Bürgermeister-Posten in Martfeld ist begehrt 

Ein Amt, drei Interessenten

Martfeld - Von Mareike Hahn. In Martfeld ist die „B-Frage“ besonders spannend: Neben Amtsinhaberin Marlies Plate (Grüne) interessieren sich auch die Ratsherren Michael Albers (SPD) und Heinrich Lackmann (Unabhängige Liste Martfeld, ULM) für den Bürgermeister-Posten. Einzig die CDU will keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken: „Wir unterstützen die ULM mit dem Spitzenkandidaten Heinrich Lackmann“, sagt Verena Hruby im Namen der Fraktion. Im November wird der Martfelder Gemeinderat darüber abstimmen, wer in der neuen Wahlperiode sein Oberhaupt sein soll. Wir haben allen drei Anwärtern unabhängig voneinander die gleichen Fragen gestellt. Ihre Antworten:

Warum wollen Sie Bürgermeister bleiben beziehungsweise werden?

Marlies Plate: Ob ich Bürgermeisterin bleiben will, kann und werde ich erst nach der Wahl entscheiden. Am 11. September wird ein neuer Gemeinderat gewählt, der im November den Bürgermeister wählt. Gerade in Martfeld ist in diesem Zusammenhang immer mit einer Überraschung zu rechnen, und ich bin nicht diejenige, die sich schon vor der Wahl in den Vordergrund drängelt. Bisher haben wir Grünen-Kandidaten nicht über irgendwelche Personalien gesprochen. Uns geht es um die Inhalte. Alles andere findet sich nach dem 11. September. 

Heinrich Lackmann 

Heinrich Lackmann: Ich hatte 2006 zwar bereits mit der Kommunalpolitik abgeschlossen, das kommunalpolitische Geschehen aber weiterhin aufmerksam verfolgt. Leider musste ich feststellen, dass Martfeld sich nicht mehr weiterentwickelte. In den 20 Jahren meiner Tätigkeit als Bürgermeister hatte Martfeld circa 700 Einwohner hinzugewonnen, in den zehn Jahren danach aber circa 300 Einwohner verloren. Als Folge davon hat unter anderem die Schule weitestgehend die Zweizügigkeit eingebüßt und der Ort drei Restaurants verloren. Und das ist nur der Anfang, wenn sich nichts ändert. Wenn man mehrere Jahrzehnte für Martfeld tätig war, bereitet einem diese Entwicklung große Sorgen. Ich trete daher an, um diesen Negativtrend zu beenden und die Wende für die Gemeinde Martfeld einzuleiten. 

Michael Albers: Martfeld befindet sich auf einem guten Weg. Damit die Eigenständigkeit Martfelds langfristig gesichert bleibt, möchte ich die Familienfreundlichkeit steigern und das behutsame Wachstum weiterführen. Und neue, vielleicht ungewöhnliche Wege gehen mit Themen, bei denen wir in den letzten 20 Jahren schlichtweg nicht weitergekommen sind, zum Beispiel bei den Radwegen nach Loge und Hustedt.

Und warum sollten Sie Bürgermeister bleiben beziehungsweise werden?

Lackmann: Das klingt vielleicht ein wenig zu sehr nach Eigenlob. Aber die positive Entwicklung, die Martfeld in meiner Zeit als Bürgermeister nahm, beantwortet diese Frage vielleicht schon. Selbstverständlich hat der Erfolg immer viele Väter. Diese müssen aber für ein Ziel begeistert und an einen Tisch gebracht werden. Visionen entwickeln und die zur Umsetzung notwendigen Personen ins Boot holen, ist mein Weg. „Gestalten statt verwalten“, ist mein Credo. Und nur das bringt Martfeld wieder in die Erfolgsspur.

Albers: Das „Warum“ haben die Bürgerinnen und Bürger und der dann gewählte neue Gemeinderat zu entscheiden. Ich stelle mich mit 20 Jahren Erfahrung als stellvertretender Bürgermeister und Samtgemeinderatsmitglied sowie zehn Jahren als Kreistagsabgeordneter zur Verfügung.

Marlies Plate

Plate: Meine freundliche, ehrliche und offene Art hat mir in meiner Zeit als Bürgermeisterin sehr geholfen, dieses nicht immer einfache Ehrenamt auszuführen. Die vielen Erfahrungen, die ich während dieser Zeit machen durfte, lassen sich nicht einfach wegwischen, sondern könnten für eine erfolgreiche Fortführung dieses Amts sehr nützlich sein. Außerdem ist es mir sehr wichtig, dass sich Frauen in die Politik einmischen und sie mitgestalten. Da Frauen circa die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, müssen sie auch verstärkt in politischen Gremien vorkommen. Und da freut es mich sehr, dass ich seit zehn Jahren beweisen kann, dass eine Frau gut in der sogenannten Männerwelt zurechtkommt.

