B-Plan „Klostermühle“ wird ausgelegt / Bürger kritisieren modernen Neubau

Der Domus erhitzt die Gemüter

So soll es aussehen: Auf großen Schildern vor der Klostermühle Heiligenberg können Interessierte nachsehen, wie sich Familie Brüning die künftige Gestaltung des Areals vorstellt.
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So soll es aussehen: Auf großen Schildern vor der Klostermühle Heiligenberg können Interessierte nachsehen, wie sich Familie Brüning die künftige Gestaltung des Areals vorstellt.

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Die Klostermühle Heiligenberg spaltet die Bevölkerung Bruchhausen-Vilsens. Die einen begrüßen die Umbaupläne für das Areal, die anderen wehren sich dagegen. Besonders der geplante Domus, ein modernes Gästehaus, ist den Kritikern ein Dorn im Auge. Das wurde am Mittwochabend während der Sitzung des Fleckenrats im Rathaus einmal mehr deutlich.

Wie berichtet, hat Familie Brüning die Klostermühle am 1. Januar von der früheren Besitzerin Christa Hufnagl übernommen. Die neuen Eigentümer, denen auch das benachbarte Forsthaus Heiligenberg gehört, möchten die Ursprünglichkeit der historischen Mühle noch stärker betonen. Gleichzeitig soll daneben ein zeitgenössischer Domus (Lateinisch für Haus) mit Hotelzimmern entstehen. Im Oktober hatte sich der Bauausschuss des Fleckens mit den Plänen befasst und schließlich mehrheitlich die nötige Änderung des Bebauungsplans (B-Plans) „Klostermühle“ empfohlen, um den Brünings den Weg zu ebnen.

Nun kam das Thema erneut auf den Tisch. Bei der Abstimmung ging es allerdings nicht darum, sich für oder gegen die endgültige B-Plan-Änderung zu entscheiden, sondern zunächst nur um einen Auslegungsbeschluss. Die öffentliche Auslegung eines B-Plans vor dessen Inkrafttreten ist vorgeschrieben. „Wir wollen den Auslegungsbeschluss aus dem Oktober aufheben und einen neuen fassen“, sagte Ratsvorsitzender Peter Schmitz (SPD). Der Grund: Die Gemeinde hat den Entwurf des B-Plans zwischenzeitlich noch geändert.

Laut Gemeindedirektor Bernd Bormann wurden beispielsweise Maximal-Höhen und zum Teil auch die Dachneigungen der einzelnen Gebäudeteile festgelegt. Außerdem schließt der Bebauungsplan den Teich nicht mehr ein, sodass darauf keine Terrasse entstehen kann. Bormann: „Wir möchten den Beschluss über den B-Plan im April fassen, so es denn – was wir alle hoffen – keine großen Einwände nach der Auslegung gibt.“

Eine Hoffnung, die sich möglicherweise nicht erfüllen wird. Denn einige Einwohner haben Einwände. Unter ihnen auch Grünen-Politiker Walter Kreideweiß, der bereits im Oktober gegen die Pläne gestimmt hatte. Er kritisierte am Mittwoch, dass Familie Brüning bereits mehrere Bäume gefällt hat und dadurch „den Naturschutz beeinträchtigt“.

Den Domus sieht Kreideweiß ebenfalls skeptisch. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein rechteckiger Kasten ohne Fenster und Struktur an der Seite der Mühle stehen soll“, sagte der ausgebildete Architekt. „Ich möchte, dass die Verwaltung Einfluss auf den B-Plan nimmt.“ Kreideweiß forderte, den Brünings Vorgaben für das neue Gebäude zu machen, beispielsweise eine „Mindestdachneigung von 20 Grad“ sowie eine „Dacheindeckung als Gründach oder mit roten Dachpfannen“.

Schmitz stellte daraufhin klar, dass es an diesem Abend ausschließlich um den Auslegungsbeschluss gehe. „Der Plan wird im Rathaus ausgelegt. Jeder hat die Möglichkeit, dort hinzugehen, sich die Details anzugucken und seine Meinung schriftlich zu äußern.“

Bei der Abstimmung enthielt sich neben Kreideweiß auch Thomas Tholl (CDU). Alle anderen votierten für die Auslegung des Plans in der aktuellen Form.

In der Einwohnerfragestunde meldete sich ein Weseloher zu Wort. Er zeigte ein Foto der Klostermühle mitsamt Bachlauf und sprach von der „schönsten Visitenkarte“ des Orts. „Es ist die Frage, ob man nicht den Domus so hinter die Mühle bauen kann, dass die romantische Perspektive erhalten bleibt“, sagte der Mann.

Juliane Brüning bot an, Fragen zu beantworten und sich der Diskussion zu stellen. Und das tat sie auch. Hauptthema: der Domus. „Wir haben uns lange Gedanken gemacht und Studien anfertigen lassen“, erklärte sie einer guten Handvoll Bürger. Ihr Vater Hans-Heinrich Brüning ergänzte: „Der Denkmalpfleger hat empfohlen, mit dem Neubau nicht die anderen Gebäude zu kopieren, sondern etwas Modernes zu bauen.“

Ein Argument, das ein paar Frauen nicht gelten lassen wollten. Sie vertraten die Ansicht, dass Familie Brüning das marode Nebengebäude der Mühle nicht, wie geplant, abreißen und durch den Domus ersetzen darf. Stattdessen wünschten sie sich, das alte Haus zu modernisieren oder wenigstens die Fassade zu erhalten. Juliane Brüning dankte den Bürgern für ihre „wertvollen Anregungen“, die sie mit nach Hause nehmen werde.

Das sagt der Landkreis:

Aus Sicht von Stephan Maaß, Fachbereichsleiter Planen und Bauen beim Landkreis und somit auch für die Denkmalpflege zuständig, spricht nichts dagegen, neben ein historisches Haus wie die Klostermühle ein modernes zu setzen. „Es gibt zu dem Thema zwei Haltungen“, sagt Maaß. „Entweder kopiert der Neubau das historische Gebäude, um ein harmonisches Ganzes zu schaffen – oder man erzeugt mit einem modernen Neubau einen Kontrast, um die Wertigkeit des historischen Gebäudes herauszustellen.“ Die Entscheidung liege beim Bauherren.

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