Bassum Talk mit Ratskandidaten 

Schmoren im eigenen Saft

Moderator Berthold Kollschen begrüßt die Podiumsteilnehmer und Gäste. - Foto: Husmann

Bassum - Von Frauke Albrecht. Rathausneubau, Geburtenstation und das geplante Gewerbegebiet Bramstedter Kirchweg waren die Themen, die am Sonntag beim Bassum Talk für Diskussionen sorgten. Das Kulturforum hatte Vertreter der Parteien und Einzelbewerber eingeladen, die bei der Kommunalwahl am 11. September für den Stadtrat kandidieren.

Moderator Berthold Kollschen freute sich über ein volles Haus. Wobei Professor Dr. Rainer Hartmann anmerkte, dass man fast im eigenen Saft schmore. Die meisten der Gäste waren Ratsvertreter und Parteimitglieder. Aber das seien ja schließlich auch Bürger.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Podiumsteilnehmer – Hans-Hagen Böhringer (CDU), Dr. Christoph Lanzendörfer (SPD), Hermuth Straßburg (Bürger-Block), Rainer Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen), Maria Babic (Die Linke), Helmut Zurmühlen (Einzelkandidat) und Thomas Becker (FDP) – durften die Gäste ran.

Anwohner aus Bünte zögerten nicht lange. Sie sind gegen das geplante Gewerbegebiet am Bramstedter Kirchweg und hatten seitenweise Fragen mitgebracht. Unter anderem: „Welche Argumente sprechen für den Bereich Bünte, und warum sind andere Flächen nicht geeignet?“

Hartmann und Straßburg stellten sich auf die Seite der Anwohner. Sie halten die Abbiegesituation von der Industriestraße auf den Bramstedter Kirchweg für unzureichend und sprachen zudem die Schulwegsicherung an. Es gibt bessere Orte, so Hartmann.

Die Argumente für Bünte nannten indes Zurmühlen, Lanzendörfer und Böhringer: Alle Eigentümer der Flächen bei der AWG seien angeschrieben worden. Keiner sei bereit zu verkaufen. Außerdem würde ein Gewerbegebiet in Wedehorn mit den Plänen der AWG kollidieren. Die Flächen Klenkenborstel seien auch für Wohnbebauung geeignet – Bünte nicht. Und Bassum benötige bezahlbaren Wohnraum. Am Bramstedter Kirchweg lägen zudem Versorgungsleitungen und Glasfaserkabel. Das Plangebiet sei eine Fortführung des vorhandenen Gewerbegebietes. CDU und SPD sind gegen eine weitere Zersiedelung.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es auch zum Thema Rathausneubau. SPD und Grüne favorisieren einen Neubau, der Bürgerblock hingegen möchte die alten Standorte „aufpeppen“ oder in einem neu zu errichtenden Gebäude Flächen kaufen. Die CDU setzt auf eine Miet-Lösung. So könne man den Haushalt im Blick behalten und auch noch andere Ziele umsetzen. Lanzendörfer: „Wir können den nachfolgenden Generationen Schulden oder marode Straßen und Gebäude hinterlassen.“ Er wolle Abstand nehmen von dem Ziel, einen ausgeglichen Haushalt aufzustellen, eben weil er an die nachfolgenden Generationen denke.

Im Zweifel ist Thomas Becker eher für einen Neubau, „weil wir dann die Gestaltung selbst in der Hand haben“. Maria Babic möchte das Geld lieber in Bildung und Gesundheit investieren.

Die Linke möchte Bassum wieder zu einer Geburtenstation verhelfen. Der Grünen-Ratsherr Torsten Eggelmann, fragte nach dem Wie. Ein Konzept habe sie nicht, gestand Babic. Das gelte es zu erarbeiten.

„Mir wäre es lieber, wir machen den ersten Schritt vor dem dritten und erreichen eine Hebammenbetreuung und Beratung im Familienzentrum“, so Böhringer.

Ob die Politiker überhaupt noch für das Ziel einer Geburtenstation kämpfen, wollte eine Zuhörerin wissen. „Bei jedem Haushalt des Landkreises“, antwortete Lanzendörfer. „Traumtänzer“ sei noch die mildeste Bezeichnung, die er höre, wenn er das Thema anschneide. Es sei möglich, eine Abteilung zu gründen und diese über Jahre zu bezuschussen. „Das würde ein Schweinegeld kosten“, so Lanzendörfer. Er kritisiert: „Der Landkreis besitzt nicht die Mehrheit der Anteile am Klinikverbund – soll aber bezahlen.“ Investitionsgelder würden verwendet, um die Liquidität sicherzustellen.

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