„Mehrgenerationen-Lebensinsel“ in Normannshausen

„Personen mit Handicap sind eine Bereicherung“

+
Erika Sievers und Wilfried Durchholz freuen sich darauf, ihr Projekt umzusetzen.

Normannshausen - Von Anne Schmidtke. Erika Sievers und Wilfried Durchholz planen auf ihrem Grundstück Normannshausen 13 eine Stätte für inkludiertes Wohnen und Arbeiten. Auf der „Mehrgenerationen-Lebensinsel“ sollen Menschen mit Handicap wohnen und arbeiten. Außerdem sieht das Konzept vor, dass ältere Leute dort ihren Lebensabend verbringen können.

„Personen mit Handicap sind eine Bereicherung für die ganze Menschheit“, sagt Erika Sievers. Bei ihr und ihrem Mann entstand die Idee für das Projekt, als sie sich über die Zukunft ihres Sohns Oliver Gedanken machten. „Er hat Down-Syndrom. Wir haben uns gefragt, wie seine Versorgung und Betreuung aussehen, wenn wir beide irgendwann nicht mehr leben“, berichtet Stiefvater Wilfried Durchholz. Je älter er und seine Ehefrau würden, desto konkreter würden die Gedanken. Dem 63-Jährigen und der 60-Jährigen sei es wichtig, dass ihr 36-jähriger Sohn sowie andere Betroffene würdevoll und selbstbestimmt leben, für sich selbst sorgen und ihre Fähigkeiten zeigen können.

Das Anwesen von Familie Durchholz/Sievers soll in den nächsten Jahren zu einer „Mehrgenerationen-Lebensinsel“ umgestaltet werden.

Die beiden entwickelten daher ein Konzept und suchten nach einem geeigneten Anwesen, auf dem sie ihre Pläne verwirklichen können. Sie wurden schließlich in Normannshausen fündig. Das Ehepaar Durchholz/Sievers kaufte den einstigen „Kunsthof von der Thüsen“, der früher für viele Veranstaltungen bekannt war. Das Grundstück ist circa 10000 Quadratmeter groß. Zusätzlich erwarben Sievers und Durchholz einen Resthof in Hoyerhagen. Ihn und die dortige 6000 Quadratmeter große Fläche möchten sie irgendwann ebenfalls in das Projekt einbinden. Wie genau, steht noch nicht fest.

2012 zogen Erika Sievers, Wilfried Durchholz und Oliver Sievers von Ahlerstedt im Landkreis Stade nach Normannshausen in das liebevoll restaurierte Haupthaus. Nun sollen auch die anderen Gebäude nach ihren Vorstellungen renoviert und saniert werden.

In einem ersten Abschnitt soll die Scheune zu einem Landcafé umgebaut werden. „Geplant ist, dass die Menschen mit Handicap dort überwiegend Blechkuchen, aber auch Torten und Frühstück anbieten“, sagt Durchholz. Das Café wird frühestens nächstes Jahr öffnen. „Uns treibt keiner, wir können ganz entschleunigt arbeiten“, sagt Durchholz. Zudem bekommt die Scheune eine Fotovoltaikanlage auf das Dach. „Energie, die man selbst erzeugt, muss man nicht bezahlen“, erklärt Durchholz. Im nächsten Schritt wird das Wirtschaftsgebäude umgebaut. Im Erdgeschoss soll der Betriebsleiter der „Mehrgenerationen-Lebensinsel“ wohnen, und im Obergeschoss sollen fünf Doppelzimmer für Gäste entstehen. „Wir hoffen, dass Fahrradfahrer, Motorradfahrer und auch Autofahrer uns besuchen werden“, sagt Erika Sievers. Schließlich sei die Mitte Niedersachsens einen Besuch wert.

Der letzte Abschnitt sieht einen Neubau vor, in den vier bis fünf Menschen mit Beeinträchtigung ziehen sollen. So lange sie nicht auf dem Hof wohnen können, werden sie morgens mit einem Fahrdienst von zu Hause abgeholt und abends wieder dorthin zurückgebracht. „Ich denke, dass wir in etwa sieben Jahren mit allen Baumaßnahmen fertig sind“, sagt Durchholz.

Zu den Aufgaben der Behinderten auf dem Hof sollen gehören, die Fremdenzimmer für die Gäste herzurichten, den Garten zu bestellen, das Obst und Gemüse zu verwerten und die Produkte im hauseigenen Laden sowie im Internetshop zu verkaufen. „Wenn alles gut läuft, haben die gut zu tun“, weiß Wilfried Durchholz. Er könne sich nicht vorstellen, dass sein Konzept nicht aufgehe. „Was ich bisher angefasst habe, hat immer funktioniert.“ Das einzige, was passieren könne, sei, dass er und seine Frau Geld verlieren könnten. „Aber was ist schon Geld?“, stellt Durchholz eine rhetorische Frage. Nach ihrem Tod könnten sie damit nichts mehr anfangen. Daher wollen sie die „Mehrgenerationen-Lebensinsel“ schaffen. „Damit erhalten wir etwas für die Nachwelt“, sagt Durchholz, der zusammen mit seiner Frau auf selbstständiger Basis „Reico-Produkte“ vertreibt. Nach eigener Aussage verkaufen sie „Gesundheit für Pflanze, Tier und Mensch“. Die Eheleute wollen mit ihrem Projekt keinen Profit erwirtschaften. Sie können sich sogar vorstellen, irgendwann eine Stiftung daraus zu machen. Sie bauen die „Mehrgenerationen-Lebensinsel“ mit eigenen finanziellen Mitteln auf. „Ich denke, dass wir hier etwa eine Millionen Euro reinstecken“, sagt Durchholz.

www.oliversievers.de

Mehr zum Thema:

Die Bilder der Steinwurf-Tragödie auf der A7

Die Bilder der Steinwurf-Tragödie auf der A7

Kreismusikfest der Spielmannszüge

Kreismusikfest der Spielmannszüge

"Magie des Tanzes" - Show im Haus Drübberholz

"Magie des Tanzes" - Show im Haus Drübberholz

Comedy-Abend „Trude träumt von Afrika“

Comedy-Abend „Trude träumt von Afrika“

Meistgelesene Artikel

Viel mehr als bloß Kartoffeln

Viel mehr als bloß Kartoffeln

Premiere „im Großen und Ganzen ein Erfolg“

Premiere „im Großen und Ganzen ein Erfolg“

Von Schwarme bis zum Polizeikommissariat in Leeste eskortiert

Von Schwarme bis zum Polizeikommissariat in Leeste eskortiert

Mordfall in sechs Stunden gelöst

Mordfall in sechs Stunden gelöst

Kommentare