Thorsten Meyer nimmt an Norddeutscher Meisterschaft im Handicap-Billard teil

Trotz starken Rheumas viele Tricks auf Lager

Bei Turnieren nimmt sich Thorsten Meyer viel Zeit vor einem Stoß. - Foto: Wolfgang Defort

Bassum - Von Tobias Kortas. Konzentration, Mathematik und die Kontrolle des weißen Balls: Billard ist eine komplexe Sportart und erfordert neben Geschick und Durchblick vor allem viel Übung. Für Thorsten Meyer kommt es beim Billard auf Freundschaft, Fairness und das Zusammensein mit Gleichgesinnten an.

Das trifft für den 45-Jährigen gleich in zweierlei Hinsicht zu. Denn neben den Aktivitäten mit dem Pool-Billard-Club Bassum nimmt der stark Rheumakranke an Handicap-Turnieren teil. Nun wartet im Oktober in Hamburg ein Highlight auf ihn: Die Baltic Billard Open – die erste Norddeutsche Meisterschaft im Behinderten-Billard.

Thorsten Meyer sieht sich nicht als guten Billardspieler. „Allerdings bin ich auch nicht der schlechteste“, meint der Kaufmännische Angestellte in der Buchhaltung. Beachtenswert sind die Leistungen aber doch, die Meyer mit dem Queue zeigt. 

Erst vor zweieinhalb Jahren hat er mit dem Spielen begonnen und wegen seines Rheumas hat er Schwierigkeiten, das Queue zu bewegen, und während eines Spieltags schnell Schmerzen am Handgelenk. Das Gehen bereitet auch Probleme. Beim Spiel hilft ihm ein Spezial-Queue, das leichter als ein normales Queue in der Hand liegt und weicher im Stoß ist.

Für den Pool-Billard-Club Bassum spielt er in der Kreisliga. In der Sportart, bei der er „hervorragend vom Beruf abschalten“ kann, hat er sich ein ordentliches Know-how angeeignet.

Das geht weit über das bloße Einlochen der Bälle hinaus: Meyer spielt unter anderem Stoppbälle, sogenannte Rück- und Mitläufe, Bälle mit Effet: Die weiße Kugel läuft zunächst gerade und bekommt erst einen Links- oder Rechtsdrall, wenn sie eine andere Kugel berührt.

Der Gedanke dahinter ist immer, die Kugeln so zu positionier, dass man den ganzen Tisch in einem Durchgang abräumen kann. Dieses Wissen kommt Meyer bei der Baltic Billard Open zugute. Für das größte Handicap-Turnier in Norddeutschland am 8. und 9. Oktober sind bis jetzt 40 Sportler gemeldet. Die Voraussetzung: mindestens 50 Prozent Schwerbehinderung. 

Am Samstag treten die Spieler im 8-Ball an, dem sogenannten „Kneipen-Billard“, am Sonntag im 9-Ball, wo neun durchnummierte Kugeln der Reihe nah versenkt werden müssen. Unterstützt wird Meyer von der Bassumer Firma Stubbe. Der Mineralölhandel kommt für seine Übernachtung, Verpflegung sowie sein Trikot auf.

Große Chancen auf vordere Plätze rechnet sich Meyer nicht aus. „Es wird schwer, denn obwohl einige Gegner zum Beispiel im Rollstuhl sitzen, sind sie mir durch ihre Erfahrung überlegen.“ Auf das Gewinnen kommt es ihm gar nicht an. „Ich habe mir vorgenommen, viele Leute kennen zu lernen und die Inklusion voranzubringen.“

Das Turnier veranstaltet Torsten Meinken. Der Einbeinige engagiert sich im Handicap-Billard. Mit ihm war Meyer in Kontakt gekommen.

Als Vorbereitung auf das Turnier macht der Bassumer bei einem Kader-Lehrgang für behinderte Sportler mit einem Profi-Trainer am 28. August in Bremen mit – der erste dieser Art.

Im normalen Trainingsablauf ist Meyer dienstags und donnerstags jeweils ab 18.30 Uhr für zwei Stunden im Pool-Billard-Club Bassum aktiv. Zudem trifft sich der Zweite Vorsitzende des Clubs in den Räumen Am Schützenplatz freitags häufig mit Freunden zum Billardspielen. „Jedes unserer 18 Mitglieder hat einen Schlüssel dafür.“

Sportlich hat Meyer keine großen Ziele. „Ich möchte einfach Spaß haben. Trotzdem würde es mich schon reizen, mal in der Landes- oder Verbandsliga zu spielen.“ Besondere Hoffnungen auf erfolge macht er sich nicht. „Wenn man Profi werden will, fängt man ja schließlich in der Regel schon mit neun Jahren an.“

Vielmehr möchte er dem Billardsport in Bassum und dem Handicap-Billard weiter auf die Beine helfen.

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