Noch-Bürgermeister Reinhard Thöle rechnet mit „harmonischer Fusion“

In 56 Tagen ist die Gemeinde Süstedt Geschichte

Am 30. Oktober wird Reinhard Thöle das „Bürgermeister Süstedt“-Schild an den Heimatverein Süster Kring übergeben. Die mehr als 50 Jahre alte Plakette wurde immer von einem Bürgermeister an den nächsten weitergereicht. - Foto: Oliver Siedenberg

Süstedt - Von Mareike Hahn. Die Tage der Gemeinde Süstedt sind gezählt. Am 1. November tritt die lange vorbereitete Fusion mit dem Flecken Bruchhausen-Vilsen in Kraft. Bei der Kommunalwahl am 11. September wählen die Süstedter erstmals gemeinsam mit den Bruchhausen-Vilsern einen Gemeinderat. Ein guter Grund für ein Interview mit Reinhard Thöle (SPD), Noch-Bürgermeister in Süstedt:

Herr Thöle, was steht am 1. November in Ihrem Kalender?

Ich glaube, der Terminkalender zeigt für den 1. November noch keinen besonderen Eintrag. Der letzte Termin ist am 30. Oktober. An diesem Tag werden wir Süstedter eine Fusionsfeier im Dorfgemeinschaftshaus in Uenzen haben. Dann werde ich auch das Bürgermeisterschild Süstedt abmontieren und dem Vereinsvorsitzenden des Süster Krings, Bernd Brinkmann, übergeben, damit es irgendwann in einem Archiv im Heimatmuseum in Süstedt, was im neuen Spieker entstehen wird, gezeigt werden kann.

Welche Mitgift bringt Süstedt mit in die Ehe mit dem Flecken?

Wir haben ein gewisses finanzielles Polster von zurzeit noch rund 400.000 Euro, die liquiden Mittel. Wir durften ja aufgrund der Problematik, dass die Ergebnishaushalte ausgeglichen werden müssen, von dem Geld nicht so viel ausgeben (Investitionen im Finanzhaushalt bringen Abschreibungen mit sich, die wiederum im Ergebnishaushalt erwirtschaftet werden müssen, Anm. d. Red.). Wir haben dieses Jahr noch einmal alles, was möglich war, investiert, auch gerade in den Wegebau. Finanziell bringen wir also zumindest eine gewisse Mitgift mit, und ich glaube, wir sind eine Bereicherung für den Flecken. Wir haben ein gutes kulturelles Leben hier in der Scheune, der Mühle und den Vereinen. Wir haben viele Menschen, die sich auf die neue Gemeinschaft mit dem Flecken freuen. Ich glaube, das wird gut und harmonisch verlaufen.

Ist die anstehende Fusion noch Thema in Süstedt, wird darüber gesprochen?

Ich höre da nichts mehr und glaube, nach dem Bürgerentscheid, der doch relativ deutlich ausgefallen ist, haben auch die Gegner die Fusion akzeptiert (am 19. April 2015 stimmten 59,5 Prozent der Wähler für die Fusion, Anm. d. Red.). Ich glaube, rückblickend kann man sagen, der Bürgerentscheid war gut und richtig. Auch die Argumentation, dass Süstedt zu schwach ist, um die Anforderungen der Zukunft auf Dauer zu meistern, bleibt richtig. Selbst wenn wir jetzt wegen der guten Wirtschaft mal zwei erfreuliche Jahre gehabt haben, löst das ja nicht die finanziellen Probleme, die Süstedt hatte und hat.

Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann möchte eine neue Berechnung der Samtgemeindeumlage einführen. Hätte das die Gemeinde Süstedt retten können?

Nein. Das hätte Süstedt nicht retten können. So wie ich das System bisher verstanden habe, geht es „nur“ darum, aus den Rücklagen einen Investitionszuschuss an die Samtgemeinde zu geben; das bedingt aber auch, dass immer liquide Mittel da sind, und die sind eben in Süstedt nicht auf Dauer vorhanden. Das Problem mit dem Ergebnishaushalt und den Verlusten aus der Vergangenheit hätten wir damit ja auch nicht aufgefangen.

Von den 50 Kandidaten, die für den neuen Fleckenrat antreten, kommen zwölf aus Süstedt. Viel oder wenig?

Ich finde das viel. Wir haben ja immer gesagt, dass wir auf eine gute Auswahl an Kandidaten in Süstedt hinarbeiten. Es sind neue Kandidaten dabei, erfahrene Ratsmitglieder stellen sich wieder zur Wahl. Von daher bin ich mit dieser Zahl sehr zufrieden.

Im aktuellen Süstedter Rat sitzen zehn Personen. Wie groß sehen Sie die Chancen, dass mindestens genauso viele im neuen Fleckenrat vertreten sein werden?

Von den zwölf Kandidaten aus Süstedt werden, glaube ich, nicht zehn im Fleckenrat sitzen. Der neue Fleckenrat besteht aus 25 Personen. Süstedt hat ungefähr 1 200 Wahlberechtigte, das Verhältnis von wahlberechtigten Süstedtern und Wahlberechtigten im Flecken insgesamt bewegt sich ungefähr bei einem Viertel bis einem Fünftel. Ich tippe, dass zwischen fünf und sieben Süstedtern in den Rat kommen.

