Hut ab: Gruppe leistet bei musikalischer Reise nach Großbritannien Meisterhaftes

Die Sinfonietta Aller-Weser lässt Inseln hörbar werden

Die 50 Amateurmusiker boten in der Mensa ein Konzert von hervorragender Qualität. - Foto: ufa

Br.-Vilsen - Von Ulf Kaack. Sind Inseln hörbar, kann man ihre Küsten – fernab von ihnen – vernehmen? Sich aus dem Gehörten ein Bild machen? Ja, man kann! Die Sinfonietta Aller-Weser hatte für sich am Sonntag das Thema „Von den britischen Inseln“ gewählt. Bei ihrem Konzert in der Mensa des Schulzentrums Bruchhausen-Vilsen brachten die Musiker Stürme, Steilküsten und Salzwasser eindrucksvoll zu Gehör.

Die Sinfonietta Aller-Weser ist ein Projektorchester, das aus rund 50 hoch qualifizierten Amateurmusikern der Region besteht. Seit nunmehr neun Jahren arbeiten sie jeweils im Frühjahr und im Herbst an einem Programm, das es nur zwei Mal – in Lunsen und in Bruchhausen-Vilsen – zu sehen und zu hören gibt. So hatte das Ensemble aktuell das Thema Großbritannien in den Mittelpunkt seiner Aufführung gestellt.

Um diese Vorgabe klanglich auszufüllen, hatte der Dirigent und musikalische Leiter Karsten Dehning-Busse eine Sinfonie und eine Ouvertüre des deutschen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy sowie den Titel „The Lark Ascending“ aus der Feder des Briten Ralph Vaughan Williams ausgewählt. Alle drei Kompositionen trafen das Thema im Kern, nahmen das Publikum mit auf eine Reise an die sturmbewährten Küsten im Norden Großbritanniens.

Felix Mendelssohn-Bartholdy schrieb seine Hebriden-Ouvertüre 1829 unter dem Eindruck einer Schiffsreise zu einer Inselgruppe im Nordwesten Schottlands. Es war eine ruppige Fahrt, die er absolvierte und anschließend aufs Notenblatt bannte. Gepeitschten Wellen, Salzwasser und Gischt gab er ein musikalisches Antlitz, das das ambitionierte Orchester in hervorragender Weise umsetzte.

Kaum weniger lautmalerisch kam „The Lark Ascending“ daher, ein von Ralph Vaughan Williams 1914 in Musik umgesetztes Gedicht von George Meredith (England). Es zeichnet den Aufstieg einer Lerche nach, macht ihren Gesang durch zahlreiche Triller für die Solo-Violine, in Bruchhausen-Vilsen virtuos gespielt von Antje Weltzer-Pauls, authentisch erlebbar. Das Orchester setzte der wieselflinken Geige in vielen Passagen ein verhaltenes Tempo als Kontrapunkt entgegen, spielte nuanciert mit der Lautstärke und bildete einen harmonischen Klangteppich. Fast so, als würde der träg anmutende Orchesterklang die unter der Lerche liegenden Landschaften aus der Vogelperspektive visualisieren.

Nach der Pause ging es weiter mit der Sinfonie Nr. 3, op. 56 a-moll „Schottische“, mit der Mendelssohn-Bartholdy einen musikalischen Reisebericht verfasste. Im ersten Satz beschreibt er einen Besuch im Haus von Maria Stuart, im 16. Jahrhundert Königin von Schottland, und zeichnet anschließend ein Volksfest nach. Die Klarinette übernahm an dieser Stelle die klangliche Rolle des Dudelsacks. Final erzählt er im dritten Satz von Schlachtengemetzel und Kampfgetümmel, artikuliert in einem musikalisch nachgezeichneten Trauerzug.

Man kann nur den Hut ziehen vor den Musikern der Sinfonietta Aller-Weser: Sie haben gemeinsam mit ihrem Dirigenten und ihrer Solistin an der Violine wahrlich Meisterhaftes geleistet bei der Interpretation dieser drei anspruchsvollen Werke. Dem Publikum in der nahezu ausverkauften Mensa schenkten sie ein Konzert von hervorragender Qualität und eine Reise in den Norden Großbritanniens, wie man sie auf herkömmlichem touristischen Weg wohl kaum erleben kann.

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