Ein Dvorák-Abend in Asendorf

Die erstklassige Philharmonie

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Solo-Cellist Johannes Krebs legt viel Gefühl in sein Spiel. 

Asendorf - Von Bert Strebe. Es war ein „Indoor-Outdoor-Konzert“, wie Peter Schmidt-Bormann, Vorsitzender des Kunst- und Kulturvereins Bruchhausen-Vilsen, zur Begrüßung sagte. Die Klassische Philharmonie Nordwest war am Sonntag im Rahmen des Garten-Kultur-Musikfestivals auf dem Eichenhof Zempel in Asendorf zu Gast.

Ein entspannter Abend bei angenehmen Temperaturen, Cocktails und Feuerschein zu später Stunde. Und, wie nicht anders zu erwarten, bei erstklassiger Musik. Das Publikum strömte, und es strömte auch noch, als die zum Konzertsaal umfunktionierte Scheune längst voll war. Da wurden bei offenem Tor Extrabänke auf dem Hof aufgestellt, sodass niemand nach Hause geschickt werden musste.

Der Abend stand unter dem Motto „Aus der Neuen Welt“ – so heißt die Symphonie Nr. 9 von Antonín Dvorák, die der böhmische Komponist bei seinem Aufenthalt von 1892 bis 1895 in Amerika schrieb (damals nannte man in Europa die USA „die neue Welt“). In New York komponierte Dvorák aber auch sein berühmtes Cellokonzert h-moll, und das gab’s als Erstes zu hören – mit dem Solo-Cellisten Johannes Krebs.

Heimliche Liebe

In dem Konzert verbirgt sich eine kleine, anrührende Geschichte. Antonín Dvorák war, bevor er seine ehemalige Klavierschülerin Anna heiratete, heimlich in deren ältere Schwester Josefina verliebt. Josefinas Lieblingslied aus Dvorák Feder hieß „Lasst mich allein“, und Motive aus diesem Stück ließ der Komponist in dem zweiten, langsamen Satz des Cello-Konzerts anklingen. Es war also nicht verwunderlich, dass Krebs an diesen Stellen besonders viel Gefühl in sein Spiel zu legen schien, wie er überhaupt die höchste Intensität in den lyrischen Passagen entwickelte, nur in den höheren Lagen konnte sich das Cello nicht immer gegen das Orchester durchsetzen. Das Publikum ließ Krebs natürlich nicht ohne Zugabe fort – er brillierte mit der Prélude aus Bachs erster Cello-Solosuite.

Die Akustik in der Scheune war, nebenbei bemerkt, erstaunlich gut. Auch bei offenem Tor taten die Traktoren draußen nichts anderes, als rücksichtsvoll vorbeizuflüstern. Normale Autos hörte man gar nicht.

Und dann Dvoráks Neunte. Hier zeigte sich die hohe Professionalität des Orchesters, in dessen Spiel sich Anspruch und Erfahrung und Freude zu einer Einheit fügten. Dieses Ganzheitliche passte sehr gut zu der Symphonie, denn auch sie wirkt wie aus einem Guss. Dvorák hat nicht, wie oft behauptet, Versatzstücke von indianischer Musik oder aus den Spirituals der Schwarzen eingearbeitet. Aber er hatte deren Musik beim Schreiben im Hinterkopf. So ist etwas Neues entstanden, etwas Eigenes und Zwingendes. Nicht umsonst ist dieses Werk Dvoráks bekanntestes. Und alle vier Sätze riefen in Asendorf große Begeisterung hervor.

Ein Phänomen war Orchestergründer und Dirigent Ulrich Semrau. Seine Gestik blieb sparsam, man sah ihn fast nie mit ausgebreiteten Armen oder auf den Zehenspitzen. Aber er brauchte auch keine großen Gebärden. Er war ungeheuer präzise, er hatte quasi jeden Ton im Griff. Die Musiker schauten auch selten zu ihm hin. Sie konnten seine Anweisungen wahrscheinlich spüren, so präsent war er. Und er kennt seinen Dvorák auswendig. Irgendwo im Scherzo wollte er was nachschauen. Er musste dafür dann ganz schnell um die 20 Seiten weiterblättern.

Im Finale hatte praktisch jeder vergessen, dass er nicht im Konzertsaal, sondern in einer Scheune (oder davor) saß. Bravo-Rufe nach dem letzten Ton. Als Zugabe kam der Militärmarsch „Stars and Stripes Forever“ von John Philip Sousa. Das war ein bisschen schunkelig nach dem hohen Anspruch zuvor. Aber es machte gute Laune.

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