Thema „Bürgermeister-Kandidaten“ fällt unter den Tisch

Nur die B-Frage bleibt weiter offen

Die Kandidaten, die sich bei der Podiumsdiskussion des Bürgervereins vorstellten (von links): Lars Bierfischer (SPD), Heiko Albers (CDU), Heinrich Klimisch (CDU), Ulrike Lampa-Aufderheide (Die Linke), Torsten Tobeck (UWG), Nicole Reuter (Die Grünen), Gastgeber Hauke Sander (Bürgerverein), Reinhard Thöle (SPD), Bernd Schneider (Die Grünen) und Dieter Bischoff (FDP). - Foto: Karin Neukirchen-Stratmann

Br.-Vilsen - Von Karin Neukirchen- Stratmann. Der Bürgerverein Bruchhausen-Vilsen hat am Freitagabend ins „Casa Alessia“ am Engelbergplatz eingeladen. Neun Vertreter der in der Samtgemeinde und im Flecken agierenden Parteien sollten Rede und Antwort zu vielen Themen stehen. Hauke Sander, zweiter Vorsitzender des Vereins, moderierte den Abend sachlich und unaufgeregt und ließ allen Kandidaten ausreichend Zeit, sich selbst und die Vorstellungen ihrer Parteien darzustellen.

Schnell erfuhren die 22 Besucher im „Casa Alessia“, wer schon länger politisch aktiv ist und wer neu kandidiert. Zu Letzteren zählt Dieter Bischoff, der für die FDP in Asendorf und in der Samtgemeinde antritt. Er kam über eine Bürgerinitiative gegen einen geplanten Stallbau zur Politik, wie er sagte: „Ich möchte eine gerechte, bürgerliche Umgangsweise, mehr Wirtschaftsförderung, und Schulden würde ich nie zustimmen.“

Neu kandidiert auch Nicole Reuter für Die Grünen. Sie trat am Freitag schon sehr versiert auf, ist über ein niedersächsisches Mentoring-Programm zur Kommunalpolitik gekommen. Reuter möchte mehr Frauen für die Politik begeistern und macht sich Sorgen, „dass viele Leute die AfD wählen“. Ulrike Lampa-Aufderheide (Die Linke) warb für eine kostenfreie Kinderbetreuung, blieb aber die Antwort, wie diese zu finanzieren sei, schuldig. Torsten Tobeck (Unabhängige Wählergemeinschaft, UWG) plädierte für ein „Gleichgewicht zwischen den Mitgliedsgemeinden und der Samtgemeinde“.

Die SPD war, ebenso wie Die Grünen und die CDU, gleich mit zwei Kandidaten erschienen, nämlich Reinhard Thöle und Lars Bierfischer. Thöle rechnete vor, wie viel Geld die Samtgemeinde für die Kinderbetreuung ausgibt. „Das kostet zwei bis 2,5 Millionen Euro pro Jahr, wo sollen die herkommen, wenn die Betreuung kostenlos angeboten wird?“, fragte er in Richtung Ulrike Lampa-Aufderheide. Lars Bierfischer sprach den Tourismus an und wünschte sich, den „hohen Standard weiter zu erhalten“. Mit die einzige Zukunftsvision, die an diesem Abend geäußert wurde, kam von ihm: „Die Museumseisenbahn-Strecke muss erlebbarer gemacht werden.“ Den Kohlwührensee in Bruchhausen-Vilsen könne man „sanft aufwerten“, und auch in Sachen Radtourismus sieht der Kommunalpolitiker noch Handlungsbedarf.

Bernd Schneider (Die Grünen) stellte sich vor und erklärte, dass die Kommunalpolitik sein Hobby sei. „Es muss ein Stück weit auch Spaß machen.“ Er sprach Kunst und Kultur an, „die auch zur Lebensqualität von uns allen beitragen“.

Für die CDU waren Heinrich Klimisch und Heiko Albers anwesend. Sie sprachen sich beide für eine Weiterentwicklung der heimischen HNA0000049288107Landwirtschaft aus und erklärten, „dass wir gegen privilegierte Bauvorhaben nichts unternehmen können“.

Einig waren sich alle Kandidaten, dass sie für die Bürger Politik machen wollen und sich eine hohe Wahlbeteiligung wünschen.

Mehrere einzelne Themenbereiche sprach Moderator Sander an, zum Beispiel den Tourismus. Hier wurden viele schon laufende Projekte genannt. Bürgerin Carola Wolf, von Beruf Agraringenieurin, wollte von den Politikern wissen, wie sich Bruchhausen-Vilsens Status „Luftkurort“ mit den Emissionen aus der Landwirtschaft vertrage. „Das wird ein Knackpunkt für die Zukunft“, war sie sich sicher. Alle sprachen sich dafür aus, die heimische Landwirtschaft zu schützen und zu stärken.

„Wir waren und sind eine ländliche Gemeinde“, betonte Heinrich Klimisch. Bernd Schneider erklärte: „Wenn Gülle stark riecht, ist bei der Ausbringung etwas schiefgelaufen.“ Er setzt genau wie Lars Bierfischer auf einen Dialog mit den Landwirten.

Alle sprachen den Gülletourismus an, der zu verhindern sei. Heiko Albers, selber Landwirt, beklagte die zunehmenden Auflagen: „Damit werden die kleinen Landwirte kaputt gemacht.“ Dass es immer weiter steigende Tierzahlen gebe, wie Dieter Bischoff behauptete, sehe er nicht: „Es werden nicht mehr, aber dafür konzentrierter in größeren Ställen, weil die kleinen Betriebe verschwinden.“ Gegen den Begriff „Massentierhaltung“ verwehrte sich Albers. „Das mag ich gar nicht, was sind denn Massen? Sind Sie heute Abend hier schon eine Masse?“, fragte er in die Runde der Zuhörer.

Beim Thema „Flüchtlinge“ waren sich alle Politiker einig, dass die dezentrale Unterbringung in der Samtgemeinde sehr gut funktioniert.

Und auch die „Wahlbeteiligung“ wurde angesprochen. Bürger Manfred zum Hingst regte an, ein mobiles Wahllokal zu den vielen Senioreneinrichtungen zu schicken.

Einzig der vom Bürgerverein angekündigte Punkt „Kandidaten für den Fleckenbürgermeister“ kam, zum Leidwesen der Zuhörer, an diesem Abend nicht zur Sprache. Die „B-Frage“ bleibt also weiter offen.

Bürgerin Steffi Wendt zog als Fazit: „Mir hat die Veranstaltung insofern ganz gut gefallen, als man von den Parteien einen Live-Eindruck bekommen hat. Nur die Bilder in den Prospekten reichen mir einfach nicht. Ich kannte viele nicht, da macht es Sinn, sie mal reden zu hören. Inhaltlich war es sicher nicht so spektakulär, da ja viele auch die gleichen Ziele haben.“ Für die Zukunft wünscht sie sich weitere Veranstaltungen dieser Art, mit dann hoffentlich mehr Zuspruch.

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