Hundezüchter zeigt zwei Jäger an

„Wolf ist kein Freiwild“

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Ein Wolf nähert sich dem Kadaver einer Ricke, den zwei Jäger bewusst als Köder ausgelegt hatten.

Barnstorf - Ein Experiment hat für zwei Jäger aus Barnstorf strafrechtliche Folgen: Christian Berge, Züchter amerikanischer Wolfsdogs aus Buchholz und „Anwalt“ für den Wolf in der freien Natur, hat den Jagdpächter Egon Schumacher und den Jagdaufseher Jens Beckmann angezeigt. Sie hatten den Kadaver einer Ricke als Köder vor eine Wildkamera gezogen.

„Damit haben die beiden Herren eine Straftat begangen“, betont Christian Berge. „Wilde Wölfe stehen unter besonders strengem Artenschutz. Seit Jahren wird darüber aufgeklärt, dass man wilde Wölfe auf gar keinen Fall anfüttern darf!“

Die Barnstorfer Jäger hatten nach einem Wolfsriss am 29. Dezember den Kadaver der Ricke am Rande eines Waldes abgelegt und den Platz mit einer Infrarotkamera beobachtet. Am Neujahrstag, gegen 5.45 Uhr, tauchte ein Wolf mit markantem spitzen Gesicht auf. „Es ist die Wölfin, die wir schon vor einem Jahr mit einer Kamera identifiziert haben“, zeigte sich Schumacher überzeugt.

Berge bewertet die Aktion als „Katastrophe!“, denn das Wolfsbüro des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) sei über dieses genehmigungspflichtige „Experiment“ nicht informiert gewesen. „Geschweige denn, dass es eine Genehmigung gab“, fügt der Wolfs-Kenner hinzu. Aus seiner Sicht haben die Männer klar gegen Vorgaben im Bundesnaturschutzgesetz verstoßen. Dafür könne sogar eine Freiheitsstrafe verhängt werden.

Weder Egon Schumacher noch Jens Beckmann waren gestern für eine Stellungnahme zu erreichen.

Derweil zeigte sich Dr. Holger Buschmann als Landesvorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu) Niedersachsen erschrocken über das Barnstorfer Experiment: „Einzelne Wölfe, die gefüttert werden beziehungsweise regelmäßig menschliche Speiseabfälle fressen oder sich anderweitig an den Menschen gewöhnen, können sich auffällig vertraut gegenüber Menschen verhalten.“ Durch Maßnahmen wie in Barnstorf „kann ein Wolf beginnen, die Nähe des Menschen nicht mehr zu meiden, sondern gezielt zu suchen“.

Der Nabu-Landesvorsitzende weiter: „Deshalb ist eine Fütterung auch zum einmaligen Anlocken strikt zu unterlassen und muss Konsequenzen haben.“ Ausdrücklich fügte Buschmann hinzu: „Wölfe erbeuten nur einen Teil des Wildes, wie es für andere Räuber-Beute-Beziehungen in der Natur generell gilt. Die Befürchtung, Wölfe im Revier würden den Wald leer fressen, ist unbegründet.“

Zwei Schafe waren vor wenigen Tagen in Dörrieloh getötet worden – vermutlich von einem Wolf. Die Besitzer hatten die Kadaver an Ort und Stelle belassen und eine Wildkamera installiert, um Beweisfotos zu bekommen. Strafrechtlich müsse das die Polizei bewerten, so Christian Berge: „Tote Schafe sind meines Wissen aus seucherechtlichen Gründen sofort zu entsorgen.“

Berge fordert grundsätzlich mehr Akzeptanz und vor allem mehr sachliche Argumente statt Angst und Ablehnung: „Der Wolf ist der König der deutschen Wälder und gehört zu Deutschland wie jedes andere Wildtier!“

sdl/sp

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