Umzug in größere Räume

Bassumer Kleiderkammer will weg vom schmuddeligen Image

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Britta Grüner arbeitet seit Oktober vergangenen Jahres bei der Kleiderkammer. Regelmäßig kontrolliert sie, ob alle Waren noch in Ordnung sind. 

Bassum - Von Sophie Filipiak. Das Team der Kleiderkammer möchte ein besseres Image pflegen und dadurch mehr Abnehmer gewinnen. Der erste Schritt ist mit dem Umzug in größere Räume und besserer Ausstattung getan. Was jetzt noch fehlt, sind vor allem deutsche Kunden. Dann hätten auch die Bücher und Brettspiele endlich wieder einen Abnehmer.

Die Auswahl in der Kleiderkammer ist riesig: Von unbenutzten Anzügen, die ein Herrenausstatter gespendet hat, bis zu Babystramplern. In einem seperaten Raum stapeln sich bis zur Decke Brettspiele, Kinderbücher, Spielzeug und Plüschtiere.

„Wir sind sehr dankbar über die Hilfsbereitschaft der Bassumer – unsere Kunden natürlich auch“, erklärt Britta Grüner, die zusammen mit Beate Brockmann die Leitung der Kleiderkammer übernommen hat. Seit Oktober vergangenen Jahres arbeitet sie ehrenamtlich in der Einrichtung. Daneben kümmern sich noch zwei Helfer um die Organisation des Lagers.

Kunden müssen keine neugierigen Blicke fürchten 

Die Kleiderkammer befindet sich nun schon seit zwei Monaten in neuen größeren Räumen über der Tafel. Grüner überlegt: „Das ist bestimmt schon unserer dritter Umzug gewesen.“ Das Lager und die Verkaufsfläche haben sie von der Stadt zur Verfügung gestellt bekommen.

Die Gestaltung der Zimmer, in denen vormals eine Malerei untergebracht war, haben die ehrenamtlichen Helfer selbst übernommen. „Wir wollten hier alles hell und freundlichen machen“, so Grüner. „Das Image von Kleiderkammern ist ja eigentlich sehr schlecht“, fährt sie fort. „Die Leute denken meist zuerst an dunkle, unordentliche Räume, wo alles irgendwie schmuddelig aussieht.“ Das genaue Gegenteil ist die Bassumer Kleiderkammer. Außerhalb der Stadt an der Eschenhäuser Straße gelegen sind ausreichend Parkplätze vorhanden. Neugierige Blicke müssen die Kunden dort nicht erwarten.

Die Kleidung ist ordentlich an endlos scheinenden Kleiderständen aufgehängt, sortiert nach Größen. Die Wände sind mit Hinweisschildern und Bildern dekoriert.

Spendenbereitschaft der Bassumer ist groß

Und über allem thront „Mister T“ – ein großer Teddybär in einem Werder-Trikot. „Er ist unser Maskottchen und Glücksbringer“, sagt Grüner. „Viele wollten ihn schon kaufen, aber wir geben ihn nicht her.“

Maskottchen „Mister T“ hat von oben ein wachsames Auge auf das Geschehen in der Kleiderkammer.

Die Spendenbereitschaft der Bassumer ist so groß, dass auch das Lager immer proppenvoll ist. „So können wir immer die Regale schnell wieder auffüllen“, so Brockmann. Das einzige, was generell nicht angenommen wird, sind Unterwäsche und Strümpfe – außer sie sind noch orginal verpackt. „Das hat halt hygienische Gründe“, meint Brockmann. Für den Haushalt finden die Kunden ebenfalls einiges bei der Kleiderkammer. „Zurzeit sind Elektrogeräte sehr gefragt“, erläutert Brockmann. Ansonsten bleiben auch Damen- und Kinderbekleidung nicht lange an der Stange.

„Gerne mehr deutsche Kunden“

Volles Lager, eine angenehmes Ambiente – alles läuft prima. Oder? „Nicht ganz“, so Grüner. „Wir hätten gerne mehr deutsche Kunden, die die Bücher und Spiele mitnehmen könnten.“ Denn der Großteil der Menschen, die die Kleiderkammer aufsuchen, sind Flüchtlinge und Asylbewerber. „Die stehen meist vor der Regalen und trauen sich nicht so richtig davon etwas mitzunehmen – oder es interessiert sie nicht.“ Nur ein bis zwei Deutsche hätten sich bisher in die Räume verirrt.

Der große Kundenansturm beginnt immer nachmittags. „Viele gehen erstmal zur Tafel und verlängern sich dort ihre Berechtigungsausweise“, so Grüner. „Dann schauen sie schnell bei uns vorbei.“

Bei dem Gedränge sei es wichtig, die Menschen unter Kontrolle zu halten. Bei den Flüchtligen kommt noch die Sprachbarriere hinzu. „Aber meist ist immer jemand dabei, der deutsch spricht und weiterhelfen kann.“

Schmutzige oder beschädigte Kleidung hat keine Chance

Spenden können immer montags von 9 bis 12 Uhr direkt bei der Kleiderkammer abgegeben werden. Dann geht es ans Sortieren. Schmutzige oder beschädigte Kleidung hat dabei keine Chance, in den Bestand aufgenommen zu werden. Die Sachen, die von den Helfern für in Ordnung befunden werden, sortieren sie in die Regale im Lager ein und befördern sie bei Bedarf in die eigentliche Kleiderkammer.

Auch Ladenhüter verschwinden nach einigen Wochen aus dem „Verkaufsraum“. Denn eigentlich verkauft wird dort nichts. „Die Kunden geben uns den Geldbetrag, den sie für angemessen halten“, erklärt Grüner. Die Spenden gehen dann teilweise an die Tafel, teilweise dienen sie zur Finanzierung der Kleiderkammer. Dass sie für die Waren auch bezahlen müssen, ist manchen Flüchtlingen schwer verständlich zu machen.

„Viele denken, bei uns gibt es alles umsonst“, sagt Beate Brockmann. „Sie können mit dem Begriff Spende nichts anfangen.“ Aber mit Händen und Füßen klappe die Kommunikation dann doch.

„Zu uns kann jeder kommen“, so Brockmann weiter. „Egal, wie viel er verdient.“ Die Kleiderkammer ist immer mittwochs in der Zeit von 9 bis 12 Uhr und von 13  bis 16 geöffnet.

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