Autorin Catharina Junk kommt

Leben nach Leukämie

Autorin Catharina Junk - Foto: Friedrun Reinhold

Bassum - Die Hamburger Autorin Catharina Junk kommt am 30. November nach Bassum. In der Musikschule wird sie um 20.15 Uhr ihren Roman „Auf Null“ vorstellen. Vorab sprach Andree Wächter mit ihr über das Buch, Leukämie und ihre Heimat Bassum.

Das Interview zum Nachhören (zum Text bitte weiter scrollen):

Wie war die Jugendzeit in Bassum?

Catharina Junk: Geboren wurde ich in Bremen. Nach Bassum bin ich gezogen, als ich elf war. Ich habe dort ganz gerne meine Jugend verbracht, weil ich da Reiten konnte und tolle Freunde gefunden habe. Wenn man älter wird, zieht es einen mehr in Richtung Bremen. Aber ich mag Bassum, hab da gerne gewohnt.

Haben sie noch viele Kontakte nach Bassum?

Junk: Ja, meine Familie lebt da noch. Im Umkreis gibt es noch Freunde aus der Schulzeit, die wieder dorth in hingezogen sind oder dort noch leben.

Am 30. November kommen Sie zur Lesung nach Bassum. Ihr Roman „Auf Null“ beginnt vor den Türen eines Krankenhauses. Hauptdarstellerin Nina verlässt gerade die Klinik. Sie hat den Blutkrebs besiegt. Warum beginnt der Roman an dieser Stelle?

Junk: Weil mich an der Geschichte, die ich schreiben wollte, besonders die Zeit nach einer schweren Erkrankung interessiert hat. Ich finde, dass sich nicht viele Bücher mit diesem Thema auseinandersetzen. Soweit ich weiß, beschäftigen sich die meisten mit der Zeit zwischen Diagnosestellung und entweder Heilung oder einem traurigen Ausgang der Geschichte. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Zeit nach einer Krankheit und das Zurück ins Leben auch viele Hürden bereit hält. Das hat mich eben als Thema sehr interessiert.

Ist es ein Roman oder eine Biografie?

Junk: Es ist auf jeden Fall ein Roman. Es gibt einen autobiografischen Hintergrund, weil ich selber mit Anfang 20, zu Beginn meines Studiums, an Leukämie erkrankt bin. Aber alle Figuren und die gesamte Geschichte des Romans sind frei erfunden. Und auch der Ort Varrendorf ist fiktiv. Da soll niemand denken, dass das Bassum ist. Allerdings: Das im Roman erwähnte und von der Heldin geliebte Kürbisbrot einer gewissen Bäckerei Meyer – da würde ich lügen, wenn ich behauptete, dass es nicht autobiografisch eingefärbt wäre.

Sie haben mal gesagt: Man muss lernen, die Lebendigkeit wieder zuzulassen. Wie haben Sie das geschafft?

Junk: Mit der Hilfe meiner Familie, meiner Freunde und Dank der Zeit, die dann vergangen ist. Es gab nicht den einen Moment, in dem ich wusste, jetzt traue ich mich wieder. Es war ein Gestolpere und hat viele Jahre gedauert. Nur die Zeit hat da geholfen.

Also trifft der Slogan „Die Zeit heilt alle Wunden“ zu?

Junk: Nein, das finde ich nicht. Aber die Zeit hilft, mit den Wunden weiterzugehen.

Leukämie ist ein ernstes Thema. Wieso ist es auch ein lustiges Buch?

Junk: Weil meine Hauptfigur Nina ihren Humor als eine Art Überlebensstrategie benutzt. Das gibt ihr das Gefühl, in dramatischen oder ausweglosen Situationen, in denen sie sich besonders schwach und fremdbestimmt fühlt, wieder sowas wie Kontrolle über ihr Leben zurückzubekommen. Indem sie in diesen angespannten und angstbesetzten Situationen das Komische neben dem Tragischen sucht. Und dadurch ein Gespür für sich selber bekommt.

Die Lesung ist in der Musikschule Bassum. Glauben Sie, dass viele ehemalige Schulfreunde kommen werden?

Junk: Das weiß ich nicht. Würde mich aber freuen. Ich habe jetzt schon bei einer Lesung in Hannover überraschend Besuch bekommen von jemanden, der mit mir in Syke Abi gemacht hat. Ebenso auf der Buchmesse. Durch das Buch habe ich sehr viele nette Rückmeldungen bekommen und Kontakte zu Leuten geknüpft, mit denen ich länger nicht gesprochen habe.

Wie wird das Gefühl sein, in bekannte Gesichter zu schauen?

Junk: Positiv. Ich weiß von einigen, die kommen wollen. Das ist wie nach Hause kommen. Das ist etwas Schönes.

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