Was unterscheidet Sie von den beiden anderen Interessenten?

Albers: Beide haben sich ohne Frage verdient um Martfeld gemacht – jeder auf seine Weise. Ich möchte einerseits vermitteln und setze auf Zusammenarbeit aller Fraktionen im Gemeinderat. Als Samtgemeinderatsmitglied und Kreistagsabgeordneter liegt mir zudem die Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden sehr am Herzen. Andererseits würde ich die Interessen Martfelds nach außen hin deutlich vertreten – oder kurz gesagt: Vermitteln mit klarer Kante für Martfeld!

Plate: Als ich vor elf Jahren in den Gemeinderat nachgerückt bin, war ich erschrocken über den dort herrschenden Ton. Ratsmitgliedern wurde einfach mal das Wort entzogen. Das würde es bei mir nicht geben. Herr Lackmann und Herr Albers, die damals schon seit mehreren Jahren ein Ratsmandat hatten, werden sich erinnern. Bis heute lassen sie nicht nach, ihre politische Vergangenheit immer wieder „aufzuarbeiten“. Das kann mal amüsant sein, aber ...

Ich bin unbelastet von alten Zeiten, viel unabhängiger und frei genug, die Themen sachlich und zielgerichtet zu behandeln, und ich kann es mir leisten, alle Leute zu Wort kommen zu lassen und, vor allen Dingen, sie auch ausreden zu lassen.

Lackmann: Ich habe ein etwas anderes Verständnis von Ratsarbeit. Selbst in Zeiten, als ich Mitglied einer Fraktion mit der absoluten Mehrheit der Ratssitze war, habe ich stets versucht, die übrigen Parteien ins Boot zu holen. Ich habe frühzeitig über negative Entwicklungen unterrichtet und im Vorfeld Lösungen unterbreitet und besprochen. Ein solches Miteinander erwarten die Bürger von den Ratsherren und in erster Linie vom Bürgermeister. Das fand in den vergangenen Jahren leider nicht statt. Wir als stärkste Fraktion wurden oft von Anträgen überrascht, die zwischen den beiden übrigen Fraktionen schon vorbesprochen und entschieden schienen. Die Diskussion im Rat war dann oft nur noch Makulatur. Das kann so nicht weitergehen, denn darunter leidet Martfeld.

Wie lautet Ihre Bilanz der ablaufenden Wahlperiode?

Plate: In 41 Sitzungen des Verwaltungsausschusses und 40 Ratssitzungen haben wir viele Themen bearbeitet, diskutiert und beschlossen. Es ging dabei immer um die familienfreundliche Weiterentwicklung unseres Dorfs, zum Beispiel bei der Gestaltung des letzten Baugebiets, bei Förderprogrammen, beim Straßenbau und bei anderen Maßnahmen aus der Dorferneuerung. In den letzten beiden Jahren standen verstärkt Kindergarten und Schule im Vordergrund. Durch eine gute Zusammenarbeit in der Samtgemeinde ist es gelungen, dass beide Einrichtungen nicht nur erhalten bleiben, sondern dass es sogar einen neuen Kindergarten geben wird. Dieser Neubau trägt sicherlich zur Attraktivitätssteigerung Martfelds bei. Alles in allem waren es arbeitsintensive und erfolgreiche Jahre.

Lackmann: Positiv zu sehen ist, dass zumindest in der letzten Zeit wieder Bewegung in die Bauansiedlung gekommen ist. Dass ein neuer Kindergarten gebaut wird und die Schule erhalten werden konnte, ist für die jetzigen und die noch kommenden Einwohner extrem wichtig. Und eine Sternstunde ist die Ansiedlung der Firma Egesun. Negativ zu sehen sind aber die absolut chaotische Vorbereitung der Flurbereinigung im Gebiet Martfeld, zu wenig Aktivitäten in der 2018 endenden Dorferneuerung im öffentlichen Bereich und der nach wie vor fehlende ÖPNV in Richtung Bremen.

