Facharbeiten von drei Gymnasiastinnen ausgezeichnet 

So macht Pubertät Spaß

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Die Gewinnerinnen Lea Runge, Annika Köhne und Malin Hilbig (vorne, von links) zusammen mit den Mitgliedern der Jury (von links): Herbert Fritzsche und Ann-Kathrin Schumacher von der Sparkasse sowie Daniel Heymann, Reinhard Heinrichs und Lisa Peitzmeier-Stoffregen vom Gymnasium. 

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Die Adoleszenz bringt Lea Runge Glück. Die 17-Jährige steckt nicht nur selbst mitten in der „psychosozialen Pubertät“, sondern hat sich auch ausgiebig damit befasst – in ihrer Facharbeit „Die Darstellung der Adoleszenz in der Literatur“. Der Lohn: viel Lob und 300 Euro. So macht Erwachsenwerden Spaß.

Schon seit sechs Jahren prämieren das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen und die Sparkasse die jeweils drei besten Facharbeiten des elften Jahrgangs. „Es ist immer wieder spannend, die so unterschiedlichen Arbeiten zu lesen“, sagt Herbert Fritzsche, Leiter der Sparkassen-Filiale in Vilsen. Zusammen mit seiner Kollegin Ann-Kathrin Schumacher sowie mit Daniel Heymann, Reinhard Heinrichs und Lisa Peitzmeier-Stoffregen vom Gymnasium bildete er in diesem Jahr die Jury des Wettbewerbs. Nachdem die Lehrer eine Vorauswahl getroffen hatten, lasen die Jurymitglieder neun Facharbeiten à 15 bis 20 Seiten – und waren sich danach einig. Ohne Diskussion legten sie sich auf drei Gewinner fest. Pardon, Gewinnerinnen, denn diesmal ist kein Junge unter den besten Drei.

„Parallelwelten in der Literatur“ heißt das Seminarfach, das Siegerin Lea Runge im vergangenen Schuljahr besucht hat. „Ich wollte meine Facharbeit über ein Thema schreiben, das alle betrifft. So wie die Adoleszenz“, sagt die heutige Zwölftklässlerin. Wichtig war ihr, Literatur und Psychologie miteinander zu verbinden.

Als passendes Buch wählte Lea „Der Fänger im Roggen“ von J. D. Salinger, in dem ein 16-jähriger Ich-Erzähler seinen körperlichen und psychischen Zusammenbruch schildert. Der Roman ist zwar bereits 1951 erschienen, „aber so viel anders ist die Adoleszenz heute nicht“, sagt die Gymnasiastin. „Der Mensch ist immer noch Mensch.“

Zweitplatzierte befasst sich mit Zoos

Früher wie heute durchlaufen Jugendliche nicht nur körperliche, sondern auch hochkomplexe psychosoziale Veränderungen. Ob sich diese in der Literatur realistisch darstellen lassen, war eine Frage, die sich die 17-Jährige stellte. Ihre Antwort: „Der Verlauf in ,Der Fänger im Roggen‘ ist durchaus realistisch, wenn auch drastisch.“

Ein „absolut hohes Niveau“ bescheinigt Oberstufenkoordinator Daniel Heymann der Arbeit der Wettbewerbsgewinnerin. „Lea hat herausgestellt, dass die Literatur auch die Aufgabe hat, Erfahrungen für die eigene Identitätsfindung zu sammeln.“ Heymann ist sicher: „Diese Arbeit würde auch für eine gute Prüfungsleistung an einer Universität reichen.“

Den zweiten Platz erreichte Annika Köhne. Sie hat sich im Seminarfach „Vielfalt im Raum“ mit „Artenschutzprogrammen in deutschen Zoos“ beschäftigt. „Ich interessiere mich für biologische Themen“, begründet die Gymnasiastin. „Und ich habe mich gefragt, welche Funktion Zoos heutzutage übernehmen.“ Also recherchierte sie zur genetischen Variabilität von bedrohten Tieren, informierte sich über die Zuchten verschiedener Tierparks und schaute sich ausgiebig im Hannoverschen Zoo um. Dabei achtete sie auch darauf, wie der Tiergarten die Besucher über den Artenschutz aufklärt, „immerhin trägt der Mensch dazu bei, dass die Arten aussterben und sollte sein Verhalten ändern“.

Annikas Fazit: „Zoos sind sinnvoll. Aber sie sollten noch stärker auf ihre Artenschutzprogramme hinweisen.“ Das bestätigte eine Umfrage, die die heutige Zwölftklässlerin unter ihren Mitschülern machte: „Ein großer Teil weiß gar nicht, dass Zoos auch solche Programme durchführen.“

Annika hat ein „komplexes Thema gut lesbar dargestellt, ohne die Wissenschaftlichkeit zu verlassen“, lobt die stellvertretende Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen. Das sehen ihre Jurykollegen genauso. Preisgeld: 200 Euro.

„Überaus überraschend“ fanden Sparkassen-Chef Fritzsche und Schulleiter Reinhard Heinrichs die Themenwahl der Drittplatzierten Malin Hilbig, die 100 Euro erhält. Sie befasste sich im Seminarfach „Zukunft“ mit dem Sterben. „Ich wollte ein Thema, das wichtig für die Gesellschaft ist, mich interessiert und alle Leute betrifft“, erzählt die Gymnasiastin. Sie ist der Meinung, dass die Menschen mehr über den Tod sprechen sollten.

Malin befasste sich mit den verschiedenen Sterbensphasen und den Bedürfnissen sterbender Menschen. Für die Schülerin ist klar: „Das Gesundheitssystem muss sich ändern. Es muss mehr darum gehen, am Lebensende die Lebensqualität zu bewahren – für einen würdevollen Tod. Und jeder sollte sich überlegen, wie das Sterben bei ihm selbst sein soll.“

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