Proben für Tango-Show Destino in heißer Phase

Der Ehrgeiz hat alle gepackt

Uwina Helmke , selbst 90 Jahre alt, spielt die 90-jährige Käte. Ihr Enkel Janis Helmke spielt einen Schuhputzjungen.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Musik, Tanz, Schauspiel, Film und Gesang – das sind die Zutaten für ein ganz besonderes Kulturereignis, das Marcello Monaco und Daniela Franzen derzeit mit 80 Teilnehmern einstudieren. Premiere feiert die Tango-Show Destino am 9. April in Bassum.

Das Besonderes an dem Projekt ist, dass hochkarätige Künstler zusammen mit Amateuren auf der Bühne stehen. Monaco und Franzen bringen verschiedene Kunstdisziplinen zusammen. Sie möchten zeigen, dass auch in der Provinz hochkarätige Kulturveranstaltungen möglich sind und die Zuschauer dafür nicht extra nach Hamburg oder Berlin fahren müssen.

Wer hoch hinaus möchte, riskiert, tief zu fallen. Das wissen die beiden. „Doch das wird nicht passieren“, gibt sich das Künstlerpaar zuversichtlich. Dafür sorgen allein schon die beteiligten professionellen Künstler. Und davon gibt es viele.

Einer ist unter anderem Juan Maria Solare. Der 1966 in Buenos Aires in Argentinien geborene Komponist und Pianist unterrichtet an der Musikschule Bremen Klavier, an der Universität Bremen Tangomusik und an der Hochschule für Künste in Bremen Komposition und Arrangement für die Schulpraxis. Viele seiner über 300 Kompositionen werden europaweit aufgeführt und vom Rundfunk gesendet.

Als Marcello Monaco und Daniela Franzen ihm ihre Idee vorstellten, war er sofort interessiert und sagte zu, die Orchesterleitung zu übernehmen und Kompositionen beizusteuern. Ebenso konnten Chorleiter Monaco und Franzen Profi-Tango-Tänzer aus Berlin und Bremen, professionelle Musiker und Sänger sowie einen Filmemacher überzeugen.

Sie alle singen, musizieren, tanzen und spielen zusammen mit Amateuren – viele davon aus der Region. „Und es klappt wunderbar“, schwärmt Franzen. Das war natürlich nicht von Beginn an so. „Es gab schon so manche quietschige Situation in den Proben“, lächelt sie. Doch die täglichen Proben tragen Früchte. Mittlerweile hat alle der Ehrgeiz gepackt.

Franzen hat das Drehbuch geschrieben, sie führt auch Regie: Das Stück beginnt mit einer Filmsequenz. Eine 90-Jährige (Uwina Helmke) steht auf dem Dachboden. Sie findet Erinnerungsstücke – und beginnt zu tanzen. Als junge Jüdin war sie einst aus Deutschland geflüchtet. Sie entfloh der Unsicherheit und Angst, die sie bis dahin beherrschte und entdeckte in Argentinien den Tango, die Freude am Leben, die Nähe zu den Menschen, die Passion zu Tanz und Musik und die Leidenschaft der Liebe.

In den Filmsequenzen ist sie die alte Dame, auf der Bühne tritt sie als junge Frau in Erscheinung. Diesen Part übernimmt die Tänzerin Katharina Gossen. Franzen: „Es gibt einen ständigen Wechsel zwischen Film, Bühne und Schauspiel – gepaart mit lebendigen und melancholischen Tanzchoreographien, verspielter Artistik, Livemusik und Gesang.“

Auf der Bühne spielen nicht nur Profis und Amateure zusammen, sondern Generationen. Uwina Helmke ist im wahren Leben selbst 90 Jahre alt. Ihr Enkel tritt als Schuhputzer auf.

Franzen und Monaco haben sehr lange nach einer geeigneten rüstigen Darstellerin gesucht. Dann fanden sie Uwina Helmke aus Bremen. Franzen erinnert sich: „Ich hatte ihr das Drehbuch geschickt. Als wir uns dann das erste Mal trafen, sagte sie: ,Ich habe da etwas vorbereitet.’ Plötzlich begann sie zu tanzen. Ich konnte nur noch staunen.“ Franzen schrieb das Drehbuch um.

Uwina Helmke wird am Ende live auf der Bühne stehen und performen. Monaco und Franzen versprechen einen „wirklich unvergleichlichen Abend“.

Mit Spannung erwarten sie den ersten Probedurchlauf mit allen Beteiligten. Bisher haben die verschiedenen Gruppen getrennt voneinander geübt. „Ich bin total gespannt, ob alles passt“, sagt Franzen. Zweifel habe sie nie gehabt. „Wohl aber wache ich manchmal auf und überlege, ob wir auch an alles gedacht haben“, erzählt sie. Der Druck ist groß.

Das Paar ist für die gesamte Projektleitung verantwortlich und muss sich darüber hinaus um die Werbung und die Veranstaltungsräume kümmern.

Für die Premiere in Bassum haben sie die Halle des Nordwestdeutschen Schützenbundes reserviert. Da passen gut 400 Besucher rein. Monaco und Franzen müssen Bestuhlung, Bühne, Technik, Beleuchtung und Catering organisieren. Und dafür sorgen, dass ordentlich Karten verkauft werden.

Das ganze Projekt wird übrigens filmisch dokumentiert. Sequenzen daraus werden zu Beginn der Veranstaltung gezeigt. Im Anschluss an Destino darf getanzt werden.

Die Aufführung beginnt am Sonnabend, 9. April, 20 Uhr. Weitere Termine sind am 10. April, ebenfalls um 20 Uhr in Bassum, sowie am 15. und 16. April, jeweils um 20 Uhr in der Mensa des Schulzentrums in Bruchhausen-Vilsen. Karten gibt es im Vorverkauf für 20 Euro (ermäßigt 18 Euro) bei der Kreiszeitung (Nordwestticket) sowie in Bassum über Papier und Tinte und im Bürgerservice. In Bruchhausen-Vilsen hat außerdem der Tourismus-Service Tickets. An der Abendkasse sind 22 Euro zu zahlen. Weitere Infos im Internet:

www.auf-der-diele.de

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