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Gefräßige Bakterien lassen Schlamm keine Chance

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Karl-Rainer Figge von der Firma NaturRat zeigt mit Hilfe von Proben und Tabellen auf, wie sich die Wasserqualität im Tierpark-Teich verbessert hat. ·
Karl-Rainer Figge von der Firma NaturRat zeigt mit Hilfe von Proben und Tabellen auf, wie sich die Wasserqualität im Tierpark-Teich verbessert hat. © MedReinhard

Bassum - Von Charlotte Reinhard. In einer Fontäne spritzt das Wasser aus dem Feuerwehrschlauch über den Zaun, zerteilt sich nach einigen Metern in einen feinen Sprühregen und nieselt auf die Teichoberfläche herab.

Seit mehr als einer Stunde halten die beiden Feuerwehrmänner den Schlauch in Richtung des Gewässers. Der Teich leidet nicht unter Wassermangel, und was hier in den Teich des Tierparks Petermoor regnet, ist auch nicht einfach nur Wasser. Der See wird an diesem Dienstagmorgen das letzte Mal mit Mikroorganismen „geimpft“.

Die Bassumer Feuerwehr versprüht die Mikroorganismen-Mischung großflächig im Teich des Tierparks.
Die Bassumer Feuerwehr versprüht die Mikroorganismen-Mischung großflächig im Teich des Tierparks. © Foto: Reinhard

„Die Mischung enthält effektive Mikroorganismen, kurz EM, bestehend aus Milchsäurebakterien, Gesteinsmehl und Keramikpulver“, erklärt Karl-Rainer Figge von der Firma NaturRat. Diese Mikroorganismen sollten nach und nach die faulende Schlamm- und Fäkalschicht auf dem Grund des Teiches „abfressen“. Laub, Kot und Futterreste hatten sich über Jahre auf dem Boden des Teiches zu einer dicken Schlammschicht angesammelt, die nicht nur stank: Der Teich drohte umzukippen. Die einzige Lösung für das Problem wäre gewesen, den Tierpark-Teich komplett auszubaggern, was für viele Lebewesen wie Fische und Lurche den Tod bedeutet hätte. Ein ganzes Ökosystem wäre vernichtet worden. Ganz zu schweigen von den enormen Kosten.

Als Karl-Rainer Figge im vergangenen Jahr über einen Zeitungsartikel von dem Problem erfuhr, bot er seine Hilfe an. Denn er hatte eine schonendere und kostengünstigere Lösung parat: gefräßige Bakterien. „Nachdem ich mich mit den Vertretern der Stadt getroffen hatte und mit einem Schluck von der Mikoorganismen-Mischung deren Unbedenklichkeit für die Tiere bewiesen hatte, versprach ich, dass die Schicht sich nach den ersten fünf Behandlungen um zwanzig Zentimeter verringern würde“, erinnert sich Figge. Ein Versprechen, das er halten konnte und sogar um zehn Zentimeter übertraf. In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, die ihre Pumpen zur Verfügung stellte, folgten zehn weitere Impfungen. Die Maßnahme zeigte Erfolg: Die Schicht wurde dünner und dünner.

„Als wir mit der Behandlung anfingen, lag der Schlamm auf dem Grund in dem zwei Meter tiefen Teich ungefähr einen Meter hoch. Bei der letzten Messung waren es nur noch etwa 40 Zentimeter“, freut sich Figge. Doch dieses Ergebnis bedeutet kein Ende der Behandlungen. Damit die positiven und regenerativen Milchsäurebakterien die Fäulnisbakterien dauerhaft verdrängen und das Milieu im Teich stabil bleibt, müssen die Teichimpfungen einmal jährlich wiederholt werden. Nur so könne sich keine neue Schlammschicht aufbauen.

Die Kosten im Vergleich zu einer Ausbaggerung seien verhältnismäßig gering: Während die radikale Maßnahme etwa alle zehn Jahre nötig gewesen wäre und zwischen 200.000 und 400.000 Euro gekostet hätte, zahlt die Stadt nur etwa 1 000 Euro pro Impfung für etwa hundert Liter Mikroorganismen und zehn Liter Nährlösung. „Und sterben muss bei dieser Behandlung kein Tier. Im Gegenteil: Vor den Impfungen gingen immer wieder Fische ein“, erzählt Karl-Rainer Figge „Jetzt passiert das nicht mehr. Und der Teich stinkt auch nicht mehr.“

Die Zukunft des Sees sieht er bei einer weiteren Behandlung positiv. Besuchern des Tierparks gibt er den Tipp, „die Enten und Fische nicht so viel zu füttern“. Denn bevor Futterreste wieder zu einer Schlammschicht beitragen, sollten die Menschen daran denken, dass die Tiere, genau wie die Mikroorganismen, genug zu fressen hätten.

Wer Fragen zu den Mikroorganismen hat, kann Karl-Rainer Figge unter Telefon 04252 / 9099986 anrufen.

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