Koordinierungsstelle im Landkreis Diepholz stellt sich vor 

Aufgabe: Neue Chancen für Beruf und Familie schaffen

Cornelia Rundt

Br.-Vilsen - Von Anke Seidel. „Beruf und Familie bedeutet, Gesetzmäßigkeiten und Notwendigkeiten unter einen Hut zu bringen“ – so formulierte es Montag Carsten Groneick als einziger männlicher Referent im Gasthaus Puvogel. Der Geschäftsstellenleiter der Firma Perso Plankontor in Lastrup schilderte Zuhörern aus Politik, Wirtschaft und dem Bildungsbereich ein Arbeitsmodell, das buchstäblich Schule machen soll im Landkreis Diepholz. Das zumindest wünscht sich die Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft, die sich gestern erstmals offiziell präsentierte.

Während des festlichen Auftakts für die nunmehr 24. Koordinierungsstelle in Niedersachsen betonte Sozialministerin Cornelia Rundt persönlich, warum solche Einrichtungen enormen Wert nicht nur für Frauen, sondern genauso für die Wirtschaft haben. Landrat Cord Bockhop hatte zuvor erklärt, dass der Landkreis seine Koordinierungsstelle ganz bewusst im Wirtschaftsbereich angesiedelt habe – und er bezeichnete es als „positiven Egoismus“, möglichst viele Frauen zurück in den Beruf bringen zu wollen. Denn die Not an Arbeitskräften sei groß.

Renate Hitz

25 Prozent des Fachkräftemangels wären gelöst, so stellte die Sozialministerin fest, wenn die Erwerbsquote sowohl bei Frauen als auch bei Männern gesteigert werden könnte. Cornelia Rundt war überzeugt davon, dass die Vereinbarkeit von Familie und Berruf nicht allein von der Kinderbetreuung abhängt. Notwendig sei auch eine Tagespflege für Senioren. Die Ministerin erinnerte genauso daran, dass Frauen weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen und später im Schnitt 60 Prozent weniger Rente haben. Minijobs seien für Frauen keine Perspektive: „Nur neun Prozent schaffen es, in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis zu wechseln.“ Frauen nach der Familienphase den Rücken zu stärken und ihnen eine möglichst passgenaue Arbeitsstelle zu bieten, das haben sich Doris Gronwald als Leiterin der Koordinierungsstelle und ihre Projektassistentin Kea ter Vehn zum Ziel gesetzt. Wie sie Frauen stärken, qualifizieren und motivieren wollen, das erläuterte Doris Gronwald genauso wie den enormen Stellenwert der Netzwerkarbeit – der direkte Draht zu den mittelständischen Unternehmen.

Partnerin der Koordinierungsstelle ist die Arbeitsagentur. Als Wiedereinstiegs-Beraterin für Frauen schilderte Sylke Früchtenicht, dass die Zusammenarbeit bereits läuft: „Wir ergänzen uns hervorragend.“ Die Wiedereinstiegsberaterin ließ keinen Zweifel daran, dass mangelndes Selbstbewusstsein der Frauen viel zu oft das größte Problem ist: „Was kann ich denn? Wer nimmt mich denn?“, bekomme sie oft zu hören.

Doris Gronwald

Dabei sind die Chancen auf einen Arbeitsplatz in einem kleinen oder mittelständischen Betrieb durchaus gut – zumindest im Oldenburger Münsterland, wie Renate Hitz als Leiterin der dortigen Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft berichtete. Diese Einrichtung besteht seit fast einem Vierteljahrhundert – und hat den Verband familienfreundlicher Unternehmer als Partner, in dem sich 126 Arbeitgeber zusammengeschlossen haben. Renate Hitz beschrieb probate Praxisbeispiele. Das kreative Konzept hatte so großen Erfolg, dass es im bundesweiten Ideenwettbewerb der lokalen Bündnisse Familie mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde.

Dass es aber für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine besondere Philosophie braucht, daran ließ Carsten Groneik keinen Zweifel: In seinem immerhin 800 Mitarbeiter starken Unternehmen haben unaufschiebbare Familientermine durchaus Vorrang. Und Mitarbeiter, die einen Wagen brauchen, können auf ihren Chef zählen.

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