Immobilienmaklerinnen üben Kritik an Auswirkungen einer neuen Vorgabe

EU-Richtlinie lässt Träume platzen

Elke Benjes und Anke Delekat - Foto: Seidel

Br.-Vilsen - Von Anke Seidel. Für die einen ist es das Einfamilienhaus, für die anderen der Resthof oder die Eigentumswohnung: 1440 Kaufverträge für Wohnraum haben Bürger im Landkreis Diepholz 2015 unterzeichnet. Das geht aus dem aktuellen Grundstücksmarktbericht hervor. Doch 1441 wären es gewesen, wenn ein 25-Jähriger seinen Traum von den eigenen vier Wänden hätte verwirklichen können. Aber diese Zukunftsplanung scheiterte am Ende an der neuen, sogenannten „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“.

„Der junge Mann hatte eine Finanzierungsbestätigung von der Bank“, berichtet Elke Benjes als vereidigte Sachverständige und Immobilienmaklerin. „Doch dann hat ihm die Bank von der Kreditaufnahme abgeraten – weil nicht klar war, wie sein Leben verläuft.“ Darüber muss die Bank laut Richtlinie eine Prognose erstellen. Elke Benjes und ihre Kollegin Anke Delekat (ebenfalls vereidigte Sachverständige) schütteln den Kopf: Wieviele Kinder jemand bekommt, ob die Ehe hält und der Arbeitsplatz bleibt – wer kann das über Jahrzehnte voraussagen?

Wie viele ihrer Kollegen im Immobilienverband IVD halten die Maklerinnen aus Uenzen (Bruchhausen-Vilsen) besagte „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“ für eine missglückte Umsetzung der EU-Richtlinie. Einerseits sei sie „sehr gut, weil es jetzt wesentlich strenger zugeht als in der Finanzkrise“, blickt Elke Benjes auf das Platzen der Immobilienblase in den USA vor neun Jahren und die fatalen Folgen. 

Besonders risikofreudige Käufer würden jetzt ausgesiebt. „Und das ist gut so“, sind sich Elke Benjes und Anke Delekat einig. „Aber diejenigen, die sich eine Immobilie leisten können und ängstlicher sind, werden ausgebremst“, blicken die Fachfrauen auf den Fall des 25-Jährigen, der nach dem Hinweis seiner Bank Angst bekommen und seinen Traum begraben hatte.

Mehr Verwaltung nötig

„Wir merken, dass es mühsamer geworden ist“, beschreiben die Fachfrauen die Dynamik in ihrer Branche, „wir haben mehr Verwaltung, mehr Arbeitsaufwand“. Denn die „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“ ist nicht die einzige neue Gesetzesvorgabe, die sie und ihre Kollegen berücksichtigen müssen. Für Verunsicherung sorge bei den Verbrauchern genauso das Widerrufsrecht.

Es besagt, dass Maklerverträge, die per Internet, Telefon, Brief oder E-Mail geschlossen worden sind, innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden können. Das Gesetz sei zwar schon zwei Jahre in Kraft, sorge aber immer wieder für Irritationen, so Elke Benjes. Der Grund: „Wenn ein Kaufinteressent unverbindlich und kostenlos das Exposé für eine Immobilie erhält, muss er die Widerrufsbelehrung unterschreiben“ – eine Vorsorgemaßnahme im Vorgriff auf ein mögliches Geschäft. Das allerdings würden die Kunden missverstehen: „Ich will keinen Vertrag mit Ihnen schließen!“ sei die spontane Reaktion.

Immer wieder müssten Makler dann erklären, dass dies nur eine Widerrufsbelehrung sei. Mit ihrer Unterschrift quittieren die Kunden also nur, dass sie das Widerrufsrecht verstanden haben. Ohne diese „Quittung“ dürften Makler nicht mal am Telefon Auskunft geben zur Frage „Kann ich noch Land kaufen?“, erklärt Anke Delekat.

Gesetzgeber sei über Ziel hinaus geschossen

Wer ein kostenloses Exposé anfordere, schließe noch keinen Vertrag, stellt Elke Benjes klar: „Es ist ja kostenlos!“ Der Gesetzgeber sei hier über das Ziel hinausgeschossen, so die Fachfrauen. Sie bedauern, dass genau das zum Verlust von Kunden führe.

Andererseits sind sie froh über zwei andere neue Gesetze. Dazu gehört das Besteller-Prinzip: Wer ein Haus oder eine Wohnung vermieten oder mieten will und den Makler bestellt, der muss ihn auch bezahlen. „In aller Regel sind das die Vermieter“, berichten die Maklerinnen über die Auftraggeber. In der Vergangenheit hatten die Vermieter die Makler-Kosten meist den Mietern in Rechnung gestellt – was nun nicht mehr möglich ist.

Genauso begrüßen die Fachfrauen das neue Gesetz, das die Berufszulassung für gewerbliche Immobilienmakler regelt. Es schreibt den Besuch von Kursen und eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer vor. Bisher, so Elke Benjes, reichte allein der Nachweis geordneter Finanzverhältnisse aus, um als Makler auftreten zu können. Sachkenntnis habe nicht selten gefehlt. „Langfristig können sich solche Makler am Markt nicht halten, die Visitenkarte ist immer der gute Ruf“, so ihre Erfahrung. Den Ausbildungsberuf zum Immobilienkaufmann gibt es bereits, jetzt sei der Sachkundenachweis Pflicht. Aber es müssten noch Regelungen folgen, wünschen sich die Fachfrauen. Wieviele Makler im Landkreis Diepholz ihre Dienste anbieten, können sie nur schätzen. Knapp zehn seien im IVD organisiert. Zum Vergleich: 13 von den 60 Mitgliedern im Gutachterausschuss für Grundstückswerte in den Landkreisen Diepholz, Nienburg, Verden und Heidekreis sind Immobilienmakler. Fakt ist ebenso: Bei den 1 440 Kaufverträgen für Wohnraum sind im Landkreis Diepholz knapp 292 Millionen Euro umgesetzt worden.

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