Michael Albers

Albers: Aus meiner Sicht hat sich Martfeld in den letzten fünf Jahren äußerst gut entwickelt. Ohne großes Getöse haben wir entscheidende Weichen stellen können, damit Martfeld zukunftsfähig bleibt. Wir haben einen sehr gesunden und kontinuierlichen Zuwachs an Einwohnern sowie überdurchschnittlich steigende Steuereinnahmen. Natürlich kommt uns die Niedrigzinsphase sehr entgegen. Aber es brauchte auch kleine Werbemaßnahmen, wie zum Beispiel das Förderprogramm für Wohnungsbau oder die mit der Kreissparkasse verabredete gleichzeitige Senkung der Grundstückspreise im Alten Kamp, damit Bauwillige auf Martfeld aufmerksam wurden. Durch eine enge Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde ist es gelungen, sowohl die Grundschule langfristig zu sichern als auch den Kindergarten, der sogar für circa 2,5 Millionen Euro neu erstellt wird. Zusätzliche Gewerbeansiedlung, zum Beispiel Egesun ab 2017, komplettieren das Bild.

Heinrich Lackmann möchte, dass Martfeld wieder einen Vollbürgermeister bekommt.

Lackmann: Ein Vollbürgermeister nimmt nicht nur repräsentative Aufgaben wahr. Er hat auch Einblick in sämtliche Verwaltungsvorgänge der Gemeinde. Davon profitiert nicht nur der Bürgermeister, sondern der gesamte Rat. Es ist falsch, wenn der Vollbürgermeister immer negativ betrachtet wird. Etwa in der Form, dass der Verwaltung dadurch Kompetenzen entzogen werden sollen. Richtig ist, den Vollbürgermeister als Chance für beide Seiten zu betrachten. Die Ideen und Initiativen zur Entwicklung einer prosperierenden Gemeinde können nur aus dem Ort selbst kommen. Diese müssen dann in einer guten Zusammenarbeit mit der Verwaltung umgesetzt werden.

Albers: Mit Bernd Bormann haben wir derzeit einen Gemeindedirektor, der gleichzeitig Samtgemeindebürgermeister ist und daher zwischen den Gemeinden vermitteln kann, was er auch hervorragend macht! Ohne die sehr intensive Arbeit Bormanns für Martfeld und seine vielen Vermittlungsgespräche wäre die Grundschule jetzt noch gefährdet. Einen Neubau des Kindergartens hätte es zudem wohl nicht gegeben. Letztlich haben wir es zu einem überwiegenden Anteil der Arbeit von Herrn Bormann zu verdanken, dass die Firma Egesun nach Martfeld kommt. Ein Vollbürgermeister hört sich mächtig an. Doch geht es darum? Ich glaube, dass sich die Zeiten geändert haben. Ein Miteinander klingt sicherlich unspektakulärer, hilft heutzutage der Gemeinde jedoch mehr. Ein starker Bürgermeister kann auch mit einem starken Gemeindedirektor zusammenarbeiten und die komplette Rathausverwaltung für Martfeld nutzen.

Plate: In den vergangenen Jahren haben wir sehr gut mit unserem Gemeindedirektor – gleichzeitig Samtgemeindebürgermeister – und seinem Team in der Verwaltung zusammengearbeitet. Gerade Herrn Bormann haben wir in puncto Schule und Kindergarten viel zu verdanken. Er behandelt die Dinge ruhig, sachlich und objektiv, kennt sich gut aus in den einzelnen Gemeinden und bringt die unterschiedlichen Interessen zusammen. Dies alles und zusätzlich die verwaltungstechnische Bearbeitung kann kein Vollbürgermeister leisten. In einer Solidargemeinschaft, wie wir sie in der Samtgemeinde haben, ist es nicht hilfreich, nur an sich selbst zu denken und nicht über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Von mir gibt es keine Stimme für einen Vollbürgermeister.

Welche Ziele wollen Sie in der neuen Wahlperiode in Martfeld umsetzen?

Albers: 1. Auf Gemeindeebene ist der Erhalt der Eigenständigkeit durch eine behutsame Weiterentwicklung Martfelds mein Hauptziel. Hierzu würde ich gerne Martfeld für Jung und Alt attraktiver machen. Das fängt beim Erhalt der Einkaufsmöglichkeiten und der Einrichtungen, zum Beispiel Hallenbad oder Jugendhaus, an, geht über mehr Verkehrssicherheit – Straßenlampen, Beginn der Herstellung von Radwegabschnitten in Loge und Hustedt, rollatorengerechte Wege, eine Querungshilfe beim neuen Netto-Markt et cetera – und endet nicht zuletzt bei der langfristigen Sicherung der Arztpraxis in Martfeld. Auch für Gebäudeleerstände, zum Beispiel alter Netto-Markt, müssen wir nach Lösungen suchen. 2. Auf Samtgemeindeebene würde ich mich zunächst für die Renovierung unserer Grundschule und der Sporthalle sowie familienfreundlichere, sprich flexiblere Betreuungszeiten und gesündere Mittagsverpflegung im Kindergarten und im Ganztagsbetrieb einsetzen. Eine Sicherung aller Feuerwehrstandorte sowie eine stärkere Vereinsförderung gehören ebenfalls zu meinen Zielen. 3. Auf Landkreisebene stehen für mich diese Themen auf der Agenda: Ausbau der Internetversorgung in allen Ortsteilen, Straßenrenovierung Holzmaase bis Beppener Kreisel sowie die verstärkte Förderung von Gewerbeansiedlung in Martfeld.

