„Bremen Vier Comedy Club“ beantwortet Fragen, die niemand gestellt hat

Bauchfrei in Broksen

Comedian Jens Heinrich Claassen freute sich, dass es unter den Besuchern einige Joystick-Experten aus „C 64“-Zeiten gab und stellte sich ihnen als „bedauernswerter Single mit Transpirationshintergrund“ vor. Ob sein Bauch damit zu tun hat? - Foto: Heiner Büntemeyer

Br.-Vilsen - Von Heiner Büntemeyer. Etwa 300 Besucher kamen am Samstagabend auf dem Open-Air-Gelände Am Gaswerk in Bruchhausen-Vilsen zusammen, um den „Bremen Vier Comedy Club“ zu hören und zu sehen, der dort mit dem Programm „Jetzt wird es lustig“ gastierte. Die Gäste wurden nicht enttäuscht, denn die vier Stand-up-Comedians Ole Lehmann, Ingmar Stadelmann, Jens Heinrich Claassen und Klaus-Jürgen „Knacki“ Heuser waren gut aufgelegt.

Sie nahmen Alltagssituationen pointenreich aufs Korn, gaben zu politischen Ereignissen ihren Senf ab, kommentierten Fernsehformate und gesellschaftliche Entwicklungen und beantworteten Fragen, die niemand gestellt hatte. Unter dem Motto „Wer es in Bruchhausen-Vilsen schafft, macht es in Kleinenborstel mit links“ traten die Comedians auch in witzige, schlagfertige Dialoge mit Besuchern etwa aus diesem Dorf in der Gemeinde Martfeld. Dabei behandelten sie ihre Gesprächspartner durchaus respektvoll und arbeiteten an ihnen nicht nur routiniert ihre Witzchen ab.

So wird dieser Abend für Ingmar Stadelmann vielleicht unvergesslich bleiben, weil er bei seiner Frage nach Haustieren an einen Gast geriet, der eine Schildkröte hat. Der folgende Dialog war so spontan und umwerfend komisch, dass es unverzeihlich wäre, wenn Stadelmann dieses Erlebnis nicht komödiantisch weiter verarbeiten würde.

Fundamentalisten entdeckt Stadelmann täglich im Straßenverkehr, wobei er sich selbst nicht ausschließt. Jedenfalls deutete seine Überlegung darauf hin. Er wüsste in seiner Erzählung nämlich gerne, was mit seiner Lichthupe geschähe, wenn er auf der Autobahn mit Lichtgeschwindigkeit führe: „Blende ich mich dann selbst vielleicht?“ Aber bevor er darauf eine Antwort bekommen sollte, fädelte sich plötzlich ein Fiat 500 vor ihm in seine äußerst linke Fahrspur ein ...

„Du kannst nicht jedes Problem mit einem Witz lösen“, erklärte „Knacki“ Deuser – und ergänzte: „Doch man sollte es wenigstens versuchen.“ Daher ist er auch für die freie Abgabe von Cannabis an junge Männer ohne Perspektive, denn beim Konsum würden sie wenigstens vergessen, dass sie keine Zukunft haben.

Das Wetter spielte in seinen Betrachtungen ebenfalls eine Rolle. Angesichts der jüngsten Starkregengüsse in einigen Teilen Deutschlands bedauerte Deuser sehr, dass die Pegida-Aufmärsche bisher nicht davon betroffen waren. Natürlich sollte man auch mit Andersdenkenden kommunizieren, „aber das geht doch auch schwimmend“, behauptete er.

Der Münsteraner Jens Heinrich Claassen kommt aus „der einzig bewohnbaren Tatort-Kulisse Deutschlands“. Er sperrte sich gegen den Aphorismus „Träume nicht dein Leben – lebe deinen Traum“, denn „ich träume immer so einen Scheiß!“. Außerdem liebt er nach eigenen Angaben Mannschaftssport. Schach zum Beispiel, wobei Schwarz gegen Weiß antritt. Das sei nicht rassistisch gemeint, aber es sei gut, dass Weiß immer den ersten Zug habe.

Auch über vegane Ernährung machte sich Claassen auf der Bühne Gedanken, beispielsweise über den Grünkernbratling. Er befürchtete, ein Grünkernbratling sei für seinen Magen so ähnlich wie ein Buch für RTL-II-Zuschauer. Wie sein eigener, fleischverwöhnter Bauch aussieht, zeigte er dem Publikum übrigens bereitwillig.

Die Nachmittagsprogramme im Fernsehen zeigen bei Ole Lehmann nachhaltige Wirkung. Umwerfend performte er eine „Scriptet Reality“-Szene und bezeichnete Sendungen wie „Verklag mich doch“ als „Hartz-IV-Fernsehen“.

„Comedy ist ein Kann-Angebot, man muss nicht alles lustig finden“, erklärte Moderator Christopher Kotoucek, und das galt wohl auch für den Beitrag von Ingmar Stadelmann über seine Erlebnisse in Saunen und an FKK-Stränden, die weit unterhalb der Gürtellinie lagen. Aber er sprach darüber auch erst im zweiten Teil der Veranstaltung, als sich Christopher Kotoucek darüber wunderte, dass „die Presse“ noch immer da war: „In Bremen geht die immer schon zur Pause.“

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