Podiumsdiskussion in Bassum

Podiumsdiskussion: Konsens statt Kritik

H.-H.  Boehringer (CDU)

Bassum - Von Frank Jaursch. Vier Stühle, eine Meinung: Mehr als einmal stellte sich bei der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in Stövers Gasthaus heraus, dass die großen Fraktionen im Bassumer Stadtrat in vielen Ansichten nahe beieinander liegen. „Das ist eigentlich langweilig für diejenigen, die sich nachher entscheiden müssen“, schmunzelte Dr. Christoph Lanzendörfer.

Wie seine Kollegen wurde der SPD-Mann – allem Wahlkampf zum Trotz – nicht müde zu betonen, in welch großer Sachlichkeit „und meist im Konsensverfahren“ die Bassumer Juckepunkte angegangen werden. So manche Entscheidung sei beim gemeinsamen Pizza-Essen erarbeitet worden. „Das ist kein Klüngeln, das ist Gedankenaustausch!“

Dr. R. Hartmann (Grüne)

Die Kreishandwerkerschaft Diepholz/Nienburg hatte die vier Fraktionschefs aufs Podium gebeten; rund zwei Dutzend Gäste verfolgten zwei Stunden lang, wie Lanzendörfer, Hans-Hagen Boehringer (CDU), Hermuth Straßburg (Bürgerblock) und Dr. Rainer Hartmann (Grüne) ihre Standpunkte zu unterschiedlichen Themen darlegten.

Dabei standen bei den Fragen, die Moderator Jens Leßmann (Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft) vorgab, natürlich die Auswirkungen auf die Handwerker vor Ort im Mittelpunkt. Womit ist nach der Erhöhung der Hebesätze für Gewerbe- und Grundsteuer (auf 390 Prozent) in den kommenden Jahren noch zu rechnen? Was ist mit der Entwicklung von Gewerbegebieten? Wie geht man den Ausbau der Breitbandversorgung auf dem Land an?

„Wir sind eine lebenswerte Stadt mit lebenswerten Strukturen“, betonte Hartmann und verteidigte die Erhöhung. „Wir müssen in allen Bereichen etwas tun.“ Zustimmendes Kopfnicken um ihn herum.

Dr. C. Lanzendörfer (SPD)

Als es später um die Attraktivität Bassums für Familien ging, nahm Hans-Hagen Boehringer den Ball auf. „Da ist in den letzten Jahren viel passiert, was funktioniert.“ Bei der Versorgung – etwa mit Krippenplätzen, aber auch im schulischen Bereich – sei Bassum „in die Vollen gegangen“. „Das ist ja ein Grund für die 390 Prozent“, assistierte Lanzendörfer. Mit dem neuen Hebesatz allerdings, so fand Boehringer, sei das Ende der Fahnenstange erreicht.

In Sachen möglicher Rathaus-Neubau zeigte die „Pizza Connection“ (Lanzendörfer) ebenfalls übereinstimmende Standpunkte. „Manchmal ist es besser, etwas in die Tonne zu treten“, passte Hermuth Straßburg eine Erkenntnis aus dem Handwerk an die Rathaus-Situation an. Das sei jedenfalls besser, als ein 50 Jahre altes Gebäude auf den energetischen Stand von 2016 zu bringen.

Wenigstens in einer Thematik gab es aber doch deutlich abweichende Meinungen: Wo soll das nächste Gewerbegebiet entstehen? CDU und SPD favorisieren die Vergrößerung des bereits bestehenden Gebietes an der Karrenbruchsheide.

Der Bürgerblock und die Grünen positionieren sich dagegen. Hermuth Straßburg warb dafür, statt der ungünstigen „Hinterlage“ lieber mit einem neuen Gebiet näher ans Oberzentrum Bremen zu gehen – konkret auf der Ostseite der Umgehungsstraße, östlich von Klenkenborstel. „Da fahren in der Regel auch keine Schulkinder lang.“ Auch Rainer Hartmann zeigte sich nicht überzeugt von der Karrenbruchsheide – aus Gründen der Sozialverträglichkeit.

Auch dieser Austausch unterschiedlicher Meinungen fiel indes in einer sehr ruhigen, sachlichen Weise aus. „Niemand hat die optimale Lösung“, räumte Christoph Lanzendörfer ein. Vielleicht ja bei einer Pizza...?

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