Sven Tscherner übernimmt Heimbeiratsvorsitz im Behinderten-Wohnheim

Mehr als Mannschaftskapitän

Trotz ihres Handicaps glücklich verlobt: Sven Tscherner und Sabine Landshöft leben im Behinderten-Wohnheim der Lebenshilfe in Bassum – sie im Heim am Drosselweg, er in der Außenwohngruppe an der Bahnhofstraße. Beide träumen von einer Wohnung. - Foto: Seidel

Bassum - Von Anke Seidel. Seine erste Sitzung hat Sven Tscherner schon geleitet. Der 37-Jährige lebt in der Außenwohngruppe des Lebenshilfe-Wohnheims in Bassum – und ist jetzt Sprecher des Heimbeirats. Insgesamt 50 Menschen mit Handicap vertritt er in dieser Funktion. Menschen, die unter den unterschiedlichsten Behinderungen leiden und ganz individuelle Persönlichkeiten sind. Menschen, die Wünsche und Träume haben – wie auch Sven Tscherner.

Lächelnd zeigt der neue Heimbeiratsvorsitzende seinen silbernen Ring. Seit fast fünf Jahren ist er mit der 35-jährigen Sabine Landshöft verlobt. Sie lebt im Wohnheim am Drosselweg, Sven in der Außenwohngruppe an der Bahnhofstraße. Dass seine Verlobte dorthin zieht und sie dort gemeinsam ein Wohn- und ein Schlafzimmer haben, das ist der Herzenswunsch des 37-Jährigen. „Sabine muss aber noch lernen, mit der Situation umzugehen“, sagt Sven leise und erzählt von seinem Traum, mit Sabine irgendwann einmal eine eigene Wohnung haben zu können – und ein Leben, wie es so viele andere Menschen auch führen.

Sven arbeitet in der Fahrzeugpflege-Abteilung der Delme-Werkstätten und spielt seit 15 Jahren Fußball in der Behinderten-Sportgemeinschaft Twistringen. Er ist Torwart und Mannschaftskapitän. Für Sven ist es selbstverständlich, Verantwortung zu übernehmen. „Mein Vater hat mir das beigebracht. Er hat immer gesagt: Du musst Verantwortung übernehmen für alles, was du tust“, berichtet der 37-Jährige.

Genau das will er auch als Heimbeiratsvorsitzender. Ganz bewusst hat Sven sich zur Wahl gestellt. „Ich bin gleich gewählt worden“, sagt er stolz. Vorsitzender zu werden, das sei von Anfang an sein Ziel gewesen: „Da kann ich gleich sagen, was den Bewohnern nicht passt oder was ihnen auf dem Herzen liegt.“ Was die Behinderten bewegt, weiß der geduldige 37-Jährige ganz genau, denn er hat für alle ein offenes Ohr. Manchmal gebe es Beschwerden über unfreundliche Betreuer. Außerdem sei die Höhe des Taschengeldes immer wieder ein Streitpunkt. Gelegentlich komme es auch zu Meinungsverschiedenheiten unter den Bewohnern. Dann ist Sven Tscherner Streitschlichter. „Ich sage ihnen dann: Ihr wohnt unter einem Dach. Da müsst ihr zusammenhalten – und nicht aufeinander losgehen. Das macht man nicht!“ Meinungsverschiedenheiten müsse man klären, indem man miteinander spricht.

Sven hat seine Kindheit in Riede verbracht. Der Auto-Verwertungsplatz, den seine Eltern betrieben, hat ihn geprägt. „Ich wollte immer Automechaniker werden“, berichtet er. Ein großes Ziel für einen Jungen mit Handicap: „Mir fehlt ein Stück von der Wirbelsäule“, erklärt er. Das sei aber erst festgestellt worden, als er sieben Jahre alt war. Sven berichtet von der Operation, bei der ihm eine Metallplatte eingesetzt wurde, und von den Rückenschmerzen als Jugendlicher. „Mit zwölf Jahren hatte ich schon Rheuma“, fügt er hinzu. An seinem Berufswunsch hielt er unbeirrt fest und gab in der Schule sein Bestes. „Ich bin der einzige in unserer Familie, der einen Hauptschul-abschluss hat“, sagt er nicht ohne Stolz. In Nienburg fand er eine Lehrstelle – und schaffte seinen Abschluss.

„Ich kannte mich ja schon als Kind mit Autos aus“, sagt Sven. Was sich reparieren und was sich verwerten lässt, lernte Sven auf dem Verwertungsplatz: „Mein Vater hat mir das beigebracht.“

Zuhause musste er sich mit seinem Bruder ein Zimmer teilen. „Das ist mir dann zu eng geworden“, begründet er seinen Umzug in die Außenwohngruppe der Lebenshilfe. 22 Jahre alt ist Sven, als er nach Bassum zieht. Fünf Jahre später sterben seine Eltern – beide innerhalb nur eines Jahres.

„Zufrieden sein ist wichtig“

Die Wohngruppe ist sein Zuhause geworden. Aber das Leben dort kostet manchmal Zeit und Geduld: „Mit den Bewohnern ist es nicht immer einfach“, verrät Sven.

Weil er vieles kann, muss er immer wieder anderen helfen und Fragen beantworten. Ist es schwierig, immer wieder Geduld aufzubringen? Sven schüttelt den Kopf: „Das habe ich von Natur aus.“

Kochen ist ein großes Hobby des neuen Vorsitzenden: „Ich habe meine Ruhe dabei“, sagt er, „aber ich muss allein in der Küche sein“. Schon als Kind habe er gern gekocht: „Ich habe meiner Mama das abgenommen.“

Trotz seines Handicaps ist Sven mit seinem Leben zufrieden. Wie hat er das erreicht? Er lächelt und sagt leise: „Zufrieden sein mit dem, was man hat – und mit dem, was man kann. Das ist wichtig im Leben!“

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