Musiker, Vorleser und Schauspieler

Thomas Denker packte das Akkordeon-Fieber

Thomas Denker mit fünf Jahren.

Martfeld - Von Dagmar Voss. Das Akkordeon wurde Thomas Denker fast in die Wiege gelegt – na gut, erst knapp sechs Jahre später und unter den Weihnachtsbaum, aber immerhin sehr früh. Und dazu von Eltern, die selbst kaum aktiven Bezug zur Musik hatten, dafür aber das Talent ihres Sohns fördern wollten. Dessen innerer Aufschrei bei den gequälten musikalischen Flöten-versuchen seiner Mitschüler blieb ihnen offensichtlich nicht verborgen und so kam es zu diesem Weihnachtsgeschenk.

„Mit neun Jahren bekam ich dann Unterricht beim Organisten Niemeyer in Broksen“, erinnert sich der gebürtige Martfelder; „aber lange hielt diese Begeisterung erstmal nicht, denn bis zum ersten richtig gespielten Stück war es ein bitterer Weg.“ Zwar konnte er damals alle gängigen Schlager wie die von Heino und Udo Jürgens mitsingen, aber das Spiel auf der Quetschkommode, das Koordinieren von rechten und linken Knöpfen mit dem Ziehen und Drücken wollte einfach nicht klappen, so sehr er sich beim Üben auch bemühte. Nach verzweifeltem Heulen und In-die-Ecke-Schmeißen des Instruments gab es eine Pause – und als er dann wieder dazu griff, klappte es urplötzlich. „Heute bei meinem Unterricht junger Leute hilft mir das, ich kann nachvollziehen, wie sie ticken.“

Damals allerdings, mit 13 Jahren, hatte er vom Schifferklavier und den vielen Schneewalzern zunächst gründlich die Nase voll. Es ging immer nur um Volksmusik der schlichten Sorte.

Thomas Denker mit seinem Piano-Akkordeon.

Mit 18 Jahren packte ihn dann der richtige Akkordeon-Virus, als er auf einem Folkfestival erleben konnte, dass dieses vielseitige Tasteninstrument viel mehr kann, als olle Kamellen. Nachdem er seinen ersten Berufswunsch, Tischler, auf Erzieher verlegte, vollendete er diese Ausbildung und arbeitete als solcher in Hannover. Dort lernte er Christian Zündel und Jürgen Leo kennen, zwei Folkmusiker, mit denen er sich begeistert zum Trio zusammenschloss – manch einem hier sind „Zündel, Leo und Denker“ sicherlich noch in guter Erinnerung. Sie spielten dann an die 30 Jahre zusammen, ihr Instrumentarium reichte von der Tuba bis zur Mandoline und Konzertina, vom Dudelsack bis zur Harfe und natürlich zum Akkordeon. Sie spielten Egerländer-Walzer und jiddische Klezmer, schottische Highlander und dänische Hopser. Sie sangen Balladen von Brecht, jiddische Arbeiterlieder von Moritz Rosenfeld und französische Bänkellieder von Francois Villon. Dazu auch deutsche Volkslieder, diese allerdings mit originellen, kritischen eigenen Texten. 

Später dann gründete er das Trio Kaligari, bei dem Klezmermusik im Vordergrund stand. Außerdem hat er Stummfilme musikalisch begleitet, ist Leiter des hiesigen Projektchors und schreibt eigene Theaterstücke. Zuletzt konnte man ihn hören mit dem Trio „Alles klar“ bei der Jubiläumsfeier des Martfelder Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV). Das alles frei nach dem Motto „Musik muss wild sein wie das Leben“ 

Vielleicht liegt es an diesem Wahlspruch, dass der 52-Jährige heute mehr denn je Musiker ist, dazu aber auch Vorleser und Schauspieler. Mit der Puppenspielerin Barbara Hache hat er das Theater „ohne Hund“ gegründet, in dem sie bei „Tod im Pflaumenbaum“ Geschichten um Lebenswünsche, um Lotte und Henry, um Liebe und Tod, um Emma und Willi, Jan-Christof und Lisa und natürlich um einen Pflaumenbaum ranken. Den ungewöhnlichen Vorleser kann man am Sonntag, 6. November, während der siebten   Martfelder Literaturtage in der Fehsenfeldschen Mühle erleben.

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