Zukunftswerkstatt Gesundheit und Pflege will Flüchtlinge in Arbeit bringen

Praktikum ist nicht gleich Praktikum

Bassum - Von Frauke Albrecht. Auf der Suche nach geeigneten Arbeitskräften haben viele Unternehmen mittlerweile auch die Flüchtlinge in den Blick genommen. Vor allem der Pflegebereich boomt, die Einrichtungen suchen Personal für die unterschiedlichsten Bereiche – von der Betreuung bis hin zur Küchenhilfe. Was liegt da näher als ein Praktikum anzubieten? Doch ganz so einfach, wie manche glauben, ist die Umsetzung in der Praxis nicht.

Das haben die Mitglieder der Zukunftswerkstatt Gesundheit und Pflege im Landkreis Diepholz erfahren. Ihre Erlebnisse tauschten sie am Mittwochabend während eines Infoabends in der Mensa der Grundschule Mittelstraße in Bassum aus.

Eingeladen hatten die Mitglieder vor allem Flüchtlinge und deren Paten sowie Integrationslotsen, um ihnen die Möglichkeit von Praktika in Pflegeberufen aufzuzeigen. Doch die Anzahl der Gäste war überschaubar. Die beiden Vorsitzenden der Zukunftswerkstatt, Rita Wegg und Ivonne Beneke, gaben sich optimistisch: „Es ist ein Anfang.“

Ziel des Netzwerks ist es, Flüchtlingen, die dies wünschen, ein Praktikum oder sogar eine Lehrstelle in Pflege- beziehungsweise Hauswirtschaftlichen Berufen zu ermöglichen (wir berichteten bereits).

In den vergangenen Monaten haben sie bereits Erfolge verbuchen können. Wegg: „Wir konnten 27 Flüchtlinge aus 19 Ländern in ein Praktikum bringen.“ Doch stößt die Initiative auch immer wieder auf Hürden. So müssen Praktika von der Ausländerbehörde genehmigt werden. Der Gesetzgeber möchte verhindern, dass Flüchtlinge ausgebeutet werden. Deshalb fordert die Behörde von Arbeitgebern, die beispielsweise die Fähigkeiten und Fertigkeiten ihrer Praktikanten über einen längeren Zeitpunkt beobachten möchten, eine Stellenbeschreibung ein. Sie müssen außerdem den Mindestlohn zahlen.

Diese Erfahrung hat beispielsweise Heike Brand, Pflegeleitung vom Seniorenheim Haus Drei Linden in Bassum gemacht. Das Praktikum aber verfolge doch ein ganz anderes Ziel. Die Einrichtung wolle helfen, Ängste und Vorurteile abzubauen und Flüchtlingen die Chance geben, sich einen Überblick über den Beruf zu verschaffen. Pflege sei in vielen muslimischen Ländern unbekannt.

Erst Sprachkompetenz und dann Azubistelle

Hospitationen sind möglich auch ohne Jobbeschreibung und Bezahlung. Hospitation heißt: „Ich gucke mir das an“, klärte Kirstin Hinken von der Arbeitsagentur (Arbeitsvermittlerin Arbeitgeberservice) auf.

Wer ein Praktikum anbieten möchte, müsse bestimmte Voraussetzungen erfüllen und diese mit der Ausländerbehörde absprechen. Sie riet jedem Flüchtling, der Interesse hat, sich in seinem Umfeld umzuschauen und zu hospitieren – einfach, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Doch Hinken machte den Anwesenden auch klar: „Es wird so schnell keiner in absehbarer Zeit einen Ausbildungsplatz bekommen.“ Denn Voraussetzung dafür sei die Sprachkompetenz – gefordert werde Level B1. Das bedeutet fortgeschrittene Kenntnisse. Die Betreffenden müssen Deutsch nicht nur sprechen, sondern auch lesen und schreiben können.

Sprache ist das A und O. Aus diesem Grund quittierten die Anwesenden die schlechte Nachricht, die Michael Roeder mitbrachte, mit einem Kopfschütteln. Der Sprecher des Vereins VBN – Netzwerk Integration Netwin 3 teilte mit, dass der für September geplante berufsbezogene Sprachkurs für Pflegeberufe in Bassum finanziell nicht durchführbar sei und deshalb gestrichen wurde.

Bleibt also wieder das Praktikum, um berufsbezogene Sprachkenntnisse zu erwerben. Die Pflegeeinrichtungen werben für sich. Anwesend waren neben Heike Brand auch Anke Cords vom Haus Rosengarten sowie Kathleen berg von der Seniorenresidenz Deutsche Eiche.

Weitere Informationen zum Thema gibt es im Internet.

www.zukunftswerkstatt-diepholz.de

Rubriklistenbild: © dpa

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