„Zukunftswerkstatt“ will Flüchtlingen Praktikumsplätze im Pflegebereich vermitteln

Eine „echte Chance“

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Es soll eine Win-win-Situation für beide Seiten werden: Die Flüchtlinge bekommen einen guten Job und die Pflegeeinrichtungen gute Mitarbeiter. Bis es so weit ist, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen – aber der Anfang ist gemacht. Die „Zukunftswerkstatt Gesundheit & Pflege“ im Landkreis Diepholz vermittelt seit Beginn dieses Jahres Praktikumsplätze im Pflegebereich in Bassum, Stuhr, Weyhe und Syke an Flüchtlinge. Nun will der Verein auch in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen aktiv werden.

Am Mittwoch, 19. Oktober, richtet die „Zukunftswerkstatt“ eine Informationsveranstaltung zur „Integration von Flüchtlingen in Pflege- und hauswirtschaftlichen Berufen“ aus. Ab 18 Uhr sind im Schulforum Bruchhausen-Vilsen (Auf der Loge 5) alle Flüchtlingspaten, Integrationslotsen, Flüchtlinge sowie Vertreter von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen willkommen.

„Wir möchten den Integrationsprozess vorantreiben“, sagt die Vereinsvorsitzende Rita Wegg. Das heißt: Flüchtlinge in Lohn und Brot bringen. Den Weg dorthin sollen Praktika und Hospitationen ebnen. „Bisher haben wir in Bassum, Stuhr, Weyhe und Syke 33 Flüchtlingen aus 21 Ländern einen Praktikumsplatz vermittelt“, sagt Wegg.

Um das Angebot auf Bruchhausen-Vilsen auszudehnen, haben sich die Beteiligten an Pflegeeinrichtungen vor Ort gewandt – mit Erfolg: Das Awo-Pflegeheim, das DRK-Haus an der Bergstraße und die Diakoniestation in Bruchhausen-Vilsen sowie das Gut Retzen in Süstedt machen mit. „Wir hoffen nun, ganz viele Neubürger zu einem Praktikum bewegen zu können“, sagt Wegg. Darf denn jeder einfach eins machen? „Ja“, antwortet Judit Hirscher vom Verein „Lebenswege begleiten“, der die Flüchtlingshilfe in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen koordiniert und mit der „Zukunftswerkstatt“ zusammenarbeitet. „Bei allem, was nicht bezahlt wird, reicht eine kurze Nachricht an die Ausländerbehörde. Kompliziert wird es erst, wenn ein Flüchtling Geld verdient. Bei dem Formularkampf helfen wir aber gerne.“

Dass es Zeit braucht, möglichst viele Flüchtlinge in Ausbildungen zu bringen, ist Rita Wegg klar. Um eine Lehre zu beginnen, müssten die Frauen und Männer mindestens einen Hauptschulabschluss und die notwendigen Sprachkenntnisse mitbringen. „Das wird das nächste Thema sein, dem wir uns annehmen“, sagt die Vorsitzende der „Zukunftswerkstatt“.

Infoveranstaltung am 19. Oktober

Für ein – in der Regel vier bis sechs Wochen langes –Praktikum brauchen die Flüchtlinge indes keine Qualifikation. „Ich habe in den bereits involvierten Altenheimen mal rumgefragt, wie die Flüchtlinge aufgenommen werden. Die Bewohner sind da sehr offen. Empathie ist trotz der Sprachbarriere da“, sagt Wegg. „Da hilft es auch, dass sich viele praktische Arbeiten gut zeigen lassen. Und sonst spricht man mit Händen und Füßen.“

Alter und Geschlecht spielen keine Rolle. Auch Frauen mit Kopftuch sind willkommen. Wegg: „Und wenn Frauen wegen ihrer Religion keine Männer waschen dürfen, wird darauf Rücksicht genommen.“ Immerhin wollen die Betriebe auf diesem Weg dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenwirken: „Die Nachwuchssuche ist ein ganz großes Thema“, erklärt Volker Kammann, Ordnungsamtsleiter in Bruchhausen-Vilsen. Hirscher sieht in der Pflege „eine echte Zukunftschance“ für Flüchtlinge.

Damit sich alle Interessierten über das Thema informieren können, sind für den 19. Oktober nicht nur verschiedene Vorträge und Vorstellungen der hiesigen Praktikumsbetriebe geplant. Vor und nach dem offiziellen Teil können die Gäste die Referenten auch direkt ansprechen. Übersetzer für Arabisch, Kurdisch und Farsi sind vor Ort. Alle 280 Flüchtlinge, die zurzeit von der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen betreut werden, haben Einladungen erhalten.

Rita Wegg ist unter Telefon 04203/787700 oder E-Mail rita.wegg@gmx.de erreichbar.

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