Mehrere Menschen retten ihn

Bassumer hat Herzkammerflimmern und überlebt

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Bei Herzkammerflimmern zählt jede Sekunde. 

Bassum - Von Frauke Albrecht. Ein sonniger Tag im August. Ein Team des Bassumer Tennis Clubs ist zu Gast auf der Anlage in Harpstedt. Ganz hinten auf dem weitläufigen Gelände hat ein 57-Jähriger aus Bassum gerade seinen ersten Satz gewonnen. Er sagt noch etwas zu seinem Betreuer und fällt um. Herzkammerflimmern! Die Umstehenden sind geschockt. „Ich habe Geschrei gehört“, erinnert sich Vereinskollege Ulli Butt. Zum Glück ist sofort Hilfe da.

Zwei Spieler aus Bremen beginnen mit der Wiederbelebung. Butt weiß mittlerweile: „Die hatten gerade eine Woche vorher ihren Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt.“ Auch ein Harpstedter hilft. Die drei wechseln sich ab mit der Herz-Druck-Massage. Butt: „Eine anwesende Krankenschwester hat später gesagt, sie hätte es nicht besser machen können.“

Der Vorstand des Tennisvereins Bassum hat einen Defibrillator angeschafft (v.l.): Friedhelm Barneföhr, Axel Weidemann, Johanna Martin und Ulli Butt.

Es dauert 30 Minuten, bis der Notarzt kommt. Die Ersthelfer lassen nicht ab. Passanten rennen zudem ins Freibad, um einen Defibrillator zu holen. Alle Maßnahmen zusammen retten dem Bassumer das Leben. Weil sein Zustand kritisch ist, wird er gefahren statt geflogen – und sofort operiert. Butt: „Die Ärzte haben ihm einen Defibrillator eingesetzt. Heute ist er wieder genesen und arbeitet schon wieder.“ Immer noch unklar jedoch sei die Ursache für das Herzkammerflimmern. Es sei aus heiterem Himmel gekommen. Butt: „Er gehörte bis dahin zu den Fittesten von uns.“ Ihn hat das Ereignis mitgenommen. „Als Polizist habe ich wirklich viel gesehen. Aber als alles vorbei war und meine Frau die Nachricht überbrachte, dass unser Freund durchkommt, bin ich nach oben gegangen und habe geweint.“

Es kann jeden treffen

Der Schock sitzt tief – im gesamten Verein. Axel Weidemann: „Und so langsam sickert die Erkenntnis durch: Es kann jeden von uns treffen.“ Vorstandsmitglied Friedhelm Barneföhr erzählt: „Vor 13 Jahren gab es schon mal einen Vorfall. Damals war der Notarzt sehr schnell da. Dennoch überlebte der Betreffende nicht.“

Der Vereinsvorstand setzte sich zusammen und entschloss sich, einen Defibrillator anzuschaffen. Johanna Martin wurde als Apothekerin beauftragt, sich nach einem geeigneten Modell umzuschauen. Sie beriet sich mit dem Kinderarzt Holger Theek und stieß bei der Recherche auf die Björn-Steiger-Stiftung.

Das Gerät hat 1.100 Euro gekostet. Das Geld stammt von zweckgebundenen Spenden der Vereinsmitglieder. „Die Bedienung ist ganz einfach“, weiß Martin. Das Gerät sage einem, was zu tun sei. Man könne nur einen Fehler begehen, es nicht zu benutzen.

Für die Mannschaftsführer des Tennisvereins gab es eine Einführung. 20 Personen meldeten sich freiwillig. Martin beruhigt: „Auch ohne Einführung ist das Gerät kinderleicht zu bedienen.“

Es sollte mehr Defibrillatoren geben

Die Vorstandsmitglieder bedauern sehr, dass es im Stadtgebiet nicht mehr Defibrillatoren gibt. Sie möchten ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Geräte schaffen. „In Dänemark beispielsweise hängt so ein Gerät vor jedem Supermarkt“, sagt Martin.

Im Bassumer Rathaus und in der Kreissparkasse würden die Verantwortlichen über eine Anschaffung nachdenken. Die Stadt überlegt zudem, die Standorte auf der Internetseite der Stadt zu veröffentlichen. Bürgermeister Christian Porsch: „Wir sehen die Notwendigkeit und werden uns mit dem Thema befassen.“ Er möchte der Politik aber nicht vorgreifen.

Der Tennisverein hat das Gerät in der Tennishalle angebracht. Im Sommer wird es auf dem Outdoor-Platz zu finden sein. „Wir überlegen noch, ob es möglich ist, auch dem Tierpark und Schützenverein den Zugriff zu ermöglichen“, so Martin.

Der Defibrillator hat zehn Jahre Garantie. Und wird hoffentlich nie benutzt, so der Wunsch des Vorstandes. Der Betreffende lädt seine drei Lebensretter nächste Woche zum Essen ein. „Ich bin ein bisschen aufregt“, räumt er ein. Was ihn freut: Die Stiftung Bremer Herzen plant, die drei Helfer auszeichnen.

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