Ein kulinarischer Abend mit dem Schauspieler

Erwing Rau genießt das unperfekte Leben

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Erwing Rau liest nicht vor, er trägt vor. 

Hollen - Von Heiner Büntemeyer. Schon als Schüler wollte Erwing Rau Schauspieler werden. Und er hatte damals bereits eine Vision: „Wenn ich 60 Jahre alt bin, verbeuge ich mich bei meiner letzten Vorstellung vor einer großen Schar von Zuschauern und höre auf!“ Rau ist jetzt 63 Jahre alt und steht immer noch auf der Bühne. Warum aus seinem Abschied nichts wurde, erklärte er am Freitag in seinem Theaterrestaurant „Kastanie“ in Martfeld-Hollen. Der Abend stand unter dem Titel „Das unperfekte Leben“. Es gab Erzählungen und Essen.

Ein Schauspieler bleibt sein Leben lang ein Schauspieler, sagte Rau. „Hinzu kommt, dass man mit 60 Jahren plötzlich wieder begehrt wird.“ So habe er vor der Alternative gestanden, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist, oder unglücklich zu werden. „Und wer will schon unglücklich werden?“, fragte er augenzwinkernd. So unperfekt wie der Titel der Veranstaltung vermuten lässt, verlief sein Leben also wohl doch nicht.

Wie er unserer Zeitung gegenüber berichtete, möchte er gerne einen langen Geschichtenabend mit ausgewählten Texten veranstalten. Kulinarische Lesungen mit erotischen Texten, mit Krimis und toscanischen Geschichten hat er bereits veranstaltet und dabei immer beobachtet, wie sein Publikum reagiert, wie er sich selbst beim Vortrag fühlt und wie die Geschichte in sein Konzept passt. Eigentlich wollte er mit der Programmgestaltung schon wesentlich weiter sein, aber immer seien Engagements dazwischengekommen. Aber jetzt hat er als Termin das Frühjahr 2017 fest im Blick – „wenn nicht wieder etwas dazwischenkommt“.

Erwing Rau liest seine Geschichten nicht vor, er trägt sie vor. Am Freitag zwischen den einzelnen Gängen eines Menüs. Ob sich Rau immer an das Manuskript hält, kann getrost bezweifelt werden. Aber es macht gerade deshalb so viel Spaß, ihm zuzuhören. Gestenreich unterstreicht er den Text, hebt die Stimme, senkt sie fast zum Flüsterton und setzt die Pointen sehr wirkungsvoll.

Es sind teils surrealistische Texte, die zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken anregen. Die Begegnung, die er gleich zu Beginn beschreibt, ist ein Beispiel dafür. „Aus der Entfernung habe ich sofort gesehen: Er ist es! Und ich habe auch sofort gewusst, dass er wusste, dass ich dachte: Ich bin es! Doch als wir uns dann gegenüber standen, wussten wir beide: Keiner war‘s!“

Dass es sich lohnt, auch im Alter niemals aufzugeben, zeigt Erwing Rau in einer anderen Geschichte. Ein alter Friedensrichter, will ein Glas Milch trinken. Er solle erst endlich sein Testament unterschreiben, verlangt seine Pflegerin. Sie hat bereits Gift in die Milch geträufelt. Erst die Milch – erst die Unterschrift: Jeder der beiden beharrt auf seiner Forderung. Schließlich kommt es zum Kompromiss: Der Richter bietet ihr die Ehe an, sie willigt ein – und er überlebt sie.

Je länger der Abend dauerte, desto ausgelassener wurde die kulinarische Lesung: Rau sang einen Kriminal-Tango, bei dem er sich auf dem Klavier begleitete, und er erklärte dem Publikum dann unter anderem, wie er aus Angst vor Mückenstichen zum Mörder wurde – oder auch nicht.

Sollte Erwing Rau sein Konzept umsetzen, dann dürften in dem Programm im Frühjahr 2017 auch die meisten Texte vom Freitagabend nicht fehlen. So wie er seine Lesung gestaltete, sollte ihm sein „Bauchgefühl“ das auch signalisiert haben.

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