Mehr als 100 Teilnehmer bei Treffen von Elektro-Mobilisten

Die Ruhe, die Kraft – das E-Auto rockt!

Nach fünf Jahren Erfahrung mit Elektromobilen ist Andree Oncken nicht restlos von der Technologie überzeugt. Der Knackpunkt ist die geringe Reichweite, sagt er. - Foto: Ulf Kaack

Dille - Von Ulf Kaack. Eine Armada von mehr als 100 elektrisch betriebenen Autos kam am Sonnabend beim Gasthaus „Dillertal“ zusammen. Das als „Dille II“ bezeichnete zweite Treffen dieser Art diente einerseits dem Erfahrungsaustausch privater E-Mobil-Nutzer, andererseits als Werbung für diese moderne Art der Fortbewegung.

Die Teilnehmer waren aus ganz Norddeutschland angereist, kamen aber auch aus Würzburg, Köln und Kassel „angestromert“. Roland Klose aus Dötlingen, der Organisator des Treffens, bezeichnet sich selbst als E-Mobil-Verrückten. Seit drei Jahren ist er stromgepowert unterwegs, besitzt einen Renault Zoe (die elektrische Version des Clio). Doch heute ist er mit seinem Schmuckstück da: einem Tesla Model S. Die viertürige Oberklasse-Limousine ist in der Szene das Nonplusultra – aber mit einem Listenpreis von knapp 100.000 Euro nicht eben für jeden erschwinglich.

Doch der 53-jährige IT-Spezialist Roland Klose hält dagegen: „Ein normaler VW Passat schlägt bei einer Vollkostenrechnung inklusive Anschaffung mit 120 000 Euro zu Buche, der Tesla mit etwa 100 000 Euro liegt deutlich darunter. Das Ganze gerechnet auf sieben Jahre. Dabei sind beide Autos von ihrem Profil gar nicht vergleichbar. Zieht man bei dieser Rechnung einen ähnlichen Mercedes, BMW oder Porsche mit fossilem Antrieb heran, wäre die Differenz zwischen den Kosten noch deutlich größer.“

„Mal 'ne Runde drehen?“, fragt der Enthusiast. Klar! Bei Annäherung des Fahrers aktiviert der digitale Schlüssel die gesamte Fahrzeug-Elektronik. Die in die Karosserie abgesenkten Türgriffe fahren aus. Neben straff gepolsterten Ledersitzen erwarten Pilot und Passagiere ein bunt-beleuchtetes Digitalcockpit mit mehreren Touchscreens. Per Knopfdruck wird das Auto gestartet. Es fährt nahezu lautlos. Während der Fahrt ist außer dem Rollgeräusch der Reifen kaum etwas zu vernehmen.

Teslar an Fahrer: „Sind sie noch einsatzbereit?“

Die Straße ist frei, Roland Klose tritt beherzt aufs Gaspedal, und augenblicklich setzt eine Mordsbeschleunigung ein. Wow, die Ruhe, die Kraft. Das rockt! Von Null auf 100 in 6 Sekunden, das Spitzenmodell der Baureihe schafft es sogar in 2,8 Sekunden.

Mit dem integrierten Autopiloten fährt der Tesla praktisch alleine. Allerdings muss Roland Klose jederzeit eingreifbereit sein. Das Fahrzeug kann der Spur folgen und diese auch wechseln, aber noch nicht komplett alleine zu einem Ziel fahren.

Witzig: Nach fünf Minuten ohne Aktivitäten des Fahrers fragt das System nach, ob er noch fahrbereit hinter dem Lenkrad sitzt.

Die Batteriekapazität reicht bei zügiger Fahrweise garantiert für 400 Kilometer. Der Dötlinger hat auch schon mal 550 Kilometer ohne Nachtanken geschafft. Zum Aufladen der Akkus unterhält Tesla rund 600 eigene, kostenlos nutzbare Supercharger-Stromtankstellen in Europa. Energie kann aber auch an allen anderen Energiesäulen getankt werden, sogar an normalen Haushaltssteckdosen.

„In Sachen Elektromobilität bin ich seit drei Jahren Überzeugungstäter, habe in dieser Zeit auf über 100 000 Kilometern ,unter Strom‘ gestanden“, berichtet Klose euphorisch. „Dabei steht vor allem der Fahrspaß im Vordergrund – die Leistung und die lückenlose Beschleunigung. Die ökologischen Aspekte und die Wirtschaftlichkeit sind für mich natürlich wichtige Faktoren, aber letztendlich zweitrangig.“

Deutlich emotionsfreier sieht Andree Oncken aus Heiligenrode die E-Mobilität. Er beteiligt sich am Projekt „E-Home“ der Avacon. In den ersten drei Jahren stellte ihm der Stromversorger den spartanisch ausgestatten Kleinstwagen Peugeot iO zur Verfügung. Seit zwei Jahren fährt er nun für knapp 250 Euro im Monat einen deutlich komfortableren Nissan Leaf, der in der Golf-Klasse angesiedelt ist.

Dessen Schwachpunkt sieht der Unternehmer nach wie vor in der geringen Akkukapazität: „Bei längeren Fahrten muss ich jede Strecke präzise planen. Etwa 140 Kilometer beträgt die Reichweite des Nissans. Ist das Ziel beispielsweise Hannover, muss ich mit vollen Batterien losfahren und unterwegs nachladen.“

Innerhalb einer halben Stunde hat Oncken die Akkus zu 80 Prozent geladen. Steht aber bereits ein Fahrzeug – oder mehrere – vor ihm an der Säule, kann es richtig dauern. Locker geht dann mal die eine oder andere Stunde ins Land. Im Geschäftsleben ist diese Wartezeit aufgrund hoher Personalkosten teurer, in der Freizeit ärgerlich. Auch stand Oncken in der Vergangenheit bereits vor Stromzapfanlagen, die nicht betriebsbereit waren. Bei erschöpfter Akku-Kapazität ein echtes Problem.

Außerdem nervt ihn die Vielzahl der Systeme. „Ich habe bei mir zu Hause eine Ladestation und greife natürlich auf die beiden Schnellladesäulen der Avacon im Landkreis zurück“, erklärt Andree Oncken. „Aber in Bremen benötige ich für den kostenlosen Strom eine Karte der swb oder von Eon sowie je ein spezielles Kabel – die lässt sich der Hersteller mit 300 Euro übrigens fürstlich entlohnen.“

Von der E-Mobilität ist Oncken überzeugt. Doch wenn sein Vertrag im Mai kommenden Jahres ausläuft, will er wieder auf ein Fahrzeug mit konventionellem Antrieb zurückgreifen: „Erst mit deutlich höheren Akku-Kapazitäten sind Elektroautos für meine individuellen Bedürfnisse wirklich von Nutzen.“ Aktuelle Fahrzeuge, die eine entsprechende Leistung schon heute bringen, seinen für ihn derzeit nicht wirtschaftlich zu betreiben. Oncken: „Ich will elektrisch fahren, ohne dabei den Kopf ständig mit neuen Tankstrategien voll zu haben.“

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