„Ich wünsche mir Verständnis und Offenheit“

Lars Bierfischer im Interview: Wie er sich seine Zeit als Bürgermeister vorstellt

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In der kalten Jahreszeit sitzt Bürgermeister Lars Bierfischer gerne vor dem Kamin. So kann der Sozialdemokrat gut entspannen. 

Br.-Vilsen - Von Anne Schmidtke. Viele Bürger setzten bei der Kommunalwahl im September ihre Kreuzchen für Lars Bierfischer: Der Sozialdemokrat erhielt 647 Stimmen und somit weit mehr als jeder andere Bewerber für den Fleckenrat Bruchhausen-Vilsen. Aus dem guten Wahlergebnis resultierte, dass die Mitglieder des Rats ihn während der konstituierenden Sitzung Mitte November einstimmig zum neuen Bürgermeister wählten. Im Interview verrät der Amtsinhaber, was er in den kommenden fünf Jahren erreichen will, wo sein Lieblingsplatz im Flecken ist und was er in seiner Freizeit tut.

Sind Sie mit dem Ergebnis der Kommunalwahl zufrieden?

Ja, klar. Damit bin ich sehr zufrieden. Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Wahl so extrem zu meinen Gunsten ausfällt.

Warum wollten Sie Bürgermeister werden?

Als ich mich das erste Mal vor 15 Jahren für den Fleckenrat habe aufstellen lassen, war mein Ansinnen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Ich wurde Vorsitzender der SPD-Fraktion. Dieses Amt hatte ich mit einer kurzen Pause, um mich beruflich weiterzubilden, fast 15 Jahre lang inne. Im Laufe der Zeit habe ich dann gemerkt, dass man noch weitergehen kann, um gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Das war eigentlich der Anlass, Bürgermeister zu werden. Im Vorfeld der Wahl gab es mehrere Kandidaten. Wir, also die Fraktionen, sind dann so verblieben, dass wir schauen, was die Wahl bringt – und die hat dann ein bisschen in meine Richtung tendiert. (lacht)

Warum haben Sie sich dagegen entschieden, das Amt als Vollbürgermeister auszuführen? Stattdessen übernehmen Sie, wie Ihr Vorgänger Peter Schmitz, nur die repräsentativen Aufgaben, nicht aber die Verwaltungsaufgaben eines Bürgermeisters.

Ich bin schon immer der Meinung gewesen, dass die Verwaltungsaufgaben jemand übernehmen sollte, der das von der Pike auf gelernt hat. Mit Bernd Bormann haben wir einen sehr fähigen Gemeindedirektor. (Bormann absolvierte eine Ausbildung im mittleren Dienst im Rathaus Bruchhausen-Vilsen und war danach unter anderem für EDV, Wahlen und die Räte zuständig. Bormann wechselte 1999 ins Bauamt. Von 2001 bis 2003 absolvierte er nebenamtlich eine Ausbildung im gehobenen Dienst und stieg anschließend zum Bauamtsleiter auf. Heute ist er Samtgemeindebürgermeister, Anm. d. Red.).

Was wollen Sie als Bürgermeister erreichen?

Ich möchte der Mittlerrolle, die jetzt auf mich zukommt, gerade im Hinblick auf das Zusammenwachsen des Fleckens Bruchhausen-Vilsen und der einstigen Gemeinde Süstedt gerecht werden. Das waren zwei Gemeinden mit sehr unterschiedlichen Strukturen (die Gemeinde Süstedt und der Flecken Bruchhausen-Vilsen haben am 1. November fusioniert, Anm. d. Red.). Die ehemalige Gemeinde Süstedt ist sehr landwirtschaftlich geprägt. Der landwirtschaftliche Wegebau ist da ein vorrangiges Thema. Die Situation in Bruchhausen-Vilsen ist ein bisschen anders. Da herrscht verdichtete Bebauung, mehr Leute leben dort auf engerer Fläche. Das sind unterschiedliche Voraussetzungen. Ich möchte erreichen, dass die Einwohner aus Bruchhausen-Vilsen die aus Süstedt verstehen und umgekehrt. Teilweise fragen sich die Süstedter, warum Gestaltungsmaßnahmen in Bruchhausen-Vilsen durchgeführt werden müssen. Sie fragen sich, ob man das Geld nicht für was anderes ausgeben könnte. Und in Bruchhausen-Vilsen fragen die Leute: Warum machen wir die Wege in der Prärie? Ich möchte, dass die Einwohner Verständnis füreinander haben und gut zusammenwachsen. Ich hoffe, dass der Prozess genauso gut verläuft wie der mit der Gemeinde Engeln. (Bruchhausen-Vilsen und Engeln haben sich 2011 zusammengeschlossen, Anm. d. Red.)

