Heike Lehmann aus Albringhausen hat ein ungewöhnliches „Haustier“ groß gezogen

Kuscheltier statt Zug-Ochse

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Heike Lehmann streichelt ihrem Ludwig den Rücken.

Albringhausen - Von Frauke Albrecht. „Das ist mein Kuscheltier“, lacht Heike Lehmann aus Albringhausen und gibt ihrem Ludwig einen Klaps auf das Hinterteil. Das Kuscheltier ist ziemlich groß und wiegt etwa eineinhalb Tonnen. Ludwig ist ein kastrierter Ochse. „Ich habe ihn vor neun Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen“, erzählt Heike Lehmann. Sie brachte es nicht übers Herz, das Tier schlachten zu lassen.

Ludwig als Kälbchen mit einer Reitschülerin von Heike Lehmann.

Ludwig war vier Monate alt, als er zu Heike Lehmann auf den Reiterhof kam. Die Pferdehalterin wollte eigentlich einen Zug-Ochsen aus ihm machen. „Doch leider fand ich damals keinen Helfer“, erzählt sie. Die Landwirte in der Gegend, die sich mit der Ausbildung von Zug-Ochsen auskannten, winkten allesamt ab. „Sie sagten, sie fühlen sich zu alt, um mit einem fremden Tier zu arbeiten“, erzählt Heike Lehmann. Und so gab es für Ludwig, nachdem er seinen Namen bekommen hatte, ausschließlich Streicheleinheiten. Benannt ist er nach einer guten Freundin von Heike Lehmann. „Sie heißt mit Nachnamen Ludwig. An dem Tag besuchte sie mich nach langer Zeit überraschend und fragte, wie der Kleine heißen soll. Ich fand Ludwig passend.“

Zu Anfang hätten ihn alle niedlich gefunden. Auch noch als Ludwig größer wurde. Doch irgendwann war er riesig.

„Mit zwei Jahren werden die Tiere normalerweise geschlachtet. Alle redeten auf mich ein. Vor allem die Landwirte“, erinnert sich die Tierfreundin. „Das kannst du nicht machen. Viel zu gefährlich. Der wird nie zahm“, war die Überzeugung vieler. Andere mahnten: „Denk’ an das Geld.“ Ludwig hätte immerhin 1 500 Euro gebracht. Heike Lehmann aber hatte ihren Entschluss längst gefasst: „Ludwig bleibt hier.“

Sie arbeitete täglich mit dem Ochsen, ermöglichte ihm viele Kontakte zu Menschen. „Meine Reitkinder liebten und lieben ihn.“ Vor allem die Stadtkinder wüssten oft gar nicht, was da vor ihnen steht.

Ludwig folgt seinem „Frauchen“ wie ein Hund. „Er denkt aber, er ist ein Pferd“, sagt Lehmann. Seitdem er klein ist, steht der Ochse zusammen mit den Pferden des Ehepaares auf der Weide. Die einen mag er mehr, die anderen weniger. „Vor unseren Kaltblütern hat er auf jeden Fall Respekt.“

Im Sommer bleibt Ludwig draußen auf der Weide, im Winter auf der angrenzenden Fläche am Haus. „Das mag er besonders, denn dann kann er in den Stall, wann immer es ihm gefällt.“ Die zwei Kilometer zur Sommerweide legen die beiden zu Fuß zurück. „Der geht ganz brav mit, quer durch den Ort“, schildert die zierliche Frau den Ausflug. Oft halten Autofahrer an und sehen sich das ungewöhnliche Gespann näher an. Ein so großer Ochse sei eben ein seltener Anblick.

„Ludwig hat schon seinen Dickkopf“, weiß Heike Lehmann. Man müsse behutsam und geduldig mit ihm umgehen. Vom Kopf her sei er langsamer als ein Pferd, aber nicht minder empfindsam. Ein Ochse eben, stoisch, aber lieb.

„Er folgt mir problemlos“, sagt Heike Lehmann. Und wie aufs Stichwort erhebt sich der Koloss, nachdem er sie erblickt hat. „Er möchte gebürstet werden. Das liebt er.“

Sie muss sich strecken, um an seinen Rücken zu kommen. Ludwig macht es ihr leicht und senkt den Kopf.

Probleme mit ihrem großen Kuscheltier gab es nie, sagt sie. Auch Nachbarn und Freunde hätten sich an den Anblick des Riesen auf der Pferdeweide gewöhnt. „Ich werde oft gefragt, wie es Ludwig geht. Manche lassen ihn sogar grüßen“, freut sie sich.

Er sei noch nie krank gewesen. Heike Lehmann hofft, dass das so bleibt. Ochsen können etwa 20 Jahre alt werden. „Der wird bei uns sein Gnadenbrot bekommen“, ist die Albringhauserin zuversichtlich. Wobei das Gnadenbrot recht üppig ausfällt. Ludwig hat einen gesunden Appetit. Was frisst so ein Ochse? „Viel“, lacht Heike Lehmann. Vor allem Heu, gut 30 Kilo pro Tag. Ab und an gibt es auch mal einen Apfel oder Brot als Leckerli.

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