Blick in die 125-jährige Geschichte des MTV „Jahn“ Barnstorf 

125. Geburtstag des MTV „Jahn“ Barnstorf

Diese Aufnahme aus dem Jahr 1932 zeigt die Teilnehmer eines Rettungsschwimmlehrgangs. Anfang der 1970er gründeten die Schwimmer dann ihren eigenen Verein.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Der riesige Air-Track darf nicht fehlen, wenn die jungen Sportler am morgigen Sonnabend zum 125. Geburtstag des MTV „Jahn“ Barnstorf in Aktion treten.

Schneller Auf- und Abbau, vielfältige Einsatzmöglichkeiten und geringe Verletzungsgefahr zeichnen das weiche Luftkissen zum Turnen aus. An solche Trainingsgeräte wäre in der Gründerzeit des Männerturnvereins nicht zu denken gewesen. Ein Barren und ein Pferd sollen die Erstausrüstung gewesen sein, als ein Dutzend Herren im Sommer 1891 den Grundstein für eine traditionsreiche Geschichte legten.

Der MTV „Jahn“ Barnstorf ist heute mit etwa 1 050 Mitgliedern der stärkste Sportverein in der Samtgemeinde Barnstorf. In acht Abteilungen wird ein breites Betätigungsfeld für alle Altersgruppen ermöglicht. Es reicht vom Eltern-Kind-Turnen über verschiedene Ballsportarten bis hin zur Seniorengymnastik. „Es ist eine gute Mischung von Sportangeboten, sowohl im Leistungssport als auch im Breitensport“, sagt Vorsitzender Heiner Thiemann, der seit neun Jahren die Geschicke des Hauptvereins leitet.

Eine tragende Säule des Vereins ist die Turnabteilung. Sie allein zählt mehr als 400 Mitglieder, darunter viele Mädchen und Frauen, die sich in Leistungsturnen, Stepaerobic, Gymnastik oder Seniorentanz betätigen. In dieser Hinsicht hat sich schon ein gewaltiger Wandel vollzogen, denn Ende des 19. Jahrhunderts dominierte das männliche Geschlecht im Verein. Ein Blick in die Chronik zeigt, dass im Jahr 1912 eine Damenabteilung angegliedert wurde.

Sportler durch Mitgliedschaft in NS-Organisationen beansprucht

Neben den wöchentlichen Übungsabenden nahmen die Aktiven regelmäßig an Turnfesten teil und auch das gesellschaftliche Leben kam nicht zu kurz. Der Erste Weltkrieg riss jedoch eine große Lücke. Erst 1919 fanden sich 60 Turner, um die Vereinsarbeit wieder in Gang zu bringen. In den Folgejahren wurde voller Stolz die Turnhalle an der Mühlenstraße errichtet. Aber es sollte nicht einfacher werden in den Jahren nach 1933. Viele Sportler wurden zunehmend durch ihre Mitgliedschaft in den NS-Organisationen beansprucht. 1935 musste der Verein die „Einheitssatzung des Reichsbundes für Leibesübungen“ übernehmen.

Ein herausragender Sportler zu jener Zeit war Walter Steffens, dessen Karriere in Barnstorf begann und mit der Goldmedaille im Mannschaftsturnen bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin seinen Höhepunkt fand. „Das war ein guter Turner“, sagt Christa Ackermann. Die 86-jährige Barnstorferin erinnert sich noch gut an die strapaziösen Barren-Übungen mit dem Ausnahmetalent. „Ich hatte Schmerzen in den Oberschenkeln.“

Christa Ackermann hat einen Großteil der Vereinsgeschichte hautnah miterlebt. Wenn sie in der Chronik blättert und alte Fotos sieht, werden viele schöne Erinnerungen an ihre Kindheit wach. „Jedes Jahr Ostern war Turnerball bei Stukering. Der Saal war proppevoll. Da durften wir Kleinen auf der Bühne etwas vormachen“, erzählt die Seniorin. Später im Erwachsenenalter hat sie sich als Übungsleiterin engagiert. Und auch heute noch ist die 86-Jährige aktiv bei der Sache: „Ich gehe jeden Donnerstag zum Turnen. Im Winter mache ich zusätzlich Wassergymnastik.“

Verein während des Zweiten Weltkrieges aufgelöst

Doch es gab damals auch die Kehrseite der Medaille. Während des Zweiten Weltkrieges kam die Vereinstätigkeit immer mehr zum Erliegen, so dass der Verein aufgelöst wurde. Erst im Januar 1946 fand im Barnstorfer Waldkater eine Versammlung zur Wiederbelebung des Barnstorfer Sportes statt. Es erfolgte die formale Gründung des „Barnstorfer Sportvereins v. 1891“, bestehend aus dem alten „MTV“ und dem alten Fußballclub „Germania“.