Reicht das, um die Süstedter Interessen zu vertreten?

Ich kenne ja Gremienarbeit in der Samtgemeinde, und im Samtgemeinderat sind „nur“ drei Süstedter (einer davon ist Thöle, Anm. d. Red.). Wir haben immer, wenn es um Dinge aus Süstedt ging – ob das nun Feuerwehr war oder Sportvereinszuschüsse oder Dorfgemeinschaftshaus – eine breite Mehrheit im Samtgemeinderat erzielt. Es ist nicht so, was viele glauben, dass man im Fleckenrat Ortschaft gegen Ortschaft ausspielen muss, um sich durchzusetzen oder Dinge für eine Ortschaft zu beschließen. Ich bin ganz sicher, dass auch in Zukunft die Süstedter Ratsmitglieder dafür sorgen werden, dass es im Flecken vorangeht. Ebenso wie umgekehrt Süstedt und seine Probleme, was Infrastruktur angeht, im neuen Flecken auch Berücksichtigung finden werden. Das glaube ich ganz bestimmt.

Raten Sie den Süstedtern, Süstedter zu wählen, um die eigenen Interessen möglichst gut vertreten zu lassen?

Zunächst finde ich es wichtig, dass alle Bürgerinnen und Bürger überhaupt wählen gehen. Es ist eine alte Erfahrung bei Kommunalwahlen, dass die Einwohner einer Ortschaft meistens Kandidaten aus dem Umfeld wählen, weil sie sie kennen und glauben, dass so ihre Interessen am besten vertreten werden. Aber ich glaube nicht, dass man das so pauschal sagen kann – jeder sollte von den Kandidaten denjenigen auswählen, von dem er denkt, dass er die Interessen von Süstedt und dem Flecken am besten vertreten kann.

Inwiefern wird die Fusion für die Süstedter spürbar sein?

Nach meiner Meinung wird sie insofern spürbar sein, als die Süstedter nach dem 1. November bei Gelegenheit in der Verwaltung ihren Ausweis ändern müssen und die neue Anschrift dann dort vermerkt wird (anstelle von 27305 Süstedt wird künftig darin 27305 Bruchhausen-Vilsen stehen, Anm. d. Red.). Das muss aber niemand sofort machen. Kosten entstehen nicht. Weitere Auswirkungen sehe ich nicht.

Wie stehen Sie zum Wunsch mancher Politiker nach einer Einheitsgemeinde?

Darüber haben wir ja auch in der Fusionsdebatte im Rat debattiert, ob eine Einheitsgemeinde nicht gleich sinnvoller wäre als eine Fusion mit dem Flecken. Eine Einheitsgemeinde kann es aber nur geben, wenn von unten alle betroffenen Gemeinden das wollen. Das kann man nicht von oben überstülpen. Wir haben nach dem 1. November noch vier Gemeinden in der Samtgemeinde, und alle vier sind gewillt, selbstständig zu bleiben. Sie haben auch andere Voraussetzungen als Engeln und Süstedt (die Gemeinde Engeln hat sich 2011 mit dem Flecken Bruchhausen-Vilsen zusammengeschlossen, Anm. d. Red.). In Asendorf, Martfeld, Schwarme und dem Flecken gibt es Schulen, eine eigene Infrastruktur, was Versorgung angeht, da ist die Situation eine andere. Und ich glaube nicht, dass die Einheitsgemeinde jetzt oder in den nächsten fünf oder zehn Jahren kommen wird.

Sie stehen auf Platz drei der Liste der SPD für den Fleckenrat. Heißt das, ein Süstedter könnte Bürgermeister des neuen Fleckens werden?

Es gibt in der SPD die Verabredung, dass wir uns nach der Wahl ansehen, wie die Wahl ausgefallen ist, welches Ergebnis wir als SPD insgesamt und wie die einzelnen Kandidaten abgeschnitten haben. Wir gehen nicht davon aus, dass wir die absolute Mehrheit der Sitze bekommen und alleine die Bürgermeisterfrage entscheiden können. Deshalb werden wir uns nach der Wahl mit anderen Gruppierungen zusammensetzen, und dann wird auch die Frage nach dem Bürgermeisterkandidaten diskutiert.

Mehr zum Thema:

Bilder: So machen sich die Bayern fit für Atletico

Bilder: So machen sich die Bayern fit für Atletico

Bilder: Max Mannheimer wird in München beerdigt 

Bilder: Max Mannheimer wird in München beerdigt 

Kochen mit den Landfrauen Verden 

Kochen mit den Landfrauen Verden 

Projektwoche der Rotenburger Schule am Grafel

Projektwoche der Rotenburger Schule am Grafel

Meistgelesene Artikel

Viel mehr als bloß Kartoffeln

Viel mehr als bloß Kartoffeln

Mordfall in sechs Stunden gelöst

Mordfall in sechs Stunden gelöst

Zusammenstoß in Wagenfeld

Zusammenstoß in Wagenfeld

Kommentare