Ronja Meyer aus Neubruchhausen hat das Kartrennen für sich entdeckt

Hirn abschalten und Gas geben

Träumt von einer Motorsport-Karriere: die 16-jährige Ronja Meyer aus Neubruchhausen. - Foto: Ulf Kaack

Neubruchhausen - Von Ulf Kaack. Am Steuer des Rennkarts hat sich die „rasende Ronja“ aus Neubruchhausen schnell als Naturtalent erwiesen. Erst vor einem Vierteljahr nahm die 16-Jährige zum ersten Mal den Asphalt einer Rennpiste unter die Räder. Nach mittlerweile sechs Wettbewerben hat sich Ronja Meyer nun den ersten Pokal in die heimische Vitrine gestellt.

Motorsport hat sie schon immer fasziniert, Formel-1-Größen wie Michael Schumacher, Sebastian Vettel und Nico Rosberg imponieren ihr indes gar nicht. „Ich bin mehr durch Zufall in die Szene reingeraten, die mich vom ersten Tritt auf das Gaspedal begeistert hat“, erzählt die Neubruchhauserin mit einem gehörigen Schub an Enthusiasmus. „Im Winter hatte ich beim Rodeln einen schweren Unfall und lag monatelang flach. Mein Pferd durfte ich nicht reiten, fast alle Aktivitäten waren tabu. 

Irgendwann hat mich mein Freund Jan mit auf die Kartbahn nach Bassum genommen, wo er beschäftigt ist. Als ich die kleinen, flachen und wieselflinken Flitzer auf der Piste sah, hat es bei mir gefunkt: Das musst du auch machen!“

Erste Erfahrungen hatte Ronja Meyer bereits beim Quadfahren im Gelände gesammelt. Vor drei Monaten drehte sie die ersten Runden auf einem Leihkart. Es folgten einige Wochen intensiven Trainings, und da stand bereits der erste Wettbewerb vor der Tür: Die Schülerin meldete sich zum Sechstundenrennen auf der Bassumer Bahn an.

Zuvor musste sie ihr fahrerisches Können beim KFN-Racingteam aus Hannover unter Beweis stellen. Das tat sie mit Bravour und gehört seitdem zur Stammbesetzung. Bei ihrem Renndebüt belegte sie mit ihrer Mannschaft den vierten Platz.

Ob die Angst mitfährt? „Nein! Respekt ja, aber Schiss habe ich nicht“, sagt sie selbstbewusst. „Wenn ich auf der Piste bin, ist das Hirn wie abgeschaltet und konzentriert sich ausschließlich auf das Fahren und das Renngeschehen um mich herum.“ Bruch hat es bis auf einen kleinen Abflug in einen gut federnden Reifenstapel noch nicht gegeben. „Und das soll auch so bleiben“, wünscht sich Ronja Meyer.

Mittlerweile hat sie an sechs Wettbewerben teilgenommen. Bei einem Sprintrennen belegte sie jüngst den dritten Platz und gewann ihren ersten Pokal.

Bislang dreht die 16-Jährige auf Leihkarts vom Typ Sodi mit 13 PS starken Motoren ihre Runden. Bis zu 90 Stundenkilometer schnell ist sie damit. Ihr großer Traum ist natürlich ein eigenes Rennfahrzeug mit deutlich mehr Leistung an der Hinterachse. Doch dazu muss sie zunächst einmal kräftig sparen.

„Ich will Kfz-Mechanikerin werden“

Zurzeit geht Ronja noch zur Schule, möchte im kommenden Jahr eine Ausbildung beginnen. „Ich will Kfz-Mechanikerin werden“, sagt die technikaffine junge Frau. „Autos und ihre Motoren haben mich schon immer fasziniert.“

Erste Erfahrungen hat sie bereits gesammelt: Wenn ihr Vater am Familienauto schraubt, geht sie ihm tatkräftig zur Hand. Überhaupt finden ihre Eltern die rennsportlichen Aktivitäten richtig klasse und unterstützen sie dabei auf ganzer Linie, sagt sie. Für die Kosten ihres nicht ganz billigen Hobbies kommt sie selbst auf, verdient sich neben der Schule etwas dazu.

Und wie sehen ihre Karriereplanungen in Sachen Motorsport aus? „Ich werde auf jeden Fall mit den Kartrennen weitermachen und versuchen, langfristig sämtliche nationalen und internationalen Chancen mitzunehmen. Klar träume ich davon, vielleicht mal in der Formel III, bei Rallyes oder auch mit einem Motorrad an den Start zu gehen. Aber vorher muss ich noch kräftig trainieren und mich fahrerisch, mental und taktisch weiterentwickeln. Außerdem steht auch noch die Ausbildung an und die hat Vorrang vor allem.“

Das sieht auch Jörg Wasmuth so und tritt ein wenig auf die Euphoriebremse. Er ist Betreiber der Kartbahn und fördert das Nachwuchstalent vor allem mit Tipps und Kniffen aus der Rennpraxis: „Ronja fährt sehr gut, keine Frage. Doch man muss vor Augen haben, dass sie erst seit drei Monaten dabei ist. Vor ihr liegen buchstäblich noch viele Kilometer bis zur Spitzengruppe im Motorsport. Da liegen auch noch Rückschläge und Enttäuschungen vor ihr, die sie zu überwinden lernen muss.“ Doch einig sind sich alle: Ronja Meyer hat großes Talent, eine realistische Selbsteinschätzung und den nötigen Ehrgeiz.

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