Syrischer Flüchtling Mohamad Bakour arbeitet als Hausmeister beim Verein „Lebenswege begleiten“

Job hilft bei der Integration

Zu den Aufgaben von Mohamad Bakour gehört es, den Rasen auf dem Vereinsgelände zu mähen. - Foto: Anne Schmidtke

Br.-Vilsen - Mohamad Bakour aus Aleppo in Syrien ist freundlich, hilfsbereit, handwerklich begabt und gegenüber seinen Mitmenschen aufgeschlossen. Zudem spricht der Moslem, der seit einem Dreivierteljahr in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen wohnt, schon recht gut Deutsch. Diese Eigenschaften verhalfen dem Flüchtling nun, einen Job bei dem Bruchhausen-Vilser Verein „Lebenswege begleiten“ zu bekommen. Dort wurde er zum 1. September als Hausmeister eingestellt. Der 36-Jährige bekleidet eine halbe 450-Euro-Stelle, ist fünf Stunden die Woche für den Verein tätig.

„Wir müssen auf unsere Finanzen gucken“, erklärt Axel Hillmann, Vorstandsmitglied bei „Lebenswege begleiten“. „Wir würden die Stelle gerne auf zehn Stunden aufstocken, denn Arbeit haben wir genug.“ Allerdings habe der Verein, der sich in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen um die Flüchtlinge kümmert, nur ein begrenztes Budget zur Verfügung. Um Mohamad Bakour die komplette 450-Euro-Stelle anbieten zu können, bittet der Verein alle Bürger um finanzielle Hilfe. Wer Geld dafür spenden möchte, meldet sich bei Judith Hirscher von „Lebenswege begleiten“ unter Telefon 04252/9098323.

Bisher half Mohamad Bakour ehrenamtlich in der Fahrradwerkstatt von „Lebenswege begleiten“. Dort kam er vor einigen Monaten eigentlich nur vorbei, um ein Fahrrad zu erwerben – und engagierte sich schnell. „Er packt überall mit an, wo Hilfe benötigt wird“, lobt Judith Hirscher. Auch Axel Hillmann zollt dem Flüchtling Respekt: „Er ist uns eine große Hilfe, nicht nur als Übersetzer vom Deutschen ins Arabische, sondern auch als versierter Mechaniker.“ Diese Fähigkeiten habe sich der Verein langfristig sichern wollen und Mohamad Bakour die Stelle als Hausmeister angeboten. Möglich war das, weil der Syrer einen subsidiären Schutz in Deutschland genießt. Das heißt, er darf erst einmal für ein Jahr in der Bundesrepublik bleiben und auch arbeiten. „Ich denke, dass er gute Chancen hat, dass seine Aufenthaltserlaubnis danach verlängert wird“, sagt Hillmann. Schließlich sei Arbeit das Integrationsmittel schlechthin.

Mohamad Bakour zögerte nicht und nahm das Angebot von „Lebenswege begleiten“ an. Der gelernte Elektriker ist zukünftig als Hausmeister für das Vereinsheim und das Vereinsgelände Auf der Loge 17a zuständig. Bisher hat Ingo Rahn, Sozialarbeiter, Initiator und Leiter von „Lebenswege begleiten“ diese Tätigkeit nebenher erledigt. „Hier ist laufend was zu tun. Das schaffe ich nicht mehr allein“, berichtet Rahn.

Zu den Aufgaben von Mohamad Bakour gehört zum Beispiel, Rasen zu mähen und kleine anfallende Reparaturen zu erledigen. „Außerdem könnte er in kleinere Projekte eingebunden werden“, sagt Hillmann. Er habe unter anderem die Idee gehabt, ein kleines Hühnergehege anzulegen. „Noch ist das nicht realisiert. Doch da wir nun jemanden haben, der sich um Haus und Hof kümmert, könnte das laufen“, sagt Hillmann. Zudem solle Mohamad Bakour weiterhin in der Fahrradwerkstatt helfen – ab sofort aber gegen Bezahlung.

Mohamad Bakour genießt das Leben in Deutschland. Zum einen, weil in seiner Heimat alles zerstört sei, zum anderen, weil er dort als gelernter Elektriker zwei Jobs habe annehmen müssen, um über die Runden zu kommen. Er habe in einem Coffee-Shop und für die Regierung gearbeitet. Ferner haben es die Frauen seiner Meinung nach in Deutschland viel besser als in Syrien.

Allerdings gibt es auch einen Wermutstropfen für den Flüchtling. Er kann seine Frau, seine Mutter und weitere Verwandte nicht nach Deutschland holen. Schuld ist sein subsidiärer Aufenthaltsstatus, der den Familienzusammenschluss verbietet. „Ich skype regelmäßig mit ihnen“, sagt der 36-Jährige. Er sieht seine Liebsten also regelmäßig mithilfe des Internets auf dem Computer. Trotzdem ist er traurig darüber, seine Gattin nicht in die Arme schließen zu können. Mit ihm nach Deutschland sind seine Schwester und deren vier Kinder gekommen. Sie leben alle gemeinsam in einer Wohnung an der Bahnhofstraße in Bruchhausen-Vilsen.

In den nächsten Wochen möchte der Syrier seine Sprachkenntnisse verbessern. „Der Job hilft mir dabei, Kontakte zu knüpfen und Deutsch zu sprechen“, sagt der 36-Jährige. - asc

www.lebenswege-begleiten.de

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