtlingen für sie verbundenen Kosten, sieht Wiesch allerdings auch. „Mit Geld alleine ist das nicht zu schaffen. Es ist ein Riesenaufwand, aber der ist zu handhaben.“

Für Bruchhausen-Vilsen wünscht er sich die Realisation eines Projekts, das ihm schon als Bürgermeister unter den Nägeln brannte, aber nie verwirklicht werden konnte: „Ein Kreisel auf der Kreuzung Bruchhöfener Straße/Bassumer Straße. Immerhin bringt die Fußgänger-Ampel dort jetzt schon etwas mehr Sicherheit.“

Zeit zur Muße findet Wiesch am Schlagzeug, bei seinem Hobby, das ihn schon fast sein Leben lang begleitet. Mit seiner Band „Benny and the Stuntmen“ trat er kürzlich in Schmalförden auf. „Und wir proben auch in unregelmäßigen Abständen zusammen.“ Ansonsten freut er sich auf Reisen mit seiner Frau. Eine große Reise, vier Wochen Namibia, hat das Ehepaar im Ruhestand schon absolviert. „Das war toll, die ganzen Tiere, die Landschaft.“ So kann Ruhestand Spaß machen.

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