Präventionsteam unterstützt Aktion in Barnstorf

Workshop macht Flüchtlinge fit für den Straßenverkehr

Im Fahrradschuppen herrscht jeden Freitag reger Betrieb. Auch viele Flüchtlinge nutzen das Angebot. - Foto: Mattlage

Barnstorf - Von Sabine Nölker. Flüchtlingen die deutschen Verkehrsregeln vermitteln und ihre Drahtesel überprüfen: Dieses Ziel hatten sich die Organisatoren des ersten Fahrradworkshops gesetzt, der jetzt am Barnstorfer Bahnhof über die Bühne ging. Etwa 20 Personen nutzten das Angebot und sammelten wertvolle Erfahrungen.

Es waren kleine Mängel, die Thomas Gissing und Wolfgang Rehling vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Diepholz bei der Überprüfung der Drahtesel feststellten. Spannender und vor allem lustiger wurde es im Anschluss, als Fahrlehrer Heiko Weißleder die jungen Leute zur Schulung bat. Zwischendurch hatten die Ehrenamtlichen des Fahrradschuppens alle Hände voll mit Reparaturen zu tun. Vertreter der Interessengemeinschaft Gesundes Leben und der Jugendpflege, die den Workshop mitorganisiert hatten, waren ebenfalls vor Ort.

Für Quadratula Housseini war es gleich in zweifacher Hinsicht ein toller Tag. Zum einen feierte der aus Afghanistan stammende Junge seinen 15. Geburtstag, zum anderen hatte er mit seinen Freunden aus der Wohngruppe Drentwede viel Spaß bei dem Fahrradworkshop. Zunächst wurde sein Drahtesel von Verkehrssicherheitsberater Thomas Gissing unter die Lupe genommen. Ergebnis: Klingel, Bremsen und Licht sind in Ordnung. „Bei mir fehlt nur ein Reflektor am Hinterrad“, berichtete der junge Afghane.

Von seinen schlimmen Erlebnissen war an diesem Tag nichts zu spüren. Quadratula, der auf der Flucht miterleben musste, wie seine Eltern erschossen wurden und nun auf sich allein gestellt ist, scheint in Barnstorf angekommen zu sein. „Ich fühle mich hier wohl“, sagte der Junge. Er habe Freunde gefunden, in der Wohngruppe und ebenso in der Christian-Hülsmeyer-Schule, die er seit ein paar Monaten besucht.

Um das kleine Defizit an seinem Drahtesel beheben zu lassen, reihte sich Quadratula geduldig in die Reihe der Wartenden vor dem Fahrradschuppen ein. „Hier ist heute ganz schön was los“, bemerkte ehrenamtlicher Mitarbeiter Werner Gläser zwischen dem Befestigen eines Reflektors und der Reparatur eines Bremskabels. Gemeinsam mit Wolf-Dieter Tschorn, Mohammed Saeed und Pascal Chill beseitigte Werner Gläser die von der Polizei festgestellten Mängel.

Beliebter Anlaufpunkt für Flüchtlinge

Das Quartett ist jeden Freitag in der Zeit von 15 bis 18 Uhr in dem Fahrradschuppen aktiv, der sich zu einem beliebten Anlaufpunkt für Flüchtlinge entwickelt hat. „Vor sieben kommen wir hier nie raus, heute vielleicht noch später“, meinten die Helfer. Denn inzwischen hatten sich auch Biker in die Schlange gestellt, die nicht am Workshop teilnahmen. Ganz kostenfrei ist das ehrenamtliche Angebot nicht. Pro Kunde werden drei Euro Gebühr sowie die Kosten für die Ersatzteile kassiert. „Ein Obolus, der ohne die vielen Spenden viel höher ausfallen würde“, so Tschorn.

Während im Schuppen noch etwa die Hälfte der Workshopteilnehmer auf die Reparatur ihres Drahtesels warteten, gab Wolfgang Rehling einen ersten Einblick in die Verkehrsregeln. „Ihr fahrt da, wo auch die Autos fahren. Es sei denn, es gibt einen Fahrradweg“, lautete die Ansage. Wichtig sei es hierzulande, immer rechts, nie freihändig und auch nicht mit dem Handy in der Hand zu fahren. „Das kostet euch 25 Euro Strafe, wenn ihr erwischt werdet, also viel Geld“, fügte der Polizist hinzu. Sein Rat zum Schluss: „Haltet immer die Augen auf, denn auch wenn Ihr im Recht seid: Wenn es kracht, tut es immer euch weh!“

Nach der Einweisung ging es auf den Berliner Platz, wo die Flüchtlinge verschiedene Grundfahrübungen bewältigen mussten. Da war auch Geburtstagskind Quadratula mit Feuereifer dabei. Unter dem Motto „Fitness mit dem Fahrrad“ hatten die Teilnehmer viel Spaß. Highlight war das Schneckenrennen, bei dem derjenige, der am langsamsten fuhr, als Sieger hervorging. An den strahlenden Gesichtern der durchweg jungen Männer war zu erkennen, dass sie trotz Nieselregens ihr Kommen nicht bereut hatten.

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