Schauspielerin Sabine Wackernagel räumt mit Vorurteilen auf

Raben sind keine schlechten Mütter

Sabine Wackernagel stellte ihrem Publikum verschiedene Mutter-Typen vor. 

Schwarme - Von Karin Neukirchen-Stratmann. „Eigentlich tut man den Raben unrecht, denn Raben zeichnen sich in der Realität durch vorbildliche Brutpflege aus.“ Damit räumt Schauspielerin Sabine Wackernagel gleich zu Beginn ihres Programms „Raben – und andere Mütter“, das sie am Sonnabend im Schwarmer Robberts Huus präsentierte, mit einem Vorurteil auf. „Rabenmütter“, so lernen die zahlreichen Besucher im vollbesetzten Haus des Heimatvereins Eule, ist also ein fälschlich verwendeter Begriff.

Um Mütter in ihren vielfältigen Facetten, um fürsorgliche, tyrannische, ehrgeizige und viele andere geht es an diesem Abend, der mal nachdenklich macht, dann wieder belustigt und für viel Unterhaltung sorgt.

Vor allem mit den Müttern, die in jeglicher Richtung über das normale Maß hinaus agieren, beschäftigt sich Sabine Wackernagel. Dazu bemüht die Schauspielerin aus Kassel Märchen, Sprichworte, Zitate und Romane, in denen es um Mütter und ihre Beziehung zum Nachwuchs, ob Tochter oder Sohn, geht. Gleich mit schwerer Kost, der Schilderung einer Übermutter, beginnt Sabine Wackernagel den längeren Part im ersten Teil des Programms. Sie spielt Rosalinda, eine alles beherrschende Mutter aus dem Roman „Die schärfsten Gerichte der Tatarischen Küche“ von Alina Bronsky. Es beginnt gleich dramatisch, denn Tochter Sulvia ist schwanger, Rosalinda der Meinung, ihrem dummen Kind müsse die Mutterschaft erspart werden. Was folgt, ist eine wenig erfolgreiche Abtreibung, ein Mädchen kommt zur Welt. Die Großmutter nennt ihr Enkelkind Aminat und verhätschelt es fortan. Beklemmend, dann schon wieder fast mitleidend, wird das Publikum einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt, so perfekt verkörpert Sabine Wackernagel die Rolle der Über-Mutter, später Über-Großmutter.

Bekannte Schriftsteller kommen zu Wort

Kontrapunkte im Programm setzt die Schauspielerin, in dem sie nach längeren Texten kurze Sprichwörter oder Gedichte einfügt. Zum Beispiel: „Kinder wachsen besser, wenn man sie an den Ohren zieht.“ Ein afrikanisches Sprichwort, das für Lacher sorgt und so auch dem Publikum ein Ventil zum Ausatmen bietet.

Schriftsteller wie Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky und Erich Kästner, die alle auch über ihre Mütter schrieben, kommen zu Wort, in Gedichtform. Und in vielen Märchen, die bekanntermaßen oft grausam sind, werden Mütter dargestellt, wie die Zuhörer an Beispielen erfahren. Da verzaubert eine Mutter ihre Tochter in einen Raben, die andere setzt Sohn und Tochter aus und freut sich: „Dann sind wir sie endlich los!“ Mit einer Geschichte des britischen Autoren Alan Bennet endet der erste Teil. Dabei geht es um Graham, der, mit weit über 40 Jahren, noch immer zu Hause bei seiner Mutter wohnt und gar nicht gut auf Mr. Turnbull zu sprechen ist, der der Mutter den Hof macht, und der, wie sich herausstellt, ein Schwindler ist.

Schon fast kabarettistisch

Nach kurzer Pause und mit neuem Outfit geht es weiter, diesmal heiterer, mit der Geschichte einer überfürsorglichen Mutter aus einem Roman von Jonathan Franzen sowie einer kleinen Geschichte von Dario Fo, dem kürzlich verstorbenen Literaturnobelpreisträger. Bei Jonathan Franzen spielt Enid die Hauptrolle, eine Mutter, die ihre Kinder ständig kritisiert, bevormundet und neidisch auf erfolgreiche Kinder der Nachbarn guckt.

Schon fast kabarettistisch wird es am Ende, als Sabine Wackernagel, ohne Erfolg, versucht ein Tablet in Gang zu setzen, um dann doch wieder auf ihre handschriftlichen Notizen zurückzugreifen. Es geht um die Homepage der „Mütter Mafia“ von Kerstin Gier, eine Darstellung vieler heute auch real anzutreffender Helicopter-Mütter, die ihren Kindern im Vorschulalter möglichst drei Fremdsprachen, zwei Musikinstrumente und allerlei andere Kunstfertigkeiten angedeihen lassen wollen. Gerade hier finden sich, bei Schilderungen aus dem Kindergartenalltag oder Freizeitstress viele Zuhörer teilweise wieder. Ein „Genauso ist das“ wird immer wieder geraunt.

Mit einem Zitat von Joachim Ringelnatz schließt Sabine Wackernagel diesen amüsanten Blick auf die Vielfalt der Müttergestalten: „Die Welt wird schön mit jedem Tag, an dem die Mutter nicht mehr kommen mag.“

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