Stück „Raben- und andere Mütter“ 

Schauspielerin Sabine Wackernagel im Interview

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Ein gutes Team: Mutter Sabine und Tochter Katharina Wackernagel. Beide sind erfolgreiche Schauspielerinnen. Sabine Wackernagel kommt Samstag nach Schwarme. 

Schwarme - Von Mareike Hahn. Erich Kästner soll zu seiner Mutter Ida ein sehr enges Verhältnis gehabt haben, zwischen Doris und Kurt Tucholsky gab es dagegen viele Schwierigkeiten. Beide Schriftsteller haben die Beziehung zur ersten Frau ihres Lebens textlich verarbeitet. Ihre Worte sind am Samstag in Schwarme zu hören, ebenso wie die vieler Kollegen. Denn dann gibt Schauspielerin Sabine Wackernagel aus Kassel den Mamas und Kindern dieser Welt eine Stimme – unter dem Titel „Raben- und andere Mütter“. Ein Interview:

Frau Wackernagel, was sind Sie selbst für ein Typ Mutter?

Eben eine ... Ich weiß es nicht. Wenn ich jetzt „Rabenmutter“ sage, sagen meine drei erwachsenen Kinder: „Nein, du bist doch die beste Mutter, wir lieben dich doch!“ Ich habe immer Theater gespielt, auch als die Kinder klein waren. Die Kinder waren immer gut versorgt – mein Mann war Lehrer, wir hatten ein Au-pair-Mädchen, sie waren nie allein – trotzdem war ich nicht so eine tolle Mutter, wie ich hoffte zu sein. Ich war bestimmt am wenigsten gut, als die Kinder noch klein waren. Je älter sie wurden, desto besser wurde unser freundschaftlicher Kontakt und desto mehr rückte das Rabenmutter-Thema in den Hintergrund. Ich bin, sagen wir mal, mittel.

Sie haben bereits mehrere Programme mit Katharina Wackernagel entwickelt und aufgeführt. Wie klappt die Mutter-Tochter-Zusammenarbeit?

Wunderbar, das klappt wirklich gut. Das hat sich über einen ganz, ganz langen Zeitraum entwickelt. Beim ersten Mal war Katharina 16, da standen wir beide in einem Theaterstück in Kassel zusammen auf der Bühne. Als sie anfing zu drehen, ging sie weg aus Kassel und kam nur noch ab und zu zu Besuch; da haben wir angefangen, zusammen Lesungen vorzubereiten. Meistens übernehme ich die dramaturgische Arbeit, weil ich es mehr gewöhnt bin und sie meint, ich könne das besser. Das Thema entwickeln wir zusammen, dann suche ich passende Texte dazu. Zum Proben treffen wir uns in Berlin oder Kassel (Katharina Wackernagel lebt in Berlin, Anm. d. Red.). Das ist sehr schön. Es ist nur eine Zeitfrage, dass wir es nicht öfter machen.

Haben sich die Mütter in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Sabine Wackernagel

Ich habe das Gefühl, dass junge, moderne Mütter sehr unter dem Druck stehen, ganz perfekt sein zu müssen. Ich habe das bei meiner Schwiegertochter und meinen zwei Enkeln, sechs und drei Jahre alt, erlebt. Die Kinder mussten immer vor dem Bauch oder auf dem Rücken getragen werden. Manchmal hat sie erzählt, dass Mütter im Kita-Umkreis meinten: „Wie, du legst dein Kind ab, wenn du kochst?“ Ich gehöre zur 68er-Generation, was Kinder anbelangt, meine hatten keine Markenklamotten und wollten das auch nicht. Heute wissen schon die Kindergartenkinder, welche Schuhe cool sind. Sie sind angepasster an den Mainstream, das erzeugt Druck. Andererseits sind viele Kinder unerzogener. Ich sehe heute, dass Kinder wahnsinnige Ansprüche stellen, da komme ich mir vor wie eine Oma, die sagt: „Früher war alles anders.“ Die Mütter müssen noch mehr leisten, gut im Beruf sein, sich gut organisieren, aber auch alles liefern, was die Kinder brauchen. Das Essen muss extrem gesund sein, vegan und bio, oder sie verziehen sie. Mein Eindruck ist, dass die Kinder in vielen Familien die Chefs sind.