Plate: Wie schon erwähnt, standen in den letzten Jahren oft Kinder, Familien, neue Baugebiete und so weiter im Vordergrund. All dies ist und bleibt wichtig, aber es ist auch an der Zeit, sich verstärkt mit den Menschen 60plus zu befassen. Wie gestalten wir für sie eine lebenswerte Gemeinde? Wie können wir sie unterstützen bei der Mobilität, bei barrierefreiem Wohnen, bei Umnutzung von alten Gebäuden, bei „Jung und Alt wohnen und leben unter einem Dach“? Ein weiterer wichtiger Punkt wird die Flurbereinigung sein. Außerdem werden wir uns weiterhin mit dem Radwegenetz und dem ÖPNV befassen. Bei all den Dingen, die wir vorhaben, müssen wir – genau wie schon in der Vergangenheit – die uns zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel verantwortungsvoll und mit Augenmaß einsetzen.

Lackmann: Die Wiederbelebung von Martfelds Entwicklung in den Bereichen Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung ist unser vorrangiges Ziel. Dadurch wird nicht nur Martfelds Finanzkraft langfristig gestärkt. Das ist auch oftmals der einzige Schlüssel zum Erreichen von Zielen, die jetzt von allen zur Wahl stehenden Gruppierungen ausgerufen werden. Zum Beispiel der Erhalt der Grundschule und die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung. Die ULM hat ein umfangreiches Programm mit Zielen und Vorschlägen zur Verbesserung der Ratsarbeit erarbeitet.

Welche Chancen rechnen Sie sich bei der Bürgermeisterwahl aus?

Albers: Das vermag ich nicht einzuschätzen. Letztlich wählt der neu zusammengesetzte Gemeinderat Anfang November den Bürgermeister.

Lackmann: Die Wählergemeinschaft ULM stellt mit zehn Kandidaten nicht nur die größte der in Martfeld zur Wahl stehenden Listen. Wir haben zudem auch sehr gute Kandidaten, die sich engagiert einbringen. Mit drei aktiven und zwei ehemaligen Ratsmitgliedern sind wir zudem auch die Liste mit der größten Erfahrung. Die Arbeit in dieser Gruppe war äußerst konstruktiv und machte viel Spaß. Uns ging es dabei nicht darum, Punkte mit dem wahlwirksam größten Effekt zu finden. Vielmehr haben wir die tatsächlichen Probleme der Gemeinde identifiziert und Lösungsmöglichkeiten gesucht. Die Wähler werden den Unterschied erkennen. Unser Ziel ist somit ganz klar, auch im neuen Rat die stärkste Fraktion zu stellen. Nur dann können wir unsere Ziele auch verwirklichen. Hierfür bitten wir um die Unterstützung durch die Wähler.

Plate: Über den Wahlausgang und die Bürgermeisterwahl möchte ich jetzt noch nicht spekulieren. Die Bürgermeisterwahl ist wahrscheinlich abhängig von der Zusammensetzung des neuen Gemeinderats, aber wenn wir uns an 2006 erinnern, ist auch dies nur eine Vermutung. Selbstverständlich würde ich mich über eine deutliche Mehrheit gegen einen Vollbürgermeister freuen.

Bei den Martfelder Ratssitzungen geht es oft – gerade im Vergleich zu anderen Gemeinderäten – emotional hoch her. Wie empfinden Sie das?

Plate: Positive Emotionen darf es ruhig mal geben, aber „emotional hoch her“ bezieht sich sicherlich auf die manchmal negative Stimmung. Ich bedaure dies sehr und würde mir wünschen, dass gerade in öffentlichen Sitzungen sachlich und themenorientiert diskutiert wird, ohne emotionale Ausbrüche und persönliche Angriffe.

