Noch-Fleckenbürgermeister Peter Schmitz zieht sich aus der Kommunalpolitik zurück

Der Geradlinige

Hat gut lachen: Nach 25 Jahren kandidiert Peter Schmitz nicht mehr für ein Amt in der Kommunalpolitik und wird sich den schönen Dingen des Lebens widmen. Das hat er sich verdient. - Foto: Ulf Kaack

Br.-Vilsen - Von Ulf Kaack. Geradlinigkeit und sein unbedingter Wille zum Dialog haben die politische Arbeit von Peter Schmitz geprägt. Als Mitglied des Samtgemeinderats und des Parlaments des Fleckens Bruchhausen-Vilsen hat er ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel, davon 20 Jahre als Fleckenbürgermeister. Dem Kreistag gehörte er zwei Legislaturperioden an. Doch …

„Damit ist jetzt Schluss, jetzt gehe ich endgültig aufs Altenteil und genieße meinen Ruhestand“, schmunzelt der noch amtierende Bürgermeister des Fleckens Bruchhausen-Vilsen. Bei der kommenden Kommunalwahl wird der 68-Jährige nicht mehr antreten. Er will sich nach eigenem Bekunden nicht bis ins hohe Alter an irgendwelche Ämter klammern, sondern nun sein Pensionärsdasein gemeinsam mit Ehefrau Regina genießen. Intensive Reiseaktivitäten stehen in Kürze auf dem Programm, das eine oder andere gute Buch sowie die Pflege von Haus und Garten.

Peter Schmitz ist waschechter Brokser mit Leib und Seele, kam in der Homfelder Straße 192 per Hausgeburt zur Welt. Einen schöneren Ort zum Leben kann er sich nicht vorstellen. Vor 45 Jahren kaufte er sich ein 1764 errichtetes Fachwerkhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zur St.-Cyriakus-Kirche. Das hat er in jahrzehntelanger Kleinarbeit mit seiner Frau restauriert und mit viel Liebe einen kleinen bunten Garten angelegt.

In seinem ursprünglich erlernten Beruf als Bankkaufmann war er nicht sehr glücklich. Er wollte mehr mit Menschen zu tun haben. Beraten, Hilfestellungen leisten, Greifbares auf die Beine stellen – das war und ist sein Ding. So wechselte er als Arbeitsberater zum Arbeitsamt. Von 1991 bis zur Pensionierung 2008 war er Chef der Arbeitsagentur in Syke.

Die ganz große Leidenschaft von Peter Schmitz war das Segelfliegen. Als Inhaber der dafür notwendigen Pilotenlizenz verbrachte er fast jede freie Minute in der Luft und auf dem Flugplatz in Hoya. 1989 stoppte ein Herzinfarkt seine fliegerischen Ambitionen. Seine medizinische Flugtauglichkeit war dahin. Wieder genesen, wandte er sich zielstrebig der Politik zu.

„Ich bin durch und durch Sozialdemokrat, meine politische Motivation und Denke haben ihre Wurzeln in der Ära und auch in der Person von Willy Brandt“, erklärt sich Peter Schmitz selbst. „Allerdings mag ich es überhaupt nicht, als 68er bezeichnet zu werden. Ich denke, dass ich immer mit der Zeit gegangen bin.“ Das Parteibuch der SPD besitzt er übrigens seit 47 Jahren.

Lange Zeit hinkte Bruchhausen Vilsen den vermeintlichen Boomtowns Stuhr, Weyhe und Syke offensichtlich hinterher. Das sieht Peter Schmitz heute als positiv an: „Wir hatten immer ein stetiges, aber überschaubares Wachstum in den Bereichen Bevölkerungsentwicklung, Baugebiete und Gewerbeansiedlungen. Damit konnten diese Entwicklungen von Rat und Rathaus moderat und überlegt angegangen werden. So blieb der charmant-ländliche Charakter Bruchhausen-Vilsens und seiner Gemeinden einerseits erhalten, andererseits wurde er fortlaufend aufgewertet.“

Als Peter Schmitz 1991 in die Räte von Flecken und Samtgemeinde einzog, hatte die CDU-Konkurrenz neun Sitze, seine SPD-Fraktion hingegen sechs. Die Sozialdemokraten waren seinerzeit nicht durchsetzungsfähig, Beschlüsse im Rat wurden an der Partei vorbei einfach mit ausgespielter Mehrheit durchgezogen. Das änderte sich Mitte der 90er. Die mittlerweile etablierten Grünen kamen als Koalitionspartner hinzu, es bildeten sich freie Wählergemeinschaften. Mehrheiten verschoben sich, wodurch auf breiter Basis zwangsläufig mehr Transparenz und eine höhere Dialogbereitschaft entstanden. Eine Entwicklung, die der Bürgermeister stets befeuert hat.

Wie sieht seine persönliche Erfolgsbilanz der politischen Arbeit aus? „Es wäre anmaßend, wenn ich mir die realisierten Projekte auf meine eigene Fahne schreiben würde – das war alles Teamwork“, blickt Peter Schmitz zurück. „Allerdings bin ich stolz darauf, dass sich in meiner Zeit das Klima und die Effizienz in der Ratsarbeit deutlich verbessert haben. Außerdem auf die städtebaulichen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Ortskern, den Ortsteilen und im Straßenbau, die mit 75 Prozent aus öffentlichen Fördertöpfen finanziert wurden.“

Und was gibt es an negativen Ereignissen zu berichten? „Vor sieben Jahren haben wir das 1905 fertiggestellte Gaswerk renoviert, wo ich einen ebenso schmerzhaften wie kuriosen Dienstunfall hatte“, blickt Schmitz auf das unschöne Ereignis zurück. „Ich war gerade mit dem Zimmermann auf dem Dach zugange, als ich durch eine Plexiglasscheibe brach und ein Stockwerk tiefer zu liegen kam. Sieben Knochen waren gebrochen, der Heilungsprozess dauerte Monate.“

Tatsächlich hat der Luftkurort neben seiner landschaftlichen Schönheit so einige Pfründe, mit denen er wuchern kann: Eine ausgewogene Zahl von kleinen und mittelständischen Unternehmen – über die Landwirtschaft bis hin zu Vilsa als große Firma. Die Gastronomie ist bemerkenswert, ebenso touristische Highlights wie die Museumsbahn, der Heilige Berg oder die vielen Mühlen. Der Haushalt ist ausgeglichen, Kitas und Schulen geben kaum Anlass zur Kritik und die Kultur ist bestens aufgestellt. Diese Aufzählung ließe sich noch um so einige Punkte verlängern. Also, lieber scheidender Bürgermeister, kein Grund zum Tiefstapeln, lass deine Nachfolger man machen!

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