Was erwartet die Besucher am Samstag in Schwarme?

Eine Präsentation unterschiedlicher Muttertypen, aus verschiedenen literarischen Dukten zusammengestellt. Gedichte von Erich Kästner und Erzählungen von Tucholsky. Ich schlüpfe in verschiedene Rollen, zum Beispiel die schreckliche Großmutter aus dem Roman „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“. Dann habe ich die überfürsorgliche Mutter aus einem Roman von Jonathan Franzen dabei, eine tyrannische Mutter aus dem Internet, einen kleinen Dialog von Dario Fo. Eine wilde Mischung. Manche sind ganz schrecklich, manche ganz lieb – wie im echten Leben.

Sie waren 2014 schon einmal in Schwarme.

Ja, sogar schon öfter. Ich war dort zum ersten Mal zusammen mit Uta Grunewald, einer Sängerin aus Göttingen; ich habe Gedichte rezitiert, sie hat gesungen. Und dann war ich 2014 mit dem Komödianten Martin Lüker und „Ran an die Klassiker“ in Robberts Huus. Es ist wunderschön dort, ein toller Veranstaltungsort. So persönlich und stimmungsvoll und trotzdem professionell. Ich hoffe, das ist nicht mein letztes Mal in Schwarme.

Sie spielen seit Jahren ganz unterschiedliche Rollen am Theater und im Fernsehen. Was ist Ihre Lieblingsrolle?

Als ich ganz jung war, war immer die revolutionäre junge Frau meine Lieblingsrolle, weil ich selber nicht so war. Eine echte Lieblingsrolle gibt es aber nicht. Das ist ja das Schöne am Theater, dass man so unterschiedliche Rollen spielen kann. Einmal habe ich in einer Saison die Mutter von Bertolt Brecht und parallel die Lysistrata von Aristophanes gespielt. Das waren zwei große, unterschiedliche Rollen: die alte Bauersfrau und die schöne Lysistrata. Im Theater kriegt man mehr unterschiedliche Rollen als im Fernsehen. Die Sender mögen es, wenn man eine bestimmte Marke hat, die funktioniert. Ich sehe bei vielen Kollegen vom TV, dass sie unzufrieden sind, weil sie gerne mal was anderes spielen würden. Im Theater ist das selbstverständlich, man spielt ja Theater, um anders zu sein als im echten Leben.

Sie kommen aus einer Schauspielerfamilie. Was sagen Sie jungen Leuten, die Schauspieler werden wollen?

Ich kann ja nicht sagen: „Mach das nicht.“ Aber das ist heute schon sehr schwierig. Ich lerne am Theater immer wieder ganz junge Leute kennen, die oft die ersten zwei, drei Jahre Theater spielen und dann weg wollen, weil sie nicht ewig in dem Kaff bleiben möchten. Dann gehen sie nach Berlin und tauchen unter unter Hunderttausend unbeschäftigten, schlecht beschäftigten Leuten. Das ist ein ganz harter Beruf. Jedem jungen Menschen, der das will, Leidenschaft und Begabung mitbringt, würde ich nicht sagen, er soll das nicht machen. Aber wenn jemand sagt, „Das ist ganz nett, so kann ich Geld verdienen“, dann würde ich ihm abraten.

Veranstaltung

Es geht um die fürsorglichen Muttis, die liebevollen Mamas, die ehrgeizigen und tyrannischen Groß-, Stief- und Übermütter – kurzum: um Mütter, wie wir sie kennen, fürchten und lieben. Eine Collage der so unterschiedlichen Frauen hat die Schauspielerin Sabine Wackernagel aus literarischen Texten entworfen. 

In ihrem Soloprogramm „Raben- und andere Mütter“ lässt sie sie alle zu Wort kommen – am Samstag, 22. Oktober, um 19 Uhr im Kulturzentrum Robberts Huus in Schwarme, Hoyaer Straße 2. Karten gibt es im Vorverkauf über das „Eule“-Kulturtelefon 04258/983574 oder per E-Mail an kultur@robberts-huus.de sowie an der Abendkasse. Vor Ort sind Getränke, Brezeln, Käsestangen und Teller mit kleinen Leckereien zu kaufen. 

www.robberts-huus.de 

www.sabinewackernagel.de

mah

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