Wintershall trifft erste Vorbereitungen

Zwei weitere Bohrungen im Erdölfeld Bockstedt

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Frauen-Power auf den neuen Bohrfeldern in Bockstedt: Karin Hofstätter (r.) ist für die voraussichtlich Mitte November anlaufenden Bohrungen verantwortlich. Die Projektleitung liegt in den Händen von Geologin Margarethe Kleczar.

Bockstedt - Von Gerhard Scheland. Rund um Bockstedt zählen Pferdekopfpumpen zum gewohnten Bild. Seit mehr als sechs Jahrzehnten holt die Wintershall dort Erdöl aus dem Boden und transportiert es über ein Leitungsnetz zur Weiterverarbeitung und Lagerung auf das Betriebsgelände nach Barnstorf. In den vergangenen 60 Jahren wurden in Bockstedt annähernd 3,6 Millionen Tonnen Erdöl traditionell gefördert. Das entspricht in etwa der Hälfte des monatlichen Ölbedarfs in ganz Deutschland.

Weil nur etwa ein Drittel des Erdöls, das in einer Tiefe von mehr als 1.000 Metern liegt, aus den Gesteinsporen gefördert wird, läuft auf dem Erdölfeld Bockstedt seit gut drei Jahren außerdem ein Testprojekt. „Ziel ist es, mit dem biologischen Verdickungsmittel Schizophyllan den Förderertrag zu erhöhen“, erläutert Pressesprecher Mark Krümpel. Wintershall habe das Biopolymer, das von einem Pilz stammt, zusammen mit dem Mutterkonzern BASF entwickelt.

Seit mehr als 60 Jahren ein gewohntes Bild: Auf den Erdölfeldern Bockstedt, Aldorf und Düste wird das Erdöl mit sogenannten Pferdekopfpumpen aus der Tiefe an die Oberfläche gefördert.

Um die Erdölförderung in Bockstedt weiterzuentwickeln, will das Unternehmen im Herbst zwei neue Bohrungen vornehmen. Sie sind auch das Ergebnis von seismischen Messungen, die das Unternehmen vor zwei Jahren in Bockstedt abgeschlossen hat. Die 3D-Seismik sollte zeigen, wo es noch förderbare Erdölvorkommen gibt und wo Wintershall neue Bohrpunkte setzen muss. Der Bau eines neuen Bohrplatzes direkt neben dem Platz im Rüssener Heerweg, wo aktuell noch die Testförderung mit dem Pilz läuft, hat in diesen Tagen begonnen. Derzeit wird das gesamte Gelände mit Füllsand, Schotter und Asphalt befestigt. Zum einen, um Umweltschutzanforderungen zu erfüllen. Zum anderen, um eine optimale Entwässerung sicherzustellen. Parallel dazu presst eine mächtige Ramme ein 60 Meter langes Standrohr in den Boden, um das Grundwasser in diesem Bereich gegen die Bohrung abzudichten. Nach Abschluss der Arbeiten werden die Fundamente für den 50 bis 60 Meter hohen Bohrturm gegossen, bevor der teleskopähnliche Aufbau der Bohrverrohrung in die Tiefe gebracht werden kann.

Wenn alles nach Plan läuft, ist die Herrichtung des Bohrplatzes Mitte Oktober abgeschlossen“, erklärt Krümpel. Mit Bohrbeginn sei etwa einen Monat später zu rechnen. Für den Transport des geförderten Erdöls zum Betriebsgelände an der Rechterner Straße in Barnstorf werde die vorhandene Infrastruktur genutzt.

Die Einrichtung neuer Bohrplätze ist für Wintershall tägliches Geschäft. Dennoch gibt es für das Vorhaben in Bockstedt eine branchenunübliche Besonderheit: Zwei Frauen planen ein Bohrprojekt gemeinsam und setzen es um – eine Premiere im Unternehmen. Die Leitung hat die 30-jährige Bohringenieurin Karin Hofstätter übernommen. Zur Entwicklung und Steuerung des Bohrprojektes steht ihr die Geologin Margarethe Kleczar (38) als Projektleiterin zur Seite. Beide freuen sich auf die Herausforderung, die in den nächsten Wochen und Monaten auf sie zukommt.

Beide Frauen weisen einen ganz unterschiedlichen Berufsweg auf und sind auf verschiedene Weise zu Wintershall gekommen. Kleczar, studierte Geologin, hat als Quereinsteigerin 2015 bei Wintershall begonnen. Hofstätter trat Anfang 2013 ihren Dienst bei dem Förderunternehmen für Erdöl und Erdgas mit Sitz im hessischen Kassel an. Nach ihrem Studium an der Montan-Universität in Leoben in der Steiermark mit dem Schwerpunkt Bohrtechnik arbeitete sie ein Jahr beim österreichischen Bohrunternehmen RAG. Dann wechselte die gebürtige Österreicherin zu Wintershall und durchlief zunächst ein zweijähriges Trainee-Programm. Dort konnte sie bei einem halbjährigen Offshore-Einsatz in Holland erste theoretische und praktische Bohr-Erfahrungen sammeln. Anschließend war sie auf verschiedenen Bohrfeldern in Deutschland eingesetzt – auch in Bockstedt.

Zur geplanten Bohrtechnik, die auf den neuen Feldern in Bockstedt angewendet werden soll, erläutert die Bohringenieurin, dass zunächst 400-Meter vertikal gebohrt wird. „Dann geht es mit einer 30-Grad-Neigung in einer langgezogenen Kurve bis zum 1.200 Meter tief liegenden geologischen Ziel weiter“, sagt die 30-Jährige. Doch bevor es soweit ist, haben die Projektleitung und ihr Team noch einige Vorbereitungen zu treffen.

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