Selbstversuch: Die Arbeit eines Erschreckers

Das versetzt mich in Schweiß und Schrecken

+
Der Selbstversuch als Erschrecker auf dem Brokser Markt.

Br.-Vilsen - Von Vivian Krause. Ich bin auf dem Weg zu meinem neuen Arbeitsplatz. Heute bin ich Erschrecker im „Scary House“ auf dem Brokser Markt. Dass dieser Job allerdings nur 30 Minuten dauert, damit habe ich nicht gerechnet. 

Was ziehen Erschrecker eigentlich an? Lange, schwarze Hose, schwarze Schuhe und ein dunkles Shirt? Klingt logisch, denn in einer Geisterbahn ist es dunkel und helle Klamotten wären da sicher fehl am Platz. Dennoch entscheide ich mich an diesem Morgen für eine kurze Hose, grau-pinke Turnschuhe und ein schwarzes T-Shirt. Und dies war in jedem Fall die bessere Wahl, wie ich später feststellen darf.

Vor dem „Scary House“ atme ich noch einmal tief durch... „Hey, kommt schon mal mit rein", weckt mich Betreiber Harry Hansla aus meinem meditativen Zustand. Denn: Ich hasse Geisterbahnen, ich hasse Dunkelheit und ich hasse es, erschreckt zu werden. Nun denn. Meine Kollegin Miriam ist immer dicht hinter mir, so kann mir nichts passieren. Und schließlich ist das Geschäft noch gar nicht in Betrieb. 

Stickige Luft, Bullenhitze und eine verängstigte Kollegin

Doch schon nach der ersten Tür erschlägt es mich: Hier herrscht eine Bullenhitze und die Luft ist so stickig, dass einem erstmal kurz der Atem stockt. Ich habe keine Zeit mich mit den Temperaturen zu beschäftigen, neben mir sitzt schließlich ein Halbtoter, dessen Herz noch zu schlagen scheint, der aber aussieht, als müsste er schon längst im Jenseits sein. Mein Herz pocht. Ich drehe mich zu Miriam um, doch die ist auch keine große Hilfe. Sie steht dort wie angewurzelt, mit weit aufgerissenen Augen und ihrer Hand vor dem Mund. Schockstarre! Meine Güte, denke ich mir, ich bin doch kein kleines Kind mehr. Reiß dich zusammen, du bist schließlich Erschrecker. Oder willst zumindest einer werden. Also geht der Rundgang durch das „Scary House“ weiter und weiter, bis wir schließlich auf dem Balkon stehen. Ahhhh, frische Luft. Endlich durchatmen. Denkste! Die Sonne knallt mit voller Wucht auf die Veranda des Geisterhauses. Das muss ein Zeichen aus der Hölle sein: Tu' es nicht!  

Verwandlung zu Pinhead - mit Maske und Axt

Zu spät. Kaum ist der Rundgang beendet, sucht Harry Hansla schon das passende Kostüm für mich. Ich werde zu Pinhead - bekannt aus den Hellraiser-Filmen. Gut, so kann ich meine Aufregung hinter einer Maske verstecken, und auch für Fotos muss ich nicht auf meinen Gesichtsausdruck achten.

Es folgen ein paar Hinweise: Nicht vor die Bahn springen. Rechts von den Gleisen stehen. Viel Wasser trinken - den Rest bekomme ich schon nicht mehr mit. Denn: Ich stehe bereits an meinem neuen Arbeitsplatz. In der Ecke abgestellt von Harry Hansla, eine Axt in der Hand und auf die nächsten Fahrgäste wartend. „Aber, was soll ich den machen?", frage ich verunsichert, was so gar nicht zu meinem neuen Aussehen passt. Mit einem kurzen Demonstration der Axt-Attacke verabschiedet sich der Betreiber aus dem gefühlt 80 Grad heißen „Scary House“. Jetzt stehe ich da. Alleine. Mit meiner Axt. Gefühlt laufen mir Tränen über die Wangen. Etwa, weil ich hier so einsam bin? Nein! Es ist der Schweiß, der sich unter der nach Gummi stinkenden Maske innerhalb von Sekunden gebildet hat. Gepaart mit meinem Neoprenanzug-ähnlichem Kostüm fühle ich mich wie in einer Saunabox. Es wäre wohl auch besser gewesen, sich genauso wie in einer Sauna zu bekleiden. Nämlich gar nicht. 

Erschrecker-Tipps vom gruseligen Clown gegenüber

Während ich versuche, an Eis, Freibäder und das Meeresrauschen zu denken, lasse ich meinen Blick über mein neuen Arbeitsplatz schweifen. Ziemlich dunkel. Ziemlich heiß. Ziemlich einsam. Oder doch nicht? Direkt gegenüber steht ein Clown. Ein wirklich gruseliger Clown. Oh - ich hatte vergessen zu erwähnen - Clowns kann ich auch nicht so gut leiden. Hat er sich gerade bewegt? Ja, hat er. Und jetzt nimmt er sich die eklige Maske ab - die mit dieser lächerlichen roten Nase noch immer viel zu gruselig für einen Schisser wie mich aussieht - und grinst mich an. Was für ein netter Clown! Das ist Petru, mein neuer Kollege. Er kann mir sicher ein paar Tipps geben, immerhin arbeitet er schon zwei Monate im „Scary House“, wie ich später erfahre. 