Tischtennis in der ehemaligen Sporthalle an der Mühlenstraße: Helga Bulmahn (r.), hier im Doppel mit Rita Weichert, gehörte zu den Stützen der Damenmannschaft. Über den Sport lernte sie auch ihren Mann Gerd kennen, der sich im Verein stark engagierte.

Im Jahr 1952 zerbrach jedoch der Großverein, da eine nicht unerhebliche Schuldenlast – entstanden durch die weiten Fahrten der Fußballmannschaft in der Verbandsliga – den Verein über Jahre belastete. Anfang Februar erweckten die „alten Hasen“ den MTV „Jahn“ Barnstorf wieder aus dem Vereinsregister – ohne die Fußballabteilung. Die einst während des Nationalsozialismus aufgezwungene Satzung wurde aufgehoben und ersetzt. Der Verein beteiligte sich nun wieder an Turnfesten, errang beachtliche Siege und bot Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen an.

In den Folgejahren wurde das Sportangebot erweitert. Doch mit neuen Abteilungen platzte die kleine Halle an der Mühlenstraße aus allen Nähten, so dass auf einige Sportarten verzichtet werden musste. „Das war ein großer Verteilungskampf“, weiß Gerd Bulmahn (86), der sich zu jener Zeit um den Wiederaufbau der Tischtennis-Sparte bemühte. Mit dem heiß ersehnten Neubau an der Walsener Straße und später im Sundering sollte sich die Situation entspannen.

Gerd Bulmahn blieb der Halle an der Mühlenstraße treu. Schließlich brauchte er nur den Bürgersteig zu wechseln, um sich mit seinen Tischtennis-Kollegen zu treffen. „Mit einer unterklassigen Mannschaft haben wir die Sache wieder in die Gänge gebracht“, blickt der ehemalige Abteilungsleiter und Vereinsvorsitzende zufrieden zurück. Auch der Aufbau einer Damenmannschaft sollte rasch gelingen– und ihm ein bis heute währendes Liebesglück bescheren. „Wir haben uns über Tischtennis kennen gelernt“, erzählt Ehefrau Helga (76), die damals ein Ass an der Platte war.

Im Jahr 1977 erstmals 1 000-Mitglieder-Marke geknackt

Anfang der 1970er Jahre machte sich die Schwimmsparte als Schwimmgemeinschaft Barnstorf selbstständig. Im Gegenzug konnte der Verein 1975 die Neugründung der Volleyballsparte verkünden. Judo und Handball hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits etabliert. Unter der Regie von Heinz Fessel kam auch das Wandern nicht zu kurz. Dank des regen Zulaufs wurde im Jahr 1977 erstmals die 1 000-Mitglieder-Marke geknackt. Eine beachtliche Größenordnung, in der sich der Verein auch heute in seinem Jubiläumsjahr bewegt.

Tischtennis in der ehemaligen Sporthalle an der Mühlenstraße: Helga Bulmahn (r.), hier im Doppel mit Rita Weichert, gehörte zu den Stützen der Damenmannschaft. Über den Sport lernte sie auch ihren Mann Gerd kennen, der sich im Verein stark engagierte.

„Im Großen und Ganzen steht der MTV zum jetzigen Zeitpunkt gut dar“, attestiert Vorsitzender Thiemann. Die Mitgliederzahlen hätten sich stabilisiert, neue Angebote wie Boxen und Basketball einen ordentlichen Zulauf gebracht. Und auch finanziell steht der Verein auf einem soliden Fundament und ist für neue Herausforderungen gewappnet. „Da können wir uns nicht beklagen“, so Thiemann. Sehr zufrieden ist der Vorsitzende heute auch mit den sportlichen Rahmenbedingungen. Mit dem Bau der Vereinssporthalle durch den Flecken Barnstorf ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. „Die Sportanlagen für einen Ort dieser Größe sind hervorragend. Drei große Hallen auf engem Raum und dazu das Stadion: Für Sportler sind das schöne Zustände und kurze Wege“, erklärt der Vorsitzende.

Von diesen kurzen Wegen dürften Sportler und Besucher auch beim „Tag der offenen Tür“ am morgigen Sonnabend von 14 bis 18 Uhr profitieren. In beiden Hallen an der Walsener Straße und auf dem Freigelände präsentiert sich der MTV „Jahn“ Barnstorf in seiner ganzen sportlichen Vielfalt. „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn hätte sicher seine Freude an diesem Jubeltag: „Frisch, fromm, fröhlich, frei!“

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