Auf welche Aufgabe freuen Sie sich als Bürgermeister am meisten?

Ich freue mich, dass wir noch Gestaltungsspielraum haben, was das Finanzielle angeht, dass wir städtebaulich vielleicht noch was entwickeln können.

Was würden Sie gerne entwickeln?

Auf jeden Fall möchte ich die Bahnhofstraße in Bruchhausen-Vilsen noch ein bisschen forcieren. Ich möchte ganz gerne, dass der Platz vor der Kirche, also vor dem Geschäft Bullenkamp, noch gemacht wird. Er soll optisch ansprechender und behindertengerecht werden. Auch am Engelbergplatz gibt es noch ein paar Gestaltungsmaßnahmen, die umgesetzt werden können, damit Leute mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen den Platz nutzen können.

Auf welche Aufgaben freuen Sie sich außerdem?

Ich freue mich, als Fleckenbürgermeister auch auf Samtgemeindeebene tätig zu sein. Ich möchte unsere Gemeinde dort gut positionieren. (Bierfischer ist auch Mitglied im Samtgemeinderat, Anm. d. Red.)

Auf welche Aufgabe als Bürgermeister freuen Sie sich am wenigsten?

Am wenigsten? Weiß ich gar nicht.

Wie wollen Sie Ihren Beruf, Ihre Familie und das Bürger- meisteramt unter einen Hut bekommen?

Ich glaube, dass sich an meinem zeitlichen Engagement für die Politik nicht ganz viel ändern wird. Ich war 15 Jahre lang Vorsitzender der SPD-Fraktion im Fleckenrat und seit Mitte der letzten Wahlperiode stellvertretender Fraktionsvorsitzender in der Samtgemeinde. Auf Samtgemeindeebene bin ich immer noch stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Das Amt des Fraktionsvorsitzenden im Fleckenrat habe ich abgegeben. Das üben jetzt Reinhard Thöle und Christel Stampe aus. Sie übernehmen nun die vorbereitende Arbeit für die Fraktion. Da war immer ganz schön viel zu tun. Dafür habe ich Zeit, die ich nutzen kann, um meine repräsentativen Aufgaben als Bürgermeister wahrzunehmen.

Was wünschen Sie sich von den Bürgern für die kommenden fünf Jahre?

Ich wünsche mir Verständnis und Offenheit. Dass man uns Ratsleute direkt anspricht, wenn einem was nicht passt. Ich wünsche mir auch mehr Besucher in den Ausschuss- und Ratssitzungen.

Wie können die Bürger Sie erreichen?

Telefonisch. Sie können mich aber auch direkt auf der Straße ansprechen.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz im Flecken?

Ich habe mehrere Lieblingsplätze. Ich finde zum Beispiel den Heiligenberg schön.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich spiele aktiv Fußball in der Ü50-Oldie-Mannschaft im SV Bruchhausen-Vilsen. Im Sommer bin ich auch Freizeitkapitän. Mein Boot liegt in der Marina Wieltsee in Dreye. Wenn man dort ist, erholt man sich gleich. Man schaltet dann sofort ab. Zudem gehe ich, so oft es geht, laufen. Mindestens dreimal die Woche eine Stunde.

Bürgermeister Lars Bierfischer ist unter der Telefonnummer 04252/3388 zu erreichen.

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