„Ich habe vier Wochen nur Nudeln gegessen“

Homfelderin pilgert auf dem Jakobsweg bis zum Ende der Welt

Birte Ostermann schaut sich gerne ihren Pilgerausweis an. Zahlreiche Stempel zeugen von den verschiedenen Stationen. - Foto: Karin Neukirchen-Stratmann

Homfeld - Von Karin Neukirchen-Stratmann. „Ich bin dann mal weg“: Dieses 2006 erschienene Buch von Hape Kerkeling über seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg wurde zum Bestseller. Ein Buch wird Birte Ostermann wohl nicht über ihre Erlebnisse schreiben. Gleichwohl sind die Eindrücke, die die Homfelderin auf dem bekanntesten Pilgerweg der Welt gesammelt hat, ebenso vielfältig wie die des berühmten Entertainers.

Nach dem Abitur, das die 19-Jährige in diesem Jahr am Bruchhausen-Vilser Gymnasium absolvierte, überlegte sie, was sie nun tun sollte: „Ich wollte ins Ausland, andere Menschen kennenlernen.“ Doch statt wie viele andere Schulabgänger nach Australien oder Amerika zu fliegen, beschloss Birte Ostermann, den Jakobsweg zu wandern. „Nicht aus spirituellen Gründen, auch wenn man dabei gut nachdenken kann. Der Reiz lag vielmehr darin, in ein anderes Land zu gehen und auf fremde Leute zu treffen, die aus allen Ländern kommen.“

Und so kam es auch. Birte lernte Menschen aus Südkorea kennen, aus Australien, aber auch aus verschiedenen Ländern Europas. Am 15. Juli startete sie in Saint Jean Pied de Port in den südfranzösischen Pyrenäen. „Da fangen praktisch alle an, die den Weg nach Santiago gehen wollen. Und es wird gleich heftig, mit bis zu 1 400 Metern Höhenunterschied.“ Für die junge Frau, lange Jahre aktive Schwimmerin, kein großes Problem.

Froh ist sie, sich keine Blasen gelaufen zu haben, wie so viele andere Wanderer auf dem Weg. „Das war eines der häufigsten Themen unterwegs. Aber mir ist das nicht passiert.“ Dafür bekam sie Probleme mit der Achillessehne. „Zum Glück trifft man unterwegs auf Physiotherapeuten und andere Menschen, die einen tapen können. Das hat geholfen.“

Groß vorbereitet hatte sich Birte Ostermann nicht. „Ich war einmal wandern auf dem Brocken und dann ein paar Mal mit voller Ausrüstung im Vilser Holz.“ In ihrem Rucksack mit einem Gewicht von sieben, acht Kilo hatte sie nur das Nötigste dabei. „Jeden Tag war in den Herbergen waschen angesagt.“ Dort gab es auch die Stempel für das Pilgerbuch, das jeder Pilger mit sich führt. „Das ist sozusagen der Nachweis, dass man auf dem Jakobsweg unterwegs ist. Nur damit bekam man Zugang zu den Herbergen am Weg.“

Gekocht wurde in den Unterkünften oft gemeinsam mit anderen Wanderern. „Ich glaube, ich habe vier Wochen lang nur Nudeln gegessen“, erzählt die 19-Jährige rückblickend. „Aber wenn ein Italiener kochte, dann war auch die Pasta lecker.“

Über die Wegführung hatte sich Birte Ostermann per Reiseführer informiert. „Im Schnitt bin ich jeden Tag so um die 25 Kilometer gewandert. Die Strecke ist sehr gut ausgewiesen, man findet überall als Wegzeichen die Jakobsmuschel.“ Die Jakobsmuschel, das Symbol der Pilgerstrecke, ist auch ein Erkennungszeichen der Pilger. „Viele haben sie am Rucksack hängen. Ich habe mir einen kleinen Kettenanhänger gekauft.“

Rund 800 Kilometer beträgt die Strecke zwischen dem Ausgangsort und dem Ziel, der Kathedrale in Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens. „Da soll sich das Grab des Apostels Jacobus befinden“, sagt Birte Ostermann. Doch dort war für sie die Reise noch nicht zu Ende. „Man kann dann noch weiter wandern, zum Ende der Welt, wie es früher hieß. Noch einmal rund 100 Kilometer bis zum Atlantik, zum Kap Finisterre. Vielen Jakobspilgern dient das Kap als Ende des Jakobswegs. Hier steht auch der sogenannte Null-Kilometer-Stein.“ Diesen letzten Abschnitt in insgesamt sechs Wochen wanderte sie zusammen mit ihrem Freund. „Das war echt schön, fast ein bisschen wie Urlaub zum Abschluss.“

Unterwegs hat die Homfelderin sogar ein bisschen Spanisch gelernt. „So grundlegende Sachen eben; das finde ich wichtig, wenn man in einem fremden Land ist.“

Nun führt sie ihr weiterer Weg nach Tübingen, erst mal für ein Jahr. „Ich mache ein Studium Universale, weil ich noch nicht weiß, was ich wirklich studieren will.“ Ein Jahr wohnt die Abiturientin in einem Haus mit 50 Mitstudenten und kann in verschiedene Fachrichtungen hineinschnuppern. „Mal sehen, ob es am Ende Mathe wird oder eine Sprache oder Theologie“, sagt sie. „Ich weiß es einfach noch nicht.“

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