Heinz Schierloh geht in den Ruhestand

Markthalle bleibt ein Traum

Die Kisten sind fast gepackt. Am Donnerstag hat Heinz Schierloh seinen letzten Arbeitstag. - Foto: al

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Es gibt Dinge, da beißt man sich die Zähne aus.“ Bassums Wirtschaftsförderer Heinz Schierloh geht in Kürze in den Ruhestand. Er hinterlässt ein aufgeräumtes Haus, wie man so schön sagt. Aber es gibt auch zwei unerledigte Aufgaben. Er hätte so gerne eine Markthalle eröffnet und wollte am „KulturBahnhof“ in einem Speisewagen dinieren und Konzerten lauschen.

An beidem hat er sich die Zähne ausgebissen. „Was nicht ist, kann aber noch werden“, sagt er und setzt auf seine Nachfolgerin Alena Grützmacher. Schierlohs Credo lautet: „Nie aufgeben.“

Trotz dieser unerledigten Aufgaben geht er mit einem guten Gefühl. In den vergangenen 21 Jahren ist ihm sehr viel geglückt. Als er in Bassum 1991 im Bauamt anfing – 1995 wurde er Wirtschaftsförderer – steckte das Gewerbegebiet Karrenbruch noch in den Anfängen. Mittlerweile gibt es keine Flächen mehr. Die Stadt weist derzeit ein neues Gewerbegebiet aus.

Viele Betriebe hat Heinz Schierloh von Anfang an begleitet, hat dabei geholfen, dass sie sich entwickeln können.

„Kammann war meine eigentliche Bewährungsprobe“, erinnert er sich. 1999 hatte der damalige Bürgermeister Gerd Stötzel mitbekommen, dass KMH aus Harpstedt weg möchte. „Wir sind zusammen hingefahren und haben das Angebot gemacht, die leerstehende Kolbus-Halle zu erwerben. Stötzel hat immer gesagt: ,Wir müssen den Firmen Arbeiten abnehmen, damit sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können’.“ Diese Devise hat Schierloh übernommen.

Stötzel ging sogar noch einen Schritt weiter. „Als die Vertragsunterzeichnung war, sind wir nicht essen gegangen, sondern Stötzel hat für alle gekocht, bei sich zu Hause. Das werde ich nie vergessen.“

Als Günter Kammann das erste Mal die riesige Halle gesehen hatte, soll er gesagt haben: „Was soll ich mit dem ganzen Platz?“ Zehn Jahre später war alles zu klein. KMH zog ins Gewerbegebiet, Schierloh bereitete den Boden dafür.

„Ein Wirtschaftsförderer muss Mädchen für alles sein“, sagt er. Das Wissen um Fördertöpfe, Tricks der Vertragsverhandlungen und Organisationstalent gehören dazu. Schierloh: „Man muss gut vernetzt sein und darf sich für keine Aufgabe zu schade sein.“

Flexibilität hat Schierloh während seiner Berufslaufbahn bewiesen. Ursprünglich hat er Fleischer gelernt. Eigentlich wollte er die Gastwirtschaft seiner Eltern übernehmen. Dann kam die Bundeswehr dazwischen. Dort blieb er zwölf Jahre, war vier Jahre lang Ausbilder und machte später seine Prüfung zum Verwaltungsfachangestellten. Weitere Stationen waren Twistringen und Lilienthal. 1991 begann er im Bassumer Bauamt.

Kurz danach war die erste große Krise zu bewältigen: Als Kolbus Ende der 90er-Jahre das Bassumer Werk schloss, waren 200 Arbeitsplätze futsch. „Zum Glück wurden die meisten Mitarbeiter von Mercedes aufgefangen.“

Was die Region heute auszeichne, sei, dass es nicht nur einen großen Arbeitgeber gibt, sondern viele mit hunderten Arbeitsplätzen. „Und viele sind inhabergeführte Betriebe. Die sind mit der Stadt verwurzelt“, sagt Schierloh.

Die Jahre 2008 und 2009 hätten die Bassumer Betriebe nicht als Krise gespürt, sondern eher als Zeit, um Luft zu holen. In dieser Zeit legte der Wirtschaftsförderer zusammen mit dem Agenda-Team Runder Tisch Energie zahlreiche Förderprogramme auf. „Wir haben mit 10 000 Euro Fördermitteln ein Investitionsvolumen von rund einer halben Million Euro ausgelöst“, ist Schierloh stolz.

Unter seiner Regie wurde die AktiBa erfolgreich. „Das ist ein Beispiel dafür, was man mit einem wunderbaren Team erreichen kann.“ Gleiches gelte für das Straßentheaterfestival Piazzetta.

Zu den Sorgenkindern zählt die Sulinger Straße. „Der Einzelhandel ist im Wandel.“ Schierloh bedauert, dass es nie gelungen sei, die Eigentümer der Immobilien und Geschäftsinhaber dazu zubringen, an einem Strang zu ziehen. „Wir haben alles mögliche versucht. Ein Beachvolleyballturnier auf dem Parkplatz vor Maas, um nur ein Beispiel zu nennen. Was fehlte, war die Bereitschaft der Geschäfte, sich zu beteiligen. Selbst zur Piazzetta haben es die Inhaber nicht geschafft, einen verkaufsoffenen Sonntag anzubieten. Die Eigentümer der Sulinger Straße machen sich selbst das Leben schwer.“

Schierloh gibt die Hoffnung nicht auf. „Vielleicht gibt es eine Art Domino-Effekt, wenn einer erst mal den Anfang macht.“ Das könnte der Bau von Zohbi sein, der Umbau des ehemaligen Kinos oder Pläne für den City-Markt. „Ich bin überzeugt, dass die Sulinger Straße eine Zukunft hat.“

Diese wird Schierloh als Kunde erleben. Sein Vertrag endet zwar erst zum Jahresende, aber da er noch viel Urlaub hat, ist Donnerstag sein letzter Arbeitstag. Und dann? „Ich falle garantiert nicht in ein Loch.“ Er freut sich auf seine drei Enkelkinder, auf mehr Zeit mit der Familie und die Arbeit mit seinen Pferden. Schierloh züchtet Hannoveraner.

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