TIPP 1: NIMM DIE MASKE AB, SOFERN KEIN WAGEN VORBEIFÄHRT.

TIPP 2: SETZE SIE IM RICHTIGEN MOMENT WIEDER AUF. 

Auch der Chef des „Scary House“ Harry Hansla gibt Tipps zum Erschrecken.

Und schon wird es hektisch, denn die ersten Opfer kommen geradewegs auf uns zu und - ahhh das geht mir alles zu schnell. Jetzt hatte ich meine Axt noch gar nicht in der Hand und mein Halbgrunzen hatte nichts mit dem gruseligen Gebrüll zu tun, das ich eigentlich geplant hatte. Mist. 

Aber Petru hat es wirklich drauf. Da wird selbst mir Angst und Bange, wenn er die zwei Opfer in ihrem Waggon mit seinem Clownsvisage erschreckt. Das Schlimme: Er hat ein richtiges Ablenkungsmanöver drauf. Mit seinem abgeschlagenen Kopf, den er in der linken Hand hält. Aber ich will nicht zu viel verraten, es geht ja schließlich um mich - Pinhead!

Übung macht den Gruselmeister

Runde zwei. Diesmal habe ich meine Maske rechtzeitig runtergezogen und die Axt in meinen schweißnassen Händen positioniert. Die Horrorfreunde fahren vorbei, ich springe aus meiner Ecke, hebe die Axt in die Luft und schreie sie an. Und sie zurück. Oh Gott! Damit habe ich nicht gerechnet. 

Runde drei bis sechs. Ich werde immer besser, da bin ich mir ganz sicher! Wäre da nicht diese elendige Hitze. Wie hält Petru das nur aus? Übung macht auch hier den Meister. Und viel Wasser. Und das ewige Lüften der Maske. Ein absoluter Minuspunkt bei meiner: Die Nägel reißen mir jeden Mal die Haare mit aus. Egal - ich bin ein Monster, da muss das so zersaust aussehen.

So, Runde sieben. In Position, Maske runter, Axt in die Hand und wieder hervorspringen. Diesmal blicke ich in die weit aufgerissenen Augen eines kleinen Jungen. Er kann seinen Blick nicht von mir abwenden, doch da startet schon mein Clown-Kollege seinen Angriff. Der Arme! Jetzt bin ich nicht nur pitschnass und fünf Büschel Haare leichter, jetzt habe ich auch noch ein kleines Kind erschreckt. Das schlechte Gewissen macht sich breit und die Erlösung naht: Harry Hansla holt mich ab! Aber nicht, um auf direktem Weg raus aus der mittlerweile 120 Grad heißen Hölle, sondern eine Etage höher, auf den Balkon zu gehen. Für ein Foto. Danke, liebe Kolleginnen, dass ihr das eingefädelt habt. Einmal kurz Posieren und Lächeln - ach nee, muss ich ja gar nicht. Und, fertig!

Mit neuem Kostüm zurück in die Geisterbahn

Endlich ist der Spuk vorbei. Ich darf die Maske abnehmen und mich aus dem Anzug pulen. „Der kommt jetzt wohl in die Wäsche", sagt Hansla und lacht. Petru lugt noch einmal aus seinem Versteck hervor, und ich zolle sowohl ihm als auch allen anderen Erschreckern größten Respekt. Das ist wirklich ein harter, schweißtreibender Job. Und das sage ich, obwohl ich nur eine knappe halbe Stunde in diesem Verlies war. Aber vielleicht bastele ich mir für das nächste Jahr mein eigenes, luftigeres Kostüm und heuere noch einmal als Erschrecker an. Mein Favorit: Samara aus The Ring - dann können die Haare auch ruhig klatschnass vom Kopf herunterhängen.

Erschrecker: Der Selbstversuch im Scary House

Mehr zum Thema:

Hundeschwimmen in Wagenfeld

Hundeschwimmen in Wagenfeld

Mehrere Schwerverletzte nach Klinikbrand außer Gefahr

Mehrere Schwerverletzte nach Klinikbrand außer Gefahr

Luftangriff auf nordsyrische Stadt Aleppo trifft Klinik

Luftangriff auf nordsyrische Stadt Aleppo trifft Klinik

Floyd Unlimited in Hoya

Floyd Unlimited in Hoya

Meistgelesene Artikel

Freie Fahrt auf der Kreisstraße 101

Freie Fahrt auf der Kreisstraße 101

Wieder Stange in Maisfeld

Wieder Stange in Maisfeld

Trecker Treck: Gelungene vierte Ausgabe

Trecker Treck: Gelungene vierte Ausgabe

Feuerwehr befreit schwer verletzte Ehrenburgerin

Feuerwehr befreit schwer verletzte Ehrenburgerin

Kommentare