Albers: Die gute Entwicklung Martfelds ist nicht der Erfolg einer einzelnen Person oder einer Fraktion, sondern das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen. Die überwiegende Anzahl an Beschlüssen haben wir einstimmig oder mit einer großen Mehrheit über alle Fraktionen hinweg gefasst! Nach außen hin bekommen die Bürger jedoch den Eindruck, dass wir uns ständig bekämpfen. Leider kommt es sehr häufig in der Öffentlichkeit zu persönlichen Angriffen, was man auch teilweise am Wahlkampfstart bemerken konnte. Ich meine, wir sollten den Fokus wieder auf die Sacharbeit richten, das Positive Martfelds herausstellen und uns in der Öffentlichkeit als Vertretung der Gemeinde Martfeld möglichst geschlossen zeigen. Ein zerstrittener Rat ist ein schlechtes Aushängeschild sowie eine schwache Rückendeckung für einen Bürgermeister, wenn es darum geht, Martfelder Interessen auch gegenüber anderen Gemeinden zu behaupten. Zwischen den einzelnen Interessen zu vermitteln und den Gemeinderat auch in seiner Außendarstellung zu einen, darin sehe ich die Hauptaufgabe des nächsten Bürgermeisters oder der nächsten Bürgermeisterin.

Lackmann: Grundsätzlich ist es gut, wenn die 13 Ratsmitglieder auch unterschiedliche Meinungen haben und verfechten. Nur aus der Diskussion und dem Austausch dieser Ideen können gute Lösungen entstehen. Dass es dabei auch mal hitzig werden kann, liegt in der Natur der Dinge. Früher haben wir es aber stets geschafft, uns direkt nach solchen Sitzungen in privater Runde zusammenzusetzen und diese Streitpunkte auf sachlicher Ebene weiter zu besprechen. Das fehlte in den vergangenen Jahren und war vielleicht die Saat für weiteren Zwist in der nächsten Sitzung. Und es ist einfach falsch und für Martfeld kontraproduktiv, wenn wir drei Mitglieder aus drei Fraktionen im Samtgemeindeausschuss haben, die sich nicht miteinander abstimmen.

Wie sehen Sie Martfeld aufgestellt?

Lackmann: Wir verfügen noch über eine sehr gute Infrastruktur. Kindergarten, Schule, Ärzte, Apotheke, Banken und Einkaufsmöglichkeiten sind noch vor Ort. Das Jugendhaus und die zahlreichen Vereine sichern ein umfangreiches Freizeitangebot für Jung und Alt. Das macht Martfeld nicht nur lebenswert für die vorhandenen Einwohner, sondern auch interessant für potenzielle Neubürger. Diese Infrastruktur bietet die Chance für ein erneutes Wachstum der Gemeinde. Gleichzeitig ist die Steigerung der Einwohnerzahlen aber auch oberste Pflicht zum Erhalt des Vorhandenen. Wir können uns keine weiteren zehn Jahre Stillstand oder Rezession erlauben. Sonst erreichen wir einen Punkt, ab dem der Abwärtstrend unumkehrbar ist. Es gibt in der Region viele vergleichbare Gemeinden, denen das bereits widerfahren ist.

Plate: Mit den Menschen, die gerne hier leben, ist Martfeld gut für die Zukunft gerüstet. Unser Ort bietet alle Einrichtungen des täglichen Bedarfs, angefangen von Kindergarten, Schule und Jugendhaus, über ärztliche Versorgung und Sportstätten, einschließlich Hallenbad, über diverse Einkaufsmöglichkeiten bis hin zu vielen Vereinen und zahlreichen kulturellen Angeboten. Ich sehe es als unsere Aufgabe an, dies alles weiterhin zu unterstützen, zu fördern und an neueste Entwicklungen und Anforderungen anzupassen. Ich wünsche mir einen Ort, der das dörfliche Leben behält – auch deshalb ziehen Menschen nach Martfeld – der sich aber den Themen der Zeit annimmt und sich freundlich und weltoffen zeigt.

Albers: Die Richtung stimmt! Martfeld ist sehr gut für die Zukunft gerüstet. Die Gemeinde wächst kontinuierlich, weil die Infrastruktur stimmt. Wir sind zudem schuldenfrei, und die Steuereinnahmen steigen. Trotzdem dürfen wir nichts schönreden, müssen aber auch aufpassen, dass wir Herausforderungen nicht dramatisieren, sondern sie angehen. Zukunftsfähig bleiben wir zudem nur, wenn wir gut mit der Samtgemeinde und dem Landkreis zusammenarbeiten. Hierbei möchte ich gerne mitgestalten und neue Impulse in der Gemeindepolitik setzen.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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