Klostermühlen-Wirtin Christa Hufnagl verlässt nach 20 Jahren den Heiligenberg

„Das hier war mein Paradies“

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„Das hier ist mein Herzblut gewesen“: Christa Hufnagl wird den Heiligenberg vermissen. Sie zieht nach Schleswig-Holstein und nimmt viele Erinnerungen mit – gute und schlechte.

Heiligenberg - Von Regine Suling. Nicht immer auf die Uhr schauen müssen, in Ruhe einen Kaffee trinken und sich mit Freunden verabreden können: Darauf freut sich Christa Hufnagl jetzt ganz besonders. „Mich gab es privat die letzten 20 Jahre nicht“, sagt die 60-Jährige, die am 1. Januar die Klostermühle Heiligenberg an Familie Brüning übergeben, dort aber noch bis zum 29. Februar gewohnt hat.

Hufnagl geht mit einer gehörigen Portion Wehmut. „Denn das hier war mein Paradies, hier hatte ich meine Viecher, meinen Wald. Und auf einer kurzen Strecke ganz viel Abwechslung.“ Beim Blick aus dem Fenster, kurz vor der Abreise, macht sich bei ihr schon so etwas wie Abschiedsschmerz breit, und der einstigen Klostermühlen-Wirtin stehen Tränen in den Augen. „Da draußen im Teich gibt es auch wieder Eisvögel.“

Die Zeit in ihrem ganz persönlichen Paradies, das sie mit Ziegen, Gänsen, Schafen, Hühnern, Hunden und einem Pferd teilte, wird sie nicht vergessen: „Ich habe aus dem Fenster geschaut, und alles war da.“ Heute stechen ihr beim Blick hinaus vor allem Baumstümpfe ins Auge. Einige der Bäume, die den Teich säumten, sind bereits gefällt worden. Just in dem Moment, in dem sie zufällig die einstige Rechnung der Gärtnerei für eben mehrere dieser hohen Gewächse in der Hand hielt. „Das ist arg gewesen“, erinnert sie sich mit einem Schaudern.

Denn sie, die Wirtin, hat ihr Kleinod geschätzt und gehütet. „Ich habe mich nie als Besitzerin der Klostermühle gesehen, sondern immer als ihre Verwalterin.“ Die Mühle und das Nebengebäude, das nun einem Neubau weichen soll, wollte sie erhalten. „Die Häuser haben doch schon so viele Generationen überdauert.“

Die Österreicherin kam auf den Heiligenberg, nachdem sie sich entschieden hatte, nach Norddeutschland zu ziehen. Eigentlich wollte sie einen Reiterhof eröffnen und hatte die Gegend um Worpswede im Auge. Der Zufall führte die gelernte Großhandelskauffrau dann nach Bruchhausen-Vilsen und auf den Heiligenberg. „Das ist es“, war ihr erster Gedanke, als sie die Klostermühle 1993 sah.

Als sie einige Zeit später erfuhr, dass das denkmalgeschützte Gebäude zum Verkauf stand, schlug sie zu. Im April 1996 legte sie los, „mit Biertischen und einem Tresen draußen.“ Nach einem Umbau eröffnete die Vorarlbergerin die Klostermühle am 1. Februar 1997 – „und dann bin ich förmlich überrannt worden.“ Für ihre Brotzeit sowie ihre Kuchen und Torten war sie bekannt, für ihre ganz eigene, resolute Art ebenfalls. Motorradfahrer, Oldtimerfreunde und viele Stammgäste schätzten das Ambiente.

„Das hier ist mein Herzblut gewesen“, sagt die 60-Jährige und schaut aus dem Fenster. So langsam schließt sie ab mit einem Lebensabschnitt. „Ich bereue das nicht. Jetzt sind 20 Jahre daraus geworden.“ Dass der Schnitt kommen würde, war bereits vor zehn Jahren klar. Damals schloss sie den Kaufvertrag mit der Familie Brüning, die neben dem Forsthaus in Zukunft auch die Klostermühle bewirtschaften wird. Denn ihre in Österreich lebende Mutter war an Demenz erkrankt, und Christa Hufnagl beschloss, sie auf den Heiligenberg zu holen. Sie musste das Nebengebäude von Grund auf modernisieren, das sie bis dahin nur mit einem Ofen beheizen konnte. Viel Geld war nötig. Das indes versagten ihr nach ihren Angaben die Banken.

Harte Verhandlungen vor dem Verkauf

Da hatte der damalige Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch eine Idee und brachte Christa Hufnagl und die Familie Brüning miteinander ins Gespräch. Harte Verhandlungen folgten, die Klostermühlen-Wirtin sah sich in der Bredouille und unter Zugzwang. Schließlich erhielt sie ausreichend Geld, um das Nebengebäude auf den neuesten Stand zu bringen, richtete zudem Gästezimmer ein. „Ich hab‘ darum gekämpft, dass ich die Balken frei lassen durfte“, erinnert sie sich und schaut sich noch einmal in ihrem Wohnzimmer um. Sie hat bewusst in Qualität investiert, rund 250.000 Euro in das Haus gesteckt. Dass dieses nun dem Erdboden gleich gemacht werden soll, trifft Christa Hufnagl deshalb ganz besonders. „Ich habe hier gerne gelebt.“ Ihre Mutter lebte zweieinhalb Jahre bei ihr, dann verstarb sie. „Damals ist der Betrieb nebenher gelaufen.“ Die Sorge um ihre Mutter stand im Vordergrund.

Nach deren Tod rückte die Klostermühle zurück in den Fokus. Doch einige Sorgen blieben. Personal hatte die Wirtin häufig zu wenig. „Ich bin oft im Küchenstuhl eingeschlafen.“ Trotz all der Arbeit, die Freude am Tun überwog. „Das hier ist mein Herzblut gewesen.“

Dass Gerüchte kursierten, sie sei pleite gegangen, ärgert die 60-Jährige. „Das stimmt nicht.“ Einen weiteren Teil des Kaufpreises, der praktisch ihre Altersversorgung darstellt, erhält sie von Familie Brüning nach der Übergabe, allerdings gestückelt und in einem Zeitraum von zehn Jahren. Dass sie solch einen Vertrag heute nicht mehr unterschreiben würde, daraus macht Hufnagl keinen Hehl. Damals jedoch habe sie keine Wahl gehabt, sagt sie.

Sie schaut jetzt nach vorne. Zwischen Plön und Preetz liegt ab sofort ihre neue Heimat. Hühner, Hunde und das Pferd nimmt sie mit. Und viele Erinnerungen. Gute und gerade aus der letzten Zeit weniger gute. „Das hier war mein Paradies“, sinniert die einstige Wirtin und schaut noch einmal aus dem Fenster, hinaus auf den Teich. War, wohl gemerkt. „Jetzt nimmer.“

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