Manfred Scharf gründet die beliebte Gruppe „Bassum früher“

Facebook als Fenster in die Vergangenheit

Vater von Manfred Scharf. Diese Aufnahme entstand 1952.

Bassum/Ristedt - Von Sophie Filipiak. Für viele Menschen über 60 Jahren ist Facebook ein Buch mit sieben Siegeln. Nicht so für Manfred Scharf aus Ristedt. Seit Januar ist er im sozialen Netzwerk aktiv – und wie. Vor drei Monaten gründete er als Administrator eine Gruppe, die mittlerweile mehr als 700 Mitglieder zählt. Dabei ist das Thema eigentlich nicht massentauglich. Denn es geht um das frühere Bassum.

Manfred Scharf inmitten seiner Schätze. In der Schule habe ihn Geschichte eigentlich gar nicht interessiert, die Leidenschaft kam erst später. - Foto: Filipiak

Ein Ristedter, der sich für Bassum interessiert? „Eigentlich bin ich ja gebürtig aus Pestinghausen“, erklärt Scharf. Vor acht Jahren ist er in dem Umkreis von Syke gezogen. Mit im Gepäck: zahlreiche Bilder, Postkarten und alte Zeitungsartikel. Die teilte er zu Beginn in der Facebook-Gruppe „Syke früher“. Dort hatte er schnell sein Pulver verschossen. Aber über das frühere Bassum hatte er noch genug Material. Nur, wohin damit? Im sozialen Netzwerk gab es keine Plattform dafür. Also gründete Scharf kurzerhand im April eine eigene Gruppe. Und war überrascht über den schnellen Erfolg. „Gleich am ersten Tag haben sich rund 100 Leute eingetragen“, so der 62-Jährige. Mittlerweile sind es mehr als 750.

Sie alle vereinigt ein Ziel: So viel wie möglich über das „alte“ Bassum zu sammeln. Die Gruppe an sich ist sehr heterogen. „Vor allem die jüngeren Leute sind sehr interessiert“, erläutert Scharf. Und sie sind nicht alle Bassumer. Viele sind Auswanderer, die in ihrer neuen Heimat beispielsweise in den USA, Namibia, Spanien oder Frankreich leben. „Wir sind halt überall verstreut“, lacht der Ristedter.

Scharf leitet die Gruppe mittlerweile auch nicht mehr alleine. Susanne Stiller und Sandra Maren Scharf stehen ihm als Administratorin beziehungsweise Moderatorin zur Seite. „Susanne arbeitet bei der Post in Bassum, kommt viel herum und kennt viele Leute“, erklärt Scharf. „Als ich sie gefragt habe, ob sie mitmachen will, hat sie sofort zugesagt.“

Sandra Maren Scharf ist – wie der Nachname schon verrät – eine Verwandte des Ristedters. Das war aber zu Beginn gar nicht klar. Es stellte sich aber schnell heraus, dass die junge Frau seine Großcousine ist. „Ihre Eltern leben sogar in Syke, wir haben uns aber seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen.“ So dient Facebook für Scharf auch der Familienzusammenführung. Viele Verwandte und ehemaligen Schulkameraden hat er im sozialen Netzwerk wiedergefunden.

Aber zurück zu „Bassum früher“. Das Archiv von Scharf speist sich vor allen Dingen aus seiner persönlichen Sammelleidenschaft. Ständig ist er auf der Suche nach alten Bildern, Büchern und Postkarten. „Vieles finde ich im Internet“, erklärt der Computer-affine Ristedter. „Man muss nur etwas suchen.“ Einiges entnimmt er auch aus Büchern und stellt sie dann ins Netz.

Nein, ein Lieblingsmotiv habe er nicht, erklärt er. Ihn interessiere alles, was von früher ist. Eine Zeitbeschränkung gebe es auch nicht. „Vor fünf Jahren, das ist ja auch schon Vergangenheit.“ Und so wächst seine Sammlung stetig, ordentlich archiviert in Sammelalben.

Eigentlich merkwürdig, denn in der Schule, erinnert sich Scharf, war er gar nicht an Geschichte interessiert. „Es war einfach nicht mein Fach“, gesteht er. Dann aber, als er nach seinem Bundeswehrdienst auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur nachholte, habe ihn die Begeisterung für die Vergangenheit gepackt, die immer noch fortbesteht.

Das Foto aus dem Archiv von Manfred Scharf zeigt den zugefrorenen Riengraben in den 1970er-Jahren.

Fast täglich postet Scharf etwas von seinen Schätzen – und ist damit das aktivste Mitglied der Gruppe. Was aber nicht heißen soll, dass dieanderen sich nicht beteiligen. Beispielsweise entbrannte um den Post vom 10. Juli eine angeregte Diskussion. Zu sehen sind zwei Bilder: Das ehemalige Arbeitsamt an der Ecke Hindenburgstraße / Lange Straße von 1962 und wie es heute aussieht. Eine Userin erklärt, dass sie da früher gewohnt hat. Eine andere fragt, ob in dem Gebäude auch das Fernmeldeamt ansässig war. Viele Kommentare drehen sich aber darum, dass es schade sei, dass viele solcher Häuser mit Geschichte in Bassum verfallen.

Manche erinnern sich beim Anblick der Bilder auch an lustige Geschichten. Unter einem Bild, auf dem eine Diesellok auf der mittlerweile stillgelegten Bahnstrecke zwischen Bassum und Herford zu sehen ist, postete ein Mitglied folgende Erinnerung: Leicht angetrunken von einer Betriebsfeier sei er in Bassum in den falschen Zug gestiegen. Eigentlich wollte er nach Twistringen, landete dann aber in Sulingen. Unterwegs habe er sich schon über die ihm unbekannte Strecke gewundert.

Wichtig bei allen Beiträgen auf der Facebook-Seite ist, dass immer die Quelle und der Bildnachweis angegeben ist. „Den Urheberschutz nehmen wir sehr ernst“, so Scharf.

Die Arbeit in der Facebook-Gruppe mache ihm immer noch viel Spaß. Und er hat schon Pläne für die Zukunft: „Vielleicht stelle ich auch irgendwann einen Bildband darüber zusammen.“

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