Nächste Veranstaltung bei Hibbeler im Zeichen des Webens

Wenn kleine Schiffe durch Fadenreihen schießen

Friedrich Meyer beherrscht die Kunst des Webens. Bei ihm können die Besucher zuschauen oder gerne auch selbst mitmachen.

Rechtern - Es kommt wieder Leben in die ehemalige Gaststätte Hibbeler in Rechtern: Der Kulturverein „Stadt.Land.Fluss“ setzt seine noch recht junge Veranstaltungsreihe „Handwerk ist Kultur“ fort. In der dritten Ausgabe am Sonnabend und Sonntag, 17. und 18. September, geht es um das Thema Weben. Die Besucher können Fachleuten über die Schulter schauen, aber auch selbst aktiv werden und dabei ganz neue Erfahrungen machen.

Gastgeberin Ulrike Westermann und ihr Mann Heimo Schulte, die den Kulturverein unlängst aus der Taufe gehoben haben und das Event in Rechtern auf die Beine stellen, haben sich ganz bewusst für das traditionsreiche Handwerk entschieden: „Weben gehört zu den ältesten Kulturtechniken und ist wahrscheinlich schon vor der Keramik entstanden. Bereits in der Jungsteinzeit haben die Menschen pflanzliche Fasern zu Stoffen gewoben“, wissen die Organisatoren.

Die frühen Gewichtswebstühle funktionieren noch sehr einfach. Im Vergleich dazu sind heutige Webstühle Wunderwerke der Mechanik. Mit ihnen können aufwändige Muster und feinste Stoffe hergestellt werden. Eines dieser Modelle wird auf Hibbelers Diele aufgebaut. Friedrich und Gisela Meyer aus Eydelstedt werden zwei Tage lang demonstrieren, wie die schönen Leinentücher entstehen, mit denen schon Groß- und Urgroßmütter ihre Wäscheschränke füllten.

Über Jahrhunderte hätten solche Webstühle auf jedem Bauernhof gestanden. Durch die Industrialisierung und die Massenproduktion von preiswerten Stoffen sei das Weben als Handwerk aber in Vergessenheit geraten, bedauert Westermann. Umso mehr freut sich die Urenkelin von Friedrich Hibbeler, dass es Enthusiasten wie das Ehepaar Meyer aus Eydelstedt gibt. An den Stoffen, die auf ihren Webstühlen entstehen, werde der Unterschied zwischen Handwerk und Massenware deutlich.

Die Begeisterung für schöne Stoffe und edle Naturfasern soll sich am Wochenende auf das Publikum übertragen. Deshalb gibt es die Möglichkeit, selbst am Webstuhl zu arbeiten und ein Stück zum großen Tuch beizutragen. Das Ehepaar Meyer wird nicht müde, Interessierten jeden Alters den Webstuhl zu erklären und vorzuführen, wie auch die Füße gebraucht werden, um über Pedale, wie an einer Orgel, die Muster herzustellen. Wer gerne mit einem Andenken nach Hause gehen möchte, kann sich an der Knopfmaschine einen Knopf mit einem Stück Leinen beziehen.

„Auch für Kinder ist es sicher ein Erlebnis, einen Webstuhl in Aktion zu sehen, das Entstehen eines Musters zu beobachten und dann auch selbst mal ein Schiffchen durch die Fadenreihen zu schießen“, ist Westermann überzeugt. Ganz nebenbei lernten die Kleinen den Wert eines so mühsam hergestellten Produktes zu schätzen, mit dem man sorgsam umgehe, weil es nicht jederzeit ersetzbar sei.

Mit dieser Aktion möchte der Verein erneut einen Rahmen schaffen, um das Verständnis für den Wert handwerklicher Arbeit zu fördern. Die Teilnahme an der Veranstaltung, die vom Landschaftsverband Weser-Hunte gefördert wird, ist kostenlos. Dabei soll die Begegnung nicht zu kurz kommen. Die Türen sind am Sonnabend in der Zeit von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag in der Zeit von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Für Handwerksfreunde und Ausflügler hält die Gastronomie wieder Kaffee und Kuchen bereit.

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