Internet-Gerüchte verunsichern Tierhalter / Veterinäre: Kein Grund zur Panik

Kein Beweis für Giftköder

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Bassum - Von Maik Hanke und Anke Seidel. Eine 50-jährige Bassumerin kann es immer noch nicht fassen, obwohl der tragische Tag schon zwei Wochen zurückliegt: Ihr zehnjähriger Kater Mars ist Opfer eines Giftanschlags geworden.

„Er ging nachts nur noch kurz raus. Als er wiederkam, hatte er blutigen Schaum vor dem Maul“, berichtet sie. Zu retten war das Tier nicht mehr. Ihr Mann, Mediziner von Beruf, ist ziemlich sicher: Der Kater muss Strychnin oder Arsen gefressen haben – ist vergiftet worden, mitten in der Bassumer Innenstadt. Die Familie wohnt an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße.

Die 50-Jährige ist fest überzeugt, dass der unbekannte Täter in diesem Bereich nicht zum ersten Mal zugeschlagen hat: „Hier waren sonst immer viele Katzen. Die sind alle weg.“ Ihr ist es wichtig, so viel Öffentlichkeit wie eben möglich herzustellen – damit dem Täter möglichst schnell das Handwerk gelegt wird.

Die Öffentlichkeit informieren möchte auch Susanne Stiller. Die Postbotin hatte von mehreren Fällen gehört, in denen Tiere vergiftet worden sein sollen. In der Facebook-Gruppe „Unsere schöne Stadt Bassum“ warnte sie und trat damit eine Diskussion los. Viele Bassumer haben nun Angst um ihre Hunde und Katzen.

Tierarzt Dr. Ralph Schuder sieht keinen Grund zur Panik. „Ich glaube, dass das bei Facebook hochgespielt wird“, sagt er. „Da sind Gerüchte entstanden noch und nöcher.“ Bisher gebe es nach seinem Kenntnisstand „keinen Verdacht“, dass Tiere in und um Bassum gezielt vergiftet worden seien.

Schuder führt ein Beispiel an: Ein Hund aus dem Bereich Dicker Braken sei mit Vergiftungserscheinungen in die Klinik gekommen. Der Hund überlebte. Es stellte sich später heraus, dass er „lediglich“ an Pflanzenschutzmitteln geleckt haben dürfte. Einen gezielten Anschlag auf Tiere schließt Schuder aus. „Ich denke, dass das ein Zufall war.“

Auch in der Praxis von Tierärztin Kirsten Rosendahl gab es zuletzt keine Häufung von Fällen mit möglichen Vergiftungen. Nur bei einem Hund konnte nicht sicher bestimmt werden, woran er gestorben war, ob an Rattengift oder doch etwas ganz anderem – wie einem geplatzten Tumor. Es gab keine Obduktion. Rosendahl mahnt Hundebesitzer zwar zur Vorsicht, „aber das gilt ja sonst auch“.

Strafanzeigen sind bei der Polizei bisher keine eingegangen. Das wundert auch Susanne Stiller. „Wenn mein Hund Gift gefressen hätte, dann hätte ich sofort Anzeige erstattet.“

Sollten sich nicht noch die Besitzer von vergifteten Tieren melden, bleibt das Schicksal von Kater Mars nur ein Einzelfall. Wenn auch ein tragischer.

Rechtliches:

Das Tierschutzgesetz verbietet, Wirbeltiere ohne „vernünftigen Grund“ zu töten oder ihnen Schmerzen zuzufügen. Der Schutz des eigenen Grundstücks sei kein zulässiger Grund, sagt Thorsten Abeling, stellvertretender Leiter des Veterinäramts des Landkreises Diepholz, auf Nachfrage. Das Auslegen von Giftködern ist also verboten. Ausnahmen gebe es für die Schadnagerbekämpfung in der Lebensmittelbranche. Wer Gift einsetzt, muss allerdings sicherstellen, dass nicht ungewollt andere Tiere oder gar Kleinkinder daran gelangen können.

Hundebesitzern, die gesicherte Erkenntnisse vorweisen können, dass ihr Hund vergiftet wurde, rät Abeling zur Strafanzeige. Laut Gesetz droht Tätern bei Verurteilung eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

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