Klimawandel begünstigt Anbau von Rebstöcken

Wein aus dem eigenen Garten

Zum Weinen: der kranke Wein.

Landkreis Diepholz- Von Anke Seidel. Mit Dionysos und Bacchus hatte er göttliche Beschützer: Wein hat eine Jahrtausende alte Geschichte – und seine Anbaugebiete bisher vor allem in südlichen Gefilden. Doch mittlerweile wachsen die Reben längst auch im Landkreis Diepholz. Die Stadt Syke beispielsweise besitzt 45 Rebstöcke und hat daraus bereits einen „Syker Wein“ herstellen lassen.

Es war ein einmaliges Projekt, das der Weinfachmann Folkhard Wülfers (Weinhof Syke) umsetzte. Er kreierte das Cuvée aus Syke mit Jasnières-Trauben von der Loire, die im Stadtgebiet Syke wachsen. „Der Zuckergehalt war aber so niedrig, dass wir sie mit anderen Trauben mischen mussten“, blickt der Weinfachmann zurück. Die Zugabe: Trauben aus dem Weingut Dittelsheim zwischen Alzey und Worms, das der Syker dort selbst betreibt.

Auf seinem Hof in Syke-Halbetzen hegt und pflegt er zwar auch Trauben, „aber die sind zum Essen bestimmt“ und nicht für die Kelterei.

Sie wachsen im Landkreis Diepholz auf Hauswänden, unter Terrassendächern oder an Pergolen: Weinreben erobern Privatgrundstücke – und tragen Früchte. Wieviele davon in den Gärfässern von Hobby-Winzern landen, ist unklar. Denn die Landwirtschaftskammer hat keine Weinanbau-Zahlen.

Das kann sich bald ändern: Seit diesem Jahr zählt Niedersachsen offiziell zu den Weinanbau-Ländern in Deutschland. Will heißen: Auf einer Fläche von fünf Hektar ist der kommerzielle Weinanbau erlaubt. Nicht ausgeschlossen, dass es in der Zukunft auch ein „Weingut“ im Landkreis Diepholz gibt. Denn die klimatischen Bedingungen verändern sich zugunsten der Trauben.

So hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Weyhe-Melchiorshausen 2002 den höchsten Niederschlag seit 1890 gemessen, mehr als 1 050 Milliliter im Jahr. Im selben Jahr registrierte die Landwirtschaftskammer an ihrem Versuchsfeld in Borwede einen Jahresniederschlag von 1.068 Litern. Die Bodentemperatur in 20 Zentimetern Tiefe lag dort im Januar 2002 bei 2,6 Grad – zehn Jahre später waren es 4,2 Grad. Ein verlässlicher Klima-Indikator sind für den DWD Apfelblüten. Sie öffneten sich einer Studie zufolge 2009 durchschnittlich 14 Tage früher als in den 1960er Jahren – allerdings mit starken Schwankungen pro Jahr, so der DWD.

Dessen Klimastatusbericht 2009 geht davon aus, dass sich die Anbaubedingungen für Wein bis zum Jahr 2050 so stark verändern, dass die edle Traubensorte Riesling sogar in Polen erfolgreich an- und ausgebaut werden kann. „Klimatisch mag das einfacher werden“, sagt Folkhard Wülfers. Aber mit dem Klimawandel seien auch Unbeständigkeiten verbunden – extreme Trocken- oder Feuchtigkeitsphasen, die Winzern das Leben schwer machen können und Schädlingen leicht.

In Bassum zum Beispiel gedeiht der edle Riesling bereits seit einigen Jahren in einem Hausgarten – zeigt jetzt aber Symptome, die Winzer in Süddeutschland und Österreich seit Jahren fürchten: die der Rebenkrankheit „Goldgelbe Vergilbung“, die von der amerikanischen Rebzikade übertragen wird. Wein wird dort bisher nicht gekeltert – anders als in anderen Orten der Region.

So machte 2009 der Syker Rentner Edu Krämer von sich reden, als er aus den Trauben an seiner Garagenwand 30 Liter Wein kelterte und ihn „Edus Bahndamm-Auslese“ taufte. Im Landkreis Rotenburg hegt und pflegt die „Unterstädter Winzergemeinschaft“ eigenen Wein – genauso wie ein Hobby-Winzer im Emsland, dessen Lese es 2015 auf 200 Flaschen brachte. Zum Vergleich: 80 000 Winzer bauen in Deutschland auf 102 000 Hektar Trauben an. Im 12. Jahrhundert gehörte sogar die Reichsabtei Corvey in Höxter dazu, stellte den Weinanbau – vermutlich wegen schlechter Erträge – bald aber wieder ein. Die Mönche bauten stattdessen Hopfen an – für die Bierproduktion.

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