Engländerin Nicola Koß aus Bassum ist besorgt: Brexit-Auswirkungen bereits spürbar

„Stimmung ist angespannt“

Die britische Flagge hält Nicola Koß aus Bassum dieser Tage nicht so gerne hoch. Das Brexit-Votum hat sie schockiert. - Foto: al

Bassum - Von Frauke Albrecht. Nicola Koß aus Bassum ist gebürtige Engländerin, lebt aber seit 30 Jahren in Deutschland. Sie besitzt den britischen Pass. Nun aber überlegt sie, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Der Grund ist der Brexit. „Ich möchte mich innerhalb der EU frei bewegen – ohne vielleicht ein Visum beantragen zu müssen“, sagt sie.

Außerdem würde sie gerne wählen. Derzeit darf sie das weder in Deutschland noch in England. „Wer länger als 15 Jahre außer Landes ist, darf in England nicht wählen“, erzählt sie. Ihre Kinder betrifft das nicht. Sie sind in Deutschland geboren, besitzen die doppelte Staatsbürgerschaft.

Seit dem Referendum hat sie viel mit Freunden diskutiert. „Ich werde ständig angesprochen. Aber ich weiß selbst nicht, was da passiert ist.“ Als sie vom Abstimmungsergebnis erfuhr, konnte sie es kaum glauben. „Ich war geschockt. Wir waren gerade auf dem Weg in den Urlaub.“ Die Engländer hätten mit dem Herzen und nicht mit dem Verstand abgestimmt, sagt sie. England habe nie wirklich den europäischen Gedanken verinnerlicht.

Die Bassumerin fühlt sich als Europäerin. Sie fürchtet aber, dass Europa mehr und mehr bröckelt. „Ich glaube, England wird nicht das letzte Land sein, das austritt.“

Das Brexit-Votum belastet die Konjunktur in England schwer, nun hat die britische Notenbank den Leitzins gesenkt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Der Satz werde von 0,50 auf 0,25 Prozent verringert, hieß es. Damit liegt der Zinssatz auf einem neuen Rekordtief. Ob das ausreicht, um eine Rezession zu verhindern? Nicola Koß ist skeptisch. Sie hat noch drei Geschwister und viele Freunde in England. Aus Gesprächen weiß sie: „Die Stimmung ist angespannt.“

Das Brexit-Votum habe viele Freunde und Familien auseinandergebracht. Typisch britisch: „Nach dem ersten Schock warten nun alle ab, was passiert.“

Koß Eltern spüren die ersten negativen Auswirkungen bereits am eigenen Leib. Kurz nach dem Brexit ist das Pfund gefallen – das bedeutet für die beiden Rentner, die vor acht Jahren nach Hessen gezogen sind, um näher bei den Enkelkindern zu sein, 200 Euro weniger im Portemonnaie.

Und nun müssen sie sich auch noch um ihre Krankenversicherung sorgen. Sie haben in England ihre Beiträge gezahlt, sind aber in Deutschland versichert. Möglich machen das die vielfältigen europäischen Regeln. „Was aber, wenn diese nicht mehr gelten?“

Koß fürchtet, dass dies nur eine von vielen Hürden ist. Sie ist überzeugt, dass die Austritts-Verhandlungen mit der EU schwierig werden.

Mehr zum Thema:

Bilder: So machen sich die Bayern fit für Atletico

Bilder: So machen sich die Bayern fit für Atletico

Bilder: Max Mannheimer wird in München beerdigt 

Bilder: Max Mannheimer wird in München beerdigt 

Kochen mit den Landfrauen Verden 

Kochen mit den Landfrauen Verden 

Projektwoche der Rotenburger Schule am Grafel

Projektwoche der Rotenburger Schule am Grafel

Meistgelesene Artikel

66 Schüler durch Pfefferspray verletzt

66 Schüler durch Pfefferspray verletzt

Vier Schüler auf dem Schulweg verunglückt - zwei Schwerverletzte

Vier Schüler auf dem Schulweg verunglückt - zwei Schwerverletzte

Premiere „im Großen und Ganzen ein Erfolg“

Premiere „im Großen und Ganzen ein Erfolg“

Von Schwarme bis zum Polizeikommissariat in Leeste eskortiert

Von Schwarme bis zum Polizeikommissariat in Leeste eskortiert